Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1846)
- Date
- 1846-04-27
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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267 Berlin, 14. April. (Privatmitth.) Die Konferenz, die hier jetzt abgehalten wird, soll nur eine Borbcraihung sein zu einem spater zu berufenden allgemeinen Konzil aller Reformgenossenschaften Deutschlands; man will sich zunächst über die Präliminarien verständigen, um dann desto sichrere und umfassendere Schritte thun zu können. Es haben sich bisher etwa sieben Abgeordnete eingefunden, nämlich: aus Breslau zwei, aus Kulm, Marienwcrder, aus Oberschlesien, Herr Or. Jost aus Frankfurt a. M., Herr Helwitz aus Soest für Westphalen; andere, wie z. B. aus Prenzlau u. s. w. werden noch erwartet. Montag den 13. d. M. Abends hatte die erste vorbereitende Sitzung statt. Wie man aus zuverlässiger Quelle vernimmt, sollen folgende Punkte zur Sprache gekommen sein: Soll ein Mittelpunkt für die allgemeinen Refvrmangelegenheiten an einem bestimmten Orte anberaumt werden, und an welchem? Ferner über die Einsetzung eines Zentralkomitvs, welches die Reformgenoffenschaften besonders den Behörden gegenüber zu vertreten hat; über die zu diesem Zwecke zu er. richtende allgemeine Kasse; über die Art und den Grad der Besteuerung; welche Orte sind geeignet zur Einrichtung eines dem berliner ähnlichen Gottesdienstes? Welche Unterstützung kann den Gemeinden, welchen die Mittel hiezu, wie auch zur Anstellung von Religionslehrern und Predigern fehlen, wol geboten werden? rc. :c. Außer diesen und ähnlichen Fragen, welche sich lediglich auf die Organisirung und den engern Anschluß der Reformsreunde beziehen, lagen noch zwei Anträge über Abschaffung der zweiten Festtage (nia u"1) und der Vorabende der Sonn- und Festtage vor. Die Versammlung hat zwar diese Vorlagen als nicht vor ihr Forum, sondern vor das der Rabbinerversammlung gehörig anerkannt; sie sollen aber dessenungeachtet ausführlich besprochen werden, damit dieselben nicht als Anfragen und Bitten Einzelner, sondern als die Willensmeinung einer bestimmten Gesammtheit der nächsten Rabbinerversammlung zur Begutachtung unterbreitet werden können. Wie man jedoch hört, dürfte Keiner von beiden Anträgen, besonders der Letztere nicht die Zustimmung der Versammlung erlangen. Ein Mehreres ist von diesen Berathungen, zu denen übrigens Allen der Zutritt gestattet ist, bisher noch nicht bekannt geworden und behalte ich mir vor, Ihnen nächstens das Weitere zu berichten. Oesterreich. Papa, im April. (Privatmitth.) Die Vorsteher der hiesigen Gemeinde haben eine Ansprache an die Letztere drucken und vertheilen lassen, welche im glühendsten Interesse für das Bessere die Gemeinde von der wüthenden Opposition väterlich abmahne, die der niedere Theil derselben ausübt. Sie wollen der Syn« agoge Anstand und Erbauung geben, ein geregeltes Schulwesen für Knaben und Mädchen einrichten, einen tüchtigen, bewährten Oberrabbiner wählen und eine angemessene Gemeinderepräsentation schaffen. Die Grundobrigkeit ist den Vorstehern zur Seite, und mit ihrer Hülfe wollen sie die parteilosen, nur auf das Beste der Gemeinde gerichteten Pläne durchführen. Gott gebe ihnen Kraft und Erfolg! (Mangel an Raum verhindert uns dem Wunsche des löbl. Vorstandes gemäß die „Ansprache" in diesen Blättern abdrucken zu lassen. Redakt.) Korrespondenz. ör. Vorlesungen. VIII. und IX. Berlin, den 3. März 1S46. Beide Vorlesungen umfaßten das Gebiet der jüdischen Poesie des Mittelalters. An die Namen Calir und Gabirol knüpfte sich eine Darlegung der poetischen Leistungen jener Zeit mit einer kurzen Entwickelung undMotivirung des eigentlichen Wesens der jüdischen Dichtkunst. Jener eigenthümliche Reiz, den die Einführung in eine neue Sphäre des Denkens und Fuhlens und die Erschließung einer reichen Schatzkammer gemüthlicher Produktionen schon für sich hat, selbst ohne die Erscheinung einer so geistvollen Originalität, wie sie der Neid dem Judenthume nicht absprechen kann, wurde noch besonders durch eine scharfe Charakteristik einzelner Dichtungen und die schöne, kunstvolle Einkleidung und Formung der Probestücke wesentlich erhöht. Um so inniger bedauern wir, daß der Redner, hingerissen von polemischem Eifer, das Erhebende des Vortrags nicht unbedeutend herabstimmte durch das Ergreifen fernliegender Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten, um auf ein anderes Gebiet zu gelangen und einer Partei Seitenhiebe und Stiche beizubringen, die bei noch so großer Verschiedenheit religiöser Ansichten gerade den