Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1846)
- Date
- 1846-04-20
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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25L von den gedeihlichen Fortschritten dieser, auch schon anderweit in d. Bl. rühmlich erwähnten Anstalt. Sie zählt jetzt 53 Schüler, 40 Knaben und 13 Mädchen, die in 4 Klaffen getheilt sind. Der katholische und evangelische Religionsunterricht, so wie der Gesangunterricht, wird durch besondere Lehrer ertheilt. Den gesammten übrigen Unterricht in allen 4 Klaffen erlheilt Herr Holländer selbst und allein, mit solcher Gewandtheit und Ausdauer und mit solchem Ersolge, daß die vereinten Leistungen Mehrerer an anderen Schulen den Leistungen dieses einzelnen Lehrers kaum gleichkommen dürsten. Die Knaben werden in dieser Schule gewöhnlich zur vierten Gymnasialklasse vorbereitet. Die Gegenstände, in welchen Herr Holländer seine Schüler unterrichtet, sind deutsche, lateinische und französische Sprache, Rechnen, Schönschreiben, Zeichnen, Geschichte und Geographie. In allen diesen Unterrichtsgegenständcn gaben sich bei der heutigen mündlichen Prüfung und bei Einsicht der Probeschriften und Probezcichnungen die erfreulichsten Fortschritte kund, und die zahlreich versammelten Interessenten und sonstigen Freunde der Holländerschen Schulanstalt gingen sehr erfreut und befriedigt von dem Resultate dieser Prüfung auseinander. —r." Breslau, 6. April. (Eingesandt.) Anträge, welche an die dritte Versammlung deutscher Rabbiner gestellt werden sollen, bittet man bis spätestens 13. Mai an den Unterzeichneten gelangen zu lassen, damit dieselben zeitig veröffentlicht und Berichte darüber vom Ausschüsse angefertigt werden können. Geiger, im Namen des Ausschusses. Kempen, Anfangs April. (Privatmitth.) Wer hätte wol glauben mögen, daß es je gelingen würde die furchtbaren Zerwürfnisse und Parteiungen, welche die hiesige Gemeinde in zwei gegen einander gleich erbitterte feindliche Heerlager Jahre lakig getheilt, zu beseitigen und wie mit einem Zauberspruche den Frieden heraus zu beschwören! — Allein man hatte die Ueberzeugung gewonnen, wie sehr das Gesammtintercsse gefährdet werde, und wie heilsam dagegen der Frieden werden könne. Man brachte daher Opfer, entsagte mancher liebgewonnenen Ansicht, kam sich entgegen, bot und gab sich gegenseitig die Hände, und wie man zuweilen an einem stürmischen, wettcrschweren Abend sich niederlegt, und am Morgen mit freudigem Gemüthe den freundlichsten Himmel begrüßt, so gratulirten die noch vor wenigen Stunden erbittertsten Widersacher sich gegenseitig zu dem jungen Frieden. — Ja wahrlich, hier könnte man so mancher andern Gemeinde zurufen: „Gehet hin und thuet desgleichen!" — Als charakteristisch verdienen unbedingt folgende Thatsachen hervorgehoben zu werden: Die hölzerne Umzäunung der West- und Südseite des hiesigen sehr großen jüdischen Gottesackers drohte im vorigen Sommer dem Einsturze. Die Korporations- und Repräsentantenvorsteher, Herren Kaufleute Jsak Henschel und P. Mugden, so wie die Herren Vorsteher des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, A. Calo, N. H. Jereslav und Herz Henschel, nahmen dies wegen des unzulänglichen Gemeindefonds, der allezeit so vielseitig absorbirt wird, mit nicht geringer Besorgniß um die Herbeischaffung der Mittel zu dieser kostspieligen Hauptreparatur wahr. Der Gegenstand kam zur Besprechung; es wurde der Vorschlag zur Sammlung freiwilliger Beiträge hierzu mit Stimmenmehrheit angenommen. Bald war ein Komito gewählt und in kaum drei Tagen die verhältnißmäßig gewiß sehr beträchtliche Summe von 800 Thalern aus den freiwilligen Beiträgen der israelitischen Einwohnerschaft zur Disposition des Vorstandes gestellt und in demselben Sommer noch ein sehr schöner Zaun mit massiven, bedachten Pfeilern und zweckmäßig angebrachten Stacketen ausgeführt. Es galt die Förderung eines gemeinschaftlichen Zweckes und alle Zerwürfniß und Parteiung war vergessen. — Auf gleiche erfreuliche Weise bethätigte sich der Wohlthätigkeitssinn der hiesigen israelitischen Einwohnerschaft als beim Beginn des verflossenen Winters die Preise aller Lebensmittel sich bis zu einer für die Armen enormen Höhe steigerten. Ganz unabhängig von aller andern ohnehin sehr reichlichen Armenunterstützung ward nach dem Plane des Vorsteherkollegiums ein aus den Kaufleuten N. H. Jereslav, Moritz A. Henschel und Haskel Landsberg bestehendes Komito zur Sammlung freiwilliger Beiträge gewählt. Es waren in kaum 2 Tagen 400 Thaler zusammengebracht, dafür Lebensmittel angckauft, welche mit 7» Verlust an die Armen verkauft werden, und mit dem Erlöse wird auf dieselbe Weise fortgefahren. Aber nichtsdestoweniger beisteuerten dieselben Einwohner als später Seitens der städtischen Kommunalverwaltung Kollekten zu demselben Zwecke veranstaltet wur-