Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1846)
- Date
- 1846-04-13
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
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233 Zeilen unser Zudenschaft und besonders seine Anhänger dahin führen, für die Milderung der kritischen Lage dieses Gelehrten, der Vater einer zahlreichen Familie ist, thätig zu sein. Der andre Prediger, der in der Synagoge des Brüdervereins, ebenfalls seit drei Jahren, engagirt ist, hat in diesen Tagen seine hiesige Stellung aufgegeben, was jeder Gutgesinnte nur bedauern muß. Es mochte diesem Prediger, dessen Streben, manchen nützlichen Verein und manches für Judenthum Ersprießliche zu Tage zu fördern — bei den obwaltenden Umständen — nicht realisirt wurde, hier nicht länger gefallen. Sein Abgang von hier ist noch insofern als ein empfindlicher Verlust zu betrachten, als er, abgesehen von seiner geistlichen Wirksamkeit, auch im sozialen Leben durch den hohen Grad seiner Gemüthlichkeit und ein herzgewinnendes Wesen einen wohlthätigen Einfluß ausübte. Von mehreren dem Prediger Lüpschütz bei seinem Abgänge von hier zu Theil gewordenen Beweisen ehrender Anerkennung von Seiten des Vereins erwähnen wir des ihm zum Ehrengeschenk überreichten sehr kostbaren Pokals mit der Inschrift: '211a maa ii'i» v'iBa Tin Vnan 2in 1122b *triina nbnpa piös’b und auf der andern Seite:. •p1'» 2122 'jnn •'S p Siam is Nim ^bipb rnrnvpa 1127 .pa pm cnsia '2 Ob der Brüderverein nun zur Wahl eines andern Predigers schreiten, oder diese Stelle unbesetzt lasten wird, ist zur Zeit noch ungewiß. Berlin, 30. März. (Privatmitth.) Die „Gesellschaft der Freunde" hat in diesen Tagen ihr jährliches Zirkulär erlassen. Dieselbe befindet sich immerfort in blühendem Zustande. Bei jährlicher Ertheilung von 4100 Thlr. ist der Fonds dennoch auf 43,439 Thlr. gestiegen, so wie die damit verbundene Wittwen» und Waisenanstalt bei 1620 Thlr. Unterstützungen ihren Fonds auf 25,490 Thlr. gebracht hat. Außerdem ist im verflossenen Jahre noch ein besonderer Reservefonds gebildet worden, der bereits 1080 Thlr. beträgt. Bei der Wahl sind sämmtliche Beamte wiedergewählt worden. Berlin, 30. März. (Privatmitth.) Unsere Aeltcsten haben ein Zirkulär erlassen in Betreff des Synagogenbaucs, in welchem ein zeitgemäßer Gottesdienst eingerichtet werden soll, so daß die Kultusbeamtcn der Gemeinde abwechselnd die Sonnabende in beiden Synagogen fungiren sollen. Man kann nicht umhin, dieses Unternehmen anzuerkennen und als völlig berechtigt zu betrachten. Denn wenn es nicht mehr an der Zeit ist, an ein Verdrängenwollen der stabilen Partei zu denken, wenn innerhalb einer großen Gemeinde auch diese ihre Wahrung beanspruchen kann; wenn andrerseits auch die reformistische Partei in dem Ausdruck ihrer Anschauung ungehindert sein muß: so kann kein billig Denkender es den gemäßigten Männern verdenken, wenn auch diese, an beiden Extremen kein Gefallen findend, in jenem das Bedürfniß der Zeit, in diesem das Bedürfniß der historischen Grundlage, des gemüthlich-Symbolischen unbefriedigt habend, ihren Gottesdienst nach dem Vorgänge der meisten Gemeinden also hingestcllt haben wollen. Allerdings findet jetzt ein besonders lebhaftes Hindrängen zu einem entschiedenen Extrem statt, man macht das aut Caesar aut nihil auf einem Gebiete geltend, wo es niemals angewendet ist, auf dem religiösen. Man weiß, daß die große Mehrzahl der Gemeinden und Individuen dazu nicht geneigt ist, und dem Widerstand leistet. Von welchem Gesichtspunkte man aber auch ausgeht, muß man diesen Widerstand ehren. Es ist derselbe, welcher die israelitische Religion durch ihre ganze Vergangenheit erhalten hat. Aber nicht bloß ehren, sondern auch nähren, denn ein religiöses Bedürfniß bleibt nicht ohne großen Schaden unbefriedigt. Es steht daher in Aussicht, daß die Absichten der Aeltcsten zur Ausführung kommen, und sicherlich wäre es zu wünschen, daß von keiner Seite eine Bekämpfung stattfände, sondern überall bedacht werde, daß man das, was man selbst beansprucht, Anderen gewähren muß. Berlin, 3. April. (Privatmitth.) Die gestern Abend stattgefundene Eröffnung des Gotteshauses der Reformgenossenschaft geschah mit der vollsten Würde, Ruhe und Ordnung, und mit sichtbar tiefer Bewegung des Gemüthes gab sich die an 1000 Personen betragende Versammlung dem erhebenden Eindrücke hin, welchen das in einfacher Schönheit ausgestattcte Haus, der Vortrag der Chöre unter Begleitung der