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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-27 · Heft 18 (27.4.1846) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 18 (27.4.1846)
Date
1846-04-27
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 Bona, Philippeville und Konstantine hatten, wie wir schon gemeldet, den Herrn Albert Cohn beauftragt, dem Könige ein Dankschreiben für die glückliche Veränderung, die sie unter französischem Zepter erhalten, so wie insonders für die königl. Ordonnanz im vorigen Jahre zu überreichen. Der König bewilligte Herrn Cohn eine Audienz, und dieser hat einen besondern Bericht über diese gegeben. Er ist so interessant, daß wir ihn hier der ganzen Länge nach wiedergeben. Se. Majestät unterhielt sich während mehr als einer Stunde, sagt Herr Cohn, mit mir nicht allein über den Zustand der algier'schen Israeliten, sondern der Israeliten überhaupt, ja über das Judenthum selbst. Es ist so selten aus einem königlichen Munde Lobsprüche zu Gunsten der Juden, ihrer Neigungen und ihres Glaubens zu hören, die Stellung, die dieser Monarch in der Mitte der Mächte einnimmt, ist so hoch, daß seine Urtheile nur einen glücklichen Einfluß auf das Schicksal unserer Glaubensgenossen außerhalb Frankreichs üben können, sei es auch nur als ein Trost, indem sie eine so günstige Meinung aus so hoher Region erfahren. Beim Beginne schon machte der König die Bemerkung, daß, sobald ihn Gott auf den Thron berufen hätte, er geglaubt habe, nicht eine Gunst zu verwilligen, sondern eine Ungerechtigkeit gut zu machen, indem er die französischen Israeliten überall zulasse, und sie überall und in allen Stücken mit ihren Mitbürgern gleichstelle. „Was sich mir immer aufgedrängt hat, sagte hernach der König, das ist, wie sehr die Juden für die Zivilisation geschickt sind; trotz dem religiösen Bande, welches sie in den verschiedenen Ländern vereinigt, haben sie es verstanden Franzosen in Frankreich, Engländer in England, Deutsche in Deutschland zu werden. Sie haben sich die guten Eigenschaften, bisweilen selbst die Fehler der Nationen, in deren Mitte sie lebten, angeeignet." Ihre Thätigkeit und die Ausdauer, mit welcher unsere Glaubensgenossen das Unglück ertragen, brachte Seiner Majestät ein Ereigniß in die Erinnerung, welches sie mir zu erzählen die Güte hatte. „Beim Rückzug von Maskara, sagte der Sohn zu mir, den zu verlieren ich das Unglück hatte, führten wir viele Juden mit fort, welche Abd-el-Kader mißhandelt hatte, als er den Platz verlassen; auf dem ganzen Wege schleppten sich die Greise elendiglich inmitten unserer Kolonnen; die Frauen trugen ihre Kinder, ohne einen Seufzer zu thun; bis in der Mitte des Weges ein Greis, der, wie es schien, ihr Rabbiner war, auf einen Hügel stieg und sagte: Meine Brüder, lasset uns jetzt den Psalm Esra's anstimmen: „an den Bächen von Babel saßen wir," und zahlreiche Thränen begannen aus den Augen dieses Unglücklichen zu fließen. Mein Sohn war sehr ergriffen, und ich selbst war es, versichre ich, sagte Se. Majestät, als er es mir erzählte." Der König hatte hieraus die Güte, in verschiedene Details einzugehen, sowol über die Gewerbe, welche unsere Glaubensgenossen vorzugsweise ausüben, als auch über die Künste, welchen sie sich widmen. Bon der Musik sprechend, srug er: „Me ist denn jetzt der Gesang in den Synagogen beschaffen? Ich habe eine große Zahl besucht, als ich noch Reisender war, und alle diese Details hatten großes Interesse für mich." Se. Majestät frug mich hierauf, welches der Zustand der Juden in Deutschland, Polen, Marokko, kurz in allen den Ländern sei, wo eine falsche Politik sie noch der kostbarsten Rechte beraubet. Ich wagte Se. Majestät zu fragen, ob vielleicht, unter bedauernswerthen Umständen, Frankreich und besonders Algerien einer großen Anzahl dieser Unglücklichen offen wären, welche hier ein Vaterland und» die Achtung ihresGlaubens zu suchen kommen? „Sie wissen, und können es sagen," antwortete der König, „daß Solchem niemals Hindernisse, weder von mir, noch von Seiten meiner Regierung, erhoben werden würden." — Indem er mir hernach den Ausdruck seiner Befriedigung für die Israeliten Algier's auftrug, und mich ermuthigte, wieder nach jenen Gegenden zu reisen, beendigte der König die Audienz, der er die Wendung einer Unterhaltung gegeben hatte." Der Kultusminister hat der israelitischen Gemeinde zu Bouxwiller 3000 Fr. zur Erbauung einer Synagoge überwiesen. Das Budget für 1847 trägt 115,400 Fr. für den israelitischen Kultus, so daß es gegen 1846 wieder um 5000 Fr. vermehrt ist. 3000 Fr. sind darunter für das eben erwähnte, neue Konsistorium in St. Esprit bestimmt. Für den zukünftigen Großrabbinen des Zentralkonsistoriums sind 6000 Fr. und als Entschädigung für die Miethe 2000 Fr., zusammen 8000 Fr. (2133 Thlr.) — für Paris noch immer ein unbedeutender Gehalt! — festgesetzt. Außer-

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