Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1846)
- Date
- 1846-04-13
- Page
- Seite 242 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Trauergottcsdienst Abschied von ihrer alten SOOjahrigen Synagoge, da dieselbe abgerissen und ein neues, prachtvolles Gotteshaus auf derselben Statte aufgeführt werden soll. Hamburg, 29. Marz. (Privatmitth.) *) Während in ganz Deutschland, in ganz Frankreich und England und überall der Jude sein Mitgefühl an den Leiden der Glaubensgenossen in Rußland und Polen auf jegliche Weise zu betätigen sucht, bleibt der Borstand der hiesigen Gemeinde seinen Prinzipien treu und hält Alle in gehöriger Ferne, welche früher oder später der Gemeinde einmal zur Last fallen könnten, und selbst wenn'es arme, unglückliche Russen oder Polen sein sollten, die die Grenzen ihres Vaterlandes überschritten haben! Und sollte einmal ein Russe sich hier eine Zeit lang aufhalten wollen und für diese Zeit auch den Beweis liefern, daß er die Hülfe der Gemeinde nicht zu beanspruchen nöthig hat, wird es ihm doch nur dann gestattet sein, wenn er seinen „Heimathsschein" aufzeigen kann! Wo anders noch als in Hamburg hätte ein russischer Jude einen „Heimalhsschein" vorzuzeigcn? Als vor einiger Zeit theilnehmende Männer für einen polnischen Knaben der Art sorgten, daß die Kosten seiner Erziehung auf drei Jalire im Voraus zugcsichcrt wurden, wollte ihn der Vorstand dennoch nicht dulden in Hamburg, weil er keinen Heimathsschein hatte und nach Ablauf dieser drei Jahre vielleicht noch länger in Hamburg geblieben wäre, bis der russische Gesandte selbst, dessen Fürsprache man in Anspruch genommen hatte, sich für den Knaben verwendete und vom Vorstande erlangte, daß man ihn in Hamburg dulde. Diese Thatsache wird allein hinreichen, den armen Russen und Polen zu zeigen, was sie in Hamburg zu hoffen haben. Ueberhaupt hat es seine Schwierigkeiten, in den Hamburger Gemeindeverband ausgenommen zu werden. Es läßt sich nichts dagegen sagen, daß diese Schwierigkeiten nur durch Geld zu beseitigen sind, denn die Gemeinde ist aus sich allein angewiesen und bedarf auch wol des Geldes; wenn man aber die Forderungen so hoch stellt, daß Leute, die nun einmal hier bleiben wollen, weil sie hier ihr Brod finden, sich zur Taufe veranlaßt finden, und *) Nicht von unserm gewöhnlichen Korrespondenten. Redakl. dieser Fall ist hier vor Kurzem vorgekommen, so ist dies sehr traurig. Oesterreich. Lemberg, 29. Mörz. (Privatmitth.) Es dürste Ihnen wol angenehm sein zu erfahren, wie die galizischen Juden bei den letzten unruhigen und blutigen Austritten sich verhalten; denn Sie werden einen neuen Beleg darin finden, daß jede Regierung, die den Juden als Menschen behandelt, auf seine treueste Anhänglichkeit und Hingebung rechnen kann. Juden waren es, welche die ersten Anzeigen des ruchlosen Vorhabens der Insurgenten noch bei Zeiten an die kaiserl. Behörden erstattet und ihnen ihre Dienste angeboten, und eben so waren es Juden, welche auf das Landvolk, das. sich in den Wirthshäusern mit ihnen berathen, den entschiedensten Einfluß geübt, um es in der pflichtmäßigen Unterthanentreue zu erhalten. Wahrend der wüthenden Erhebung der Bauern gegen die Edclleute, deren Anhänger und Alle, die sich nicht als entschieden österreichisch gesinnt ausweisen konnten, waren die Juden überall sicher und hat die jüdische Tracht manchem Nichtjuden als Schutzwache dienen müssen. So hat das Volk in seiner heftigsten Wuth öffentliches und offnes Zeugniß für unsre Treue und von seiner vorurtheilslosen Gesinnung gegen uns abgelegt, und haben die Juden, die eigentlich unbefugter Weise und in geringer Anzahl auf dem flachen Lande wohnen und Schenken halten, nach dem Ausspruche hoher Staatsbeamten zur Rettung des Landes wesentlich beigetragcn. Man erzählt, daß der Vizepräsident des Guberniums, Hr. Graf Lazansky, der sich nach Tarnow, dem Schauplatze der ausgebrochenen Unruhen begeben, auf einen Trupp Bauern stieß, die ihn für einen polnischen Edelmann hielten und daher festnchmen wollten. Vergebens nannte er seinen Rang und seinen Namen, vergebens zeigte er seine Orden. Endlich fragte er sie, ob nicht Jemand im Dorfe sei, dessen Erklärung sie glauben würden. Sie bezeichneten ihm den jüdischen Arrendar, zu dem er sich auch führen ließ. Auf sein Worb ergaben sie sich auch und fielen auf die Kniee, den Vizepräsidenten um Verzeihung bittend. Es ist daher das Sprichwort entstanden: Gehen wir zu unserem Moschko! Wenn man erwägt, daß vor kaum einem Jahre