Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1846)
- Date
- 1846-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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s. 3-ch-g-mg. Allgemeine No. IS. Zeitung des Audenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. $u Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 4. Mai 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. «mfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22| Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen cin; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ueber den Religionsunterricht. Zeitungsnachrichten: Neu-Holland: Sydney. Persien: Teheran. Frankreich: Paris. Oesterreich: aus Ungarn, Teplih, Preßburg. Preußen: von der Weichsel, Posen. Deutschland: Hamburg, München, Stuttgart, Württemberg. Auszüge: Der Kampf auf einem Grabe. Geschichtliches Creigniß aus dem Polenkriege. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, den 27. April. Ueber den Religionsunterricht. Vor dem Drängen, vor der Bewegtheit und Erregtheit im Kultus, welche gegenwärtig vorherrschen, treten viele Bestrebungen zurück, deren Wichtigkeit dem Vorurtheilslosen nicht minder einleuchtet, wohl wissend, daß die Religion nicht im Kultus allein besteht. Wie es jedoch im Kreise des Menschlichen immer geschieht, daß, je heftiger Etwas betrieben wird, desto schneller konsumirt sich das Interesse, und desto eher wird die Aufmerksamkeit wieder auf ein Anderes gelenkt: so ist es nothwendig, den Blick auch auf die anderen Bedingungen und Bedürfnisse des jüdischen Religionslebens zu richten. Der Religionsunterricht der Jugend hat überhaupt das Schicksal, an vielen Orten und bei vielen Individuen vom Kultus in Schatten gestellt zu werden. Weil seine Wirksamkeit in die Zukunft greift, weil er nur den Acker bestellt, auf welchem das Leben und der Kultus die Früchte sammeln: so zieht er die Augen weniger auf sich, und man tröstet sich oft genug, daß das Leben und der Kultus später ausfüllen würden, was der lückenhafte Religionsunterricht an Lücken zurückgelassen hat. Verkehrtes Beginnen! Es giebt Gemeinden, wo der Kultus bereits geordnet ist, und an den Religionsunterricht der Jugend wird nicht gedacht. Es giebt auch eine große Zahl Rabbinen, die für die Kultusverbefferung das Schwert ziehen, und das ganze Jahr nicht daran denken, selbstthätig Hand an die religiöse Bildung der Jugend zu legen. Giebt es nicht deren, welche dies unter ihrer Würde halten?! Und doch sollten sie den ganzen Segen ihrer anderweitigen Bestrebungen von der Jugend erhoffen! Und doch hat der Religionsunterricht in der gegenwärtigen Zeit innere Schwierigkeiten, deren Besprechung und Beseitigung höchst nothwendig ist. Ja, wir behaupten, daß das Amt eines jüdischen Religionslehrers in unsrer Zeit viel schwieriger ist, als das des Rabbinen und Predigers. Letztere können auf ihrer Kanzel sprechen, wovon sie wollen; ja, es ist sogar Pflicht, auf der Kanzel nicht von Allem zu sprechen, um diese wenigstens nicht zum Tummelplatz erbitterten Kampfes zu machen, sondern von wannen der Ruf der Liebe und des Friedens unter allen Verhältnissen ertönt. Aber der Religionslehrer muß von allem Religiösen sprechen. Er kann und darf nicht um den heißen Brei schleichen, die Jugend selbst läßt es nicht zu, denn die fragt nach Allem. Es