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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-20 · Heft 17 (20.4.1846) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 17 (20.4.1846)
Date
1846-04-20
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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252 den. — Erwägt man nun, daß unter circa 700 israelitischen Familien kaum 300 kontributionsfähige Mitglieder und fast 2/3 derselben nur mit dem niedrigsten Satze besteuert sind, so wird man die Größe der Opfer der hiesigen israelitischen Gemeinde ermessen und würdigen können, wenn man dazu noch bedenkt, daß das jährliche Budget der hiesigen Korporation ohnehin durchschnittlich schon circa 4000 Thaler beträgt. — Die hiesige israelitische Gemeinde, obzwar numerisch nächst der posener die größte der Provinz, besteht gleichwol zu mindestens 2/- aus armen, obzwar sehr fleißigen und betriebsamen Leuten. Aber dessen ohngeachtet hat sie herrliche Institute. Ein Krankenhaus und die Armen-Krankenpflege erfreuet sich der musterhaften Leitung des obengenannten Vorstandes. Es werden jährlich im Durchschnitte mehr als 100 Thaler für Arzneien verwendet und zwei Armenärzte und ein Chirurg mit 150 Thalern besoldet. — Ein Frauenverein unter Leitung der Mad. Feige Henschel und Mad. Johanna Lövi versorgt und verpflegt arme Wöchnerinnen. — Der Henschelsche Familienverein unterstützt im Stillen achtbare herabgekommene Familien. — Circa 50—60 arme Schulknaben werden jährlich aus der Gemeindekaffe vollständig bekleidet. — Es wird jährlich eine gewisse Anzahl armer Knaben auf Gemeindrkosten bei guten Meistern zur Erlernung von Handwerken untergebracht, und auf öffentliche Armenunterstützung überhaupt im Durchschnitt über 1000 Thlr. verwendet. — Mehre andere wohlthätige Vereine wirken ihren verschiedenen Tendenzen angemessen ganz entsprechend, und ist es wahrhaft zu bedauern, daß der projektirte Verein zur Förderung von Künsten und Handwerken wegen der nur theilweise erfolgten Genehmigung seiner Statuten sich nicht konstituirte. — Die öffentliche israelitische Schule entläßt jährlich 15—20 Zöglinge, nachdem dieselben vor dem königl. Entlassungs-Prüsungs-Kommissarius die Prüfung bestanden und den Beweis geliefert haben, daß sie die für das bürgerliche Leben nothwendigsten Kenntnisse erlangt und ohne Unterschied des Geschlechts eine öffentliche Religionsprüfung (Konfirmation) durch den ersten Lehrer bestanden haben. Was aber allen diesen löblichen Bestrebungen die Krone aufzusetzen geeignet ist, ist der neueste von dem Vorsteherkollegium ausgehende Plan zur Akquirirung von Landflächen, welche der armen Bevölkerung zur Bearbeitung und Nutznießung überwiesen werden sollen. — Es steht zu erwarten, daß auch dieser Plan allscitige Anerkennung und die gewünschte Unterstützung finden werde. So dürfte nun aus dem Bisherigen einleuchten, daß bei einer solchen Verwaltung, und bei so gesinnugsvvllen Repräsentanten der Gemeinde das Wohl der Letzter» nur gefördert werden könne; wir können daher den Wunsch nicht unterdrücken, daß dieses allseitig anerkannt werde und bei einer neuen Wahl die Wähler sich von demselben Geiste leiten lassen möchten. Halberstadt, im März. (Privatmitth. Verspätet.) Noch immer ist unsre Gemeinde, welche eine traurige Berühmtheit durch das Vorlesen des bekannten Pamphlets der 77 in ihrer Synagoge erlangt hat, in jeder Beziehung weit hinter vielen bedeutend kleineren Gemeinden zurück, und noch weit entfernt scheint leider der Zeitpunkt, wo der nach allen Richtungen und in allen Konfessionen sich kundgebende Geist des Jahrhunderts auch hier die Schranken des mittelalterlichen Orthodoxismus durchbrechen wird. Aber es wird auch wol nirgends der fanatischen Glaubenswuth so durch Inkonsequenz und Prinziplosigkeit der Gegenpartei in die Hände gearbeitet, wie leider bei uns. Als Beleg zu dieser Behauptung erlaube ich mir, Ihnen ein Geschichtchen der neuesten Zeit mitzutheilen. Es hat sich hier zu Anfänge dieses Jahres ein Gesangverein, bestehend aus Damen und Herren, gebildet, der Ausbildung im und Erheiterung durch Gesang zum Zwecke hat. Der Vorsänger Jeretzky sollte als Gesanglehrer engagirt werden und hatte zu dem Ende bereits mehrmals den Unterricht gegeben. Da derselbe aber auch als r-niw angestellt ist, so wurde ihm durch den Gemeindevorstand, mittelbar durch den, dem Jeretzky in seiner Eigenschaft als ama bezeichneten Vorgesetzten, Rabbinats-Assessor Matthias Levian der mündliche und schriftliche Befehl: „den Unterricht in diesem Gesangverein, woran „Herren und Damen Theil nehmen, ferner nicht mehr „zu ertheilen, da ein derartiger Wechselgesang nach „dem jüdischen Gesetze streng verpönt sei und bei dem „Jeretzky als amia unausbleiblich die sofortige Ab- „nahme der ni-ap zur Folge haben würde." Dieses Urtheil wurde durch unsere beiden Klausmänner Egers und Josaphat (welches Triumvirat rühmlichst als

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