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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-13 · Heft 16 (13.4.1846) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 16 (13.4.1846)
Date
1846-04-13
Page
Seite 241 (sequence 13)
Language
German
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Zeit hervorgevufen auch in anderen deutschen Staaten ähnliche Bedürfnisse sich geltend gemacht haben. Aus allen Theilen Deutschlands ertönt von den Israeliten der Ruf nach Verbesserungen in Kultus und nach Läuterung des religiösen Lebens. Jetzt, nachdem die Gemeinden geordnet sind, nachdem durch die seit 30 Jahren bestehenden Schulen eine gebildete, denkende, suhlende Bevölkerung herangezogen worden ist, jetzt ist dieses Bedürfniß ein unabweisbares geworden, welches die ernste Sorgfalt -er hohen Staatsregierung auf sich zu ziehen gewiß würdig ist. Diesem Bedürfnisse entgegen zu kommen, ist aber unser Oberrath in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung nicht im Staude, weil ihm ein für das theologische Fach besonders bestelltes Mitglied fehlt rc." Das zweite Dokument enthält die Verhandlungen und Statuten des in einer am 25. Dez. vor. I. zu Bruchsal abgehaltenen Versammlung konstituirten Bezirksvereins. Es hatten sich aus demBezirke 60 Männer eingesunden (worunter 12 Lehrer). Der zum Vorsitzenden gewählte Herr Rabbinatsadjunkt Präger eröffnete die Sitzung mit einer passenden Rede, worin er die Vereinigung als ein in Israel zu aller Zeit heimisches Mittel zu tüchtigen Werken.(Chebroth) hervorhob, und die gegen den Verein schon im Voraus losgelassenen Mißdeutungen zurückwies. Herr Rosenthal aus Bruchsal sprach dann mit schönen Worten über die Nothwendigkeit, daß sich die Mitglieder des Vereins befreunden. Hierauf Berathung der Statuten. Dieselben besagen: „§. 1. Der Zweck des Vereins ist die Beförderung aller Bestrebungen, welche die Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der Juden erzielen. §. 2. Diesen Zweck sucht der Verein in Verbindung mit anderen derartigen Vereinen und namentlich dem allgemeinen Landesvcrein zu erreichen 1) Durch alle gesetzliche Schritte, welche zur Erlangung der bürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden zu führen geeignet sind; 2) durch Beförderung einer den sozialen Anforderungen entsprechenden Lebensthätigkeit undGewerbssteißes unter den Israeliten; 3) durch Anschaffung von wichtigen literarischen Produkten im Gebiete des Judenthums; 4) durch Erörterung von Vorschlägen zur Hebung des religiösen Sinnes und Lebens und Mittheikung derselben an die übrigen Vereine des Landes und namentlich an den Landesverein." Jedes Mitglied zahlt 2 Fl. jährlich; wenigstens alle Jahr sollen zwei Generalversammlungen stattsindcn. Der Präses Präger macht alsdann einen Antrag „die Bildung einer Zentralkasse für das Großherzogthums Baden betreffend." Er unterstützt diesen Antrag durch folgendes Motiv: „Das Großherzogthum zählt im Ganzen 167 israelitische Gemeinden, welche seit 1827 in ^Synagogen oder Rabbinatsbezirke getheilt sind. Die Besoldungen der Rabbiner werden unmittelbar von den respektive» Bezirken und die der Lehrer von den betreffenden Gemeinden bestritten. Von diesen 167 Gemeinden, welche zusammen aus 22,609 Seelen, oder 4521 Familien bestehen, haben Karlsruhe, Mannheim, Breisach und Gailingen allein schon 776 und weitere 38 Gemeinden, im Durchschnitt eine jede 40—50, so daß ungefähr 125 Gemeinden durchschnittlich nicht mehr als 9—10, und noch dazu meistens unbemittelte Mitglieder zählen. Aus dieser einfachen Zusammenstellung geht aber schon zur Genüge hervor, welche Differenz bei ziemlich gleichen Bedürfnissen in der Aufbringung der Mittel, wie in der Beschaffenheit der Bildungsanstalten sich kund geben müssen. Kann bei Anschaffung der Gemeindebedürfnisse nicht gespart werden, weil jede Gemeinde eine Synagoge und Schulhaus, einen Lehrer und Rabbiner zu ihrer religiösen Existenz absolut nöthig hat, so wird natürlich dem Mangel an Mitteln durch qualitative Beschränkungen abzuhelfen gesucht." Endlich stellte der Registrator Heinsheimer folgenden Antrag: „Die Mitglieder des Vereines machen sich verbindlich, und erklären es als eine Ehren- und Gewissenssache, nicht nur selbst jede Art von wucherlichen und betrügerischen Geschäften zu meiden und zu verabscheuen, sondern auch jeder in seinem Kreise mit allen ihm zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln dagegen anzukämpfen." Dieser Antrag wurde einstimmig, mit Bravoruf und einzelnen Betheurungen angenommen. Mainz, 25. März. Am 23. Abends nahm die israelitische Gemeinde in Mainz in einem feierlichen

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