Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1846)
- Date
- 1846-04-13
- Page
- Seite 243 (sequence 15)
- Language
- German
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243 die Mäßigkeitsprediger Alles aufboten das Landvolk gegen die Juden aufzustacheln, so wie daß die aufrührerischen Edellcute gerade es waren, die keine Juden auf ihren Gütern dulden wollten, so wird man zu mancherlei fruchtbaren Betrachtungen veranlaßt. Jedenfalls haben wir Ursache, dem weisen Lenker der menschlichen Schicksale für das glückliche und baldige Umschlagen dieser heillosen Revolution zu danken, und geben wir uns der Hoffnung hin, daß unsre Staatsregierung die Juden nunmehr mit günstigeren Augen ansehen und ihre Rechtssphäre zu erweitern sich bewogen finden werde. Sie bedürften auch nur eines freien Spielraumes für ihre Thätigkeit, um mit ihren Kräften und Mitteln dem Lande nützlicher sein zu können. Gebe Gott, daß diese Hoffnung bald in Erfüllung gehe! Als berichtenswerth erscheint mir noch, daß das kaiserl. Infanterie-Regiment Graf Nu ge nt, das so lange in Krakau allein gegen die Rebellen agirt und so ungeheure Strapatzen ertragen, einem großen Theile nach aus Juden besteht und von den Offizieren gewöhnlich das Judenregiment genannt wird, da in Lemberg allein, das zu dessen Werbbezirk gehört, jährlich 50—60 Juden ausgehoben werden. Schließlich theile ich Ihnen zwei amtliche Erlasse an den lemberger Jsraeliten-Gemeinde-Vorstand mit, deren Veranlassung aus dem Inhalte zu entnehmen ist. No. 153/p,'. Lemberger israel. Gemeindevorstand. Ich habe das Anerbieten des lemberger Judengcmeindevorstandcs Beiträge von Branntwein für das hiesige Militär zu liefern, zur Hähern Kenntniß Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten Erzherzogs und General-Gouverneurs gebracht, und höchstdiesclben geruheten mit höchstem Erlasse vom 1. d. M. 885/ggz. diesen Beweis der patriotischen Gesinnungen der Judengemeinde zur guten Nachricht zu nehmen, und die Anerkennung auszusprechen. Auch das fernere Anerbieten der Errichtung eines bewaffneten Korps von Juden wurde gnädigst mit dem Beisatz ausgenommen, daß es gegenwärtig, wo die Ruhe der Provinz und der Hauptstadt in keinem gefährlichen Grade bedroht ist, nicht angenommen werde, daß jedoch die Regierung in dem Gottlob unwahrscheinlichen Falle einer Gefahr von dem patriotischen Anträge der hiesigen Judengemeinde Gebrauch machen würde. Es gereicht mir zum Vergnügen, dieses dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zu eröffnen, und ich erwarte, daß Alles werde vorbereitet werden, um bei eintretenoer Gefahr das betreffende Korps aufstellenzu können. Lemberg, am 3. März 1846. Milbacher mp. Vom kk. Kreisamt an den israelitische Gemeindevorstand hier. Exoft'. No. 310/präs. An den israelitischen Gemeindevvrstand. Aus der Note des h. kk. General-Kommando- Präsidiums vom 16. März d. I. z. 445, habe ich ersehen, daß der hiesige israelitische Gemeindevorstand in Berücksichtigung der jetzigen so schweren Dienste der hiesigen Garnison auch seiner Seils zur Aufmunterung derselben durch ein Geschenk von 1000 Garnitz Anisbranntwein (4000 Quart) beizutragen bemüht war. Es gereicht mir zum besondern Vergnügen, dem Gemeindevorstand für diese patriotische Gabe den Dank der h. kk. Militärbehörde hiemit bekannt zu geben. Lemberg, am 20. März 1846. Festenburg mp. Vom Magistrat, Präsidium der Stadt Lemberg. No. 310/pntes. An den israelitischen Gemeindevorstand. Exoff. hier. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lVi Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandtung. Aus Peine. Herr Süßet Haas, Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, hat sich um diese wahrhaft verdient gemacht, indem durch seine Bemühungen aus dem alten, geschmacklosen Gotteshause ein neues, edel geschmücktes geworden, ein geregelter Gottesdienst (mit Hülfe des frühern Landrabbinen Herrn Bodenheimer) eingeführt und ein erbauender Gesang bewirkt wurde. Fast die ganze Gemeinde fühlt sich dadurch beglückt, und besucht den Gottesdienst eifriger und durchdrungener als je. Wir sagen ihm daher öffentlich unfern Dank, dem Edlen, der mit Hintenansetzuug seiner eigenen Interessen die Wohlfahrt der Gemeinde zu fordern strebt l Möge er in seinem Eifer stets neue Aufmunterung finden! Gesuche. C5T" Bei der hiesigen Korporation soll neben dem hier fungirenden Rabbiner die Stelle eines Rabbinats- Ässessors kreirt werden. Zum Ressort dieser Stelle soll insbesondere das Abhalten deutscher Vorträge in der