Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1846)
- Date
- 1846-04-20
- Page
- Seite 254 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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254 jedenfalls die Vormünder zu einer Veränderung des bisherigen Rechtszustandes, ihrer Pupillen, welche für deren ganzes Leben entscheidend sein würde, überall nicht befugt anzusehen sind, aus diesen Gründen daher mit Recht von unserm Amte die Genehmigung der Taufe der Kinder verweigert worden, die Anstellung eines jüdischen Mitvormundes ferner sich wenigstens zu dem Zwecke, damit dieser dafür Sorge trage, daß die Kinder eine gute jüdische Erziehung erhalten, als nothwendig darstellt und ganz angemessen verfügt ist: so habt ihr, unter Wiederaufhebung eures Reskripts vom 25. Nov. v. Z., die aufgehobenen Verfügungen unsers Amtes vom 25. Januar und 16. September v. I. wieder herzustellen." Dennoch hat die Mutter der Sache einen gewaltthatigen Ausweg getroffen. Sie hat ihre Kinder heimlich nach Bremen geführt und dort taufen lassen. Die Frage ist nun diese, ob dieser Akt Gültigkeit habe. Es wäre in diesem Falle ziemlich wie die bekannte Geschichte in Jassy, worüber die deutschen Blätter herbe Klage geführt, und die der preußische Gesandte rückgängig gemacht. Aus dem Württembergifchen. (Privatmitth.) Den 28. Februar. Vorgestern fand vor dem k. Gerichtshof in Eslingen die Schlußverhandlung in einem sehr schwierigen Kriminalfall statt. Vertheidiger war der israelitische Rechtskonsulent Kallmann in Heilbronn. Derselbe hat sein Pledoyer mit so viel Scharfsinn, Geistesgegenwart, Humanität und Beredtsamkeit ausgeführt, daß ihm, zumal von Menschenfreunden und Sachkennern, ungemein viel Beifall gezollt wurde. 4. März. Die israelitische Gemeinde Mühringen hat zu den Kosten der Erwerbung und baulichen Einrichtung einer Rabbinerwohnung und eines Schulhauses einen Staatsbeitrag von 300 Fl. erhalten. 2. April. An unsrer Landesuniversität werden nächstes Sommerhalbjahr unter Anderm folgende Vorlesungen gehalten: Geschichte der hebräischen Nationalliteratur, alttestamentliche Jnterpretations-Uebungen, Erklärung des Deutero. Jesajah und ausgewählter Psalmen, arabische, aramäische, Zend- und neupersische Sprache. Die Hochschule besuchen gegenwärtig 9 Israeliten. Die israelitischen Studirenden dort bilden schon seit mehren Jahren einen Verein, der die besseren jüdischen Tagblatter, und sonstige, auf diesem Gebiet erscheinende Schriften liest. — Der israelitische Publizist Assessor Dr. Weil in Stuttgart, Herausgeber der seit 10 Jahren erscheinenden konstitutionellen Jahrbücher, deren Mitarbeiter berühmte Männer, wie z. B. Welker, Mathy, Psitzer, Steinacker, Struve rc. sind, ließ kürzlich in seiner genannten Schrift einen Aufsatz über „die kirchlichen Wirren in Deutschland" erscheinen, worin er namentlich für Glaubensfreiheit sehr eindringlich das Wort führte. Mancher gebildete Christ fühlte sich überrascht und beschämt so von einem Israeliten zu sich reden zu hören. Auf jenen wurde er judenfeindlich angegriffen. Er antwortete nicht. Im neusten Bande obiger Schrift giebt der Redakteur unter Anderm „Bemerkungen über das württembergische Eisenbahnwesen". Darauf erschienen ebenfalls gehässige, gemeine Aeußerungen. Nun vertheidigt sich Weil in einem Schreiben an den Herausgeber des Beobachters ritterlich und schlägt seinen Gegner total zurück. Setzen wir einige seiner Worte hierher: „Da kommt wiederum ein Mann und ruft: der Jude, der Jude. Auf wen will man da einwirken? Auf das Publikum? Gewiß, mein Herr, Sie wenigstens, wenn auch nicht Ihr Mitarbeiter über das „Eisenbahnwesen" trauen unserm Publikum zu viel Sinn für das Schickliche und Würdige, nicht zu sagen so viel Unbefangenheit und Gerechtigkeitsliebe — zu, als daß Sie von solchen Mitteln Erfolg hoffen. Sie haben so oft, so redlich und gesinnungstreu gegen die- Schmach des Judenhasses sich ausgesprochen, daß Ihnen dies Mittel sicherlich keine Freude macht. Gewiß, Sie stimmen mit mir überein, daß es endlich an der Zeit wäre, wenn die Männer der Wissenschaft, wenn die öffentliche Presse dieses Mittel der Straßenjugend überließe. 2Cuf mich? — Mich schüchtert es nicht ein. Soll der Jsraelite auch noch des einzigen werthvollen politischen Rechtes, das er besitzt, des Rechtes der freien Gedankenäußerung sich begeben, um nicht öffentlich Jude genannt zu werden? Wer ein öffentliches, verfassungsmäßiges Recht nicht benutzt, ist der vollständigen Aufnahme in ein freies Gemeindewesen unwerth." Vor Kurzem wurde zu Mergentheim eine Uhr gestohlen. Die Gerichte nahmen einen dortigen 12jährigen Knaben fest. Derselbe gestand den Diebstahl bald zu und erklärte dabei, die Uhr an einen Juden aus Edelsingen (bei Mergentheim) um 24 Kr. verkauft zu haben. An einen Juden — da war Alles