Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 15 (6.4.1846)
- Date
- 1846-04-06
- Page
- Seite 225 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Islams, an dem das Judenthum einen wesentlichen Antheil hatte, wie dies der Koran hinlänglich bestätigt. Um die Mitte des 8ten Jahrhunderts fällt die Stiftung der karaitischen Sekte. Rabbi Aman soll aus Unwillen, weil ihm seine jüngeren Brüder bei der Uebertragung des GaonatS vorgezogen worden, von den Rabbinisten abgefallen und ihnen mit einem Anhänge polemisch gegenüber getreten sein und so die Sekte der Karäer gestiftet haben, welche, wie schon das Wort andeutet, sich nur an das Wort der Bibel hielt und Alles, was freie Entwickelung dem Zudenthum zugeführt hatte, zurückwies. Es läßt sich denken, daß von Seiten der Rabbinisten nichts unversucht blieb, um die Nichtigkeit und Verwerflichkeit des KaräismuS darzuthnn. Diese Polemik hatte indeß den Nutzen, daß sie auf das Bibelwort zurückführte, eine genauere und schärfere Fassung desselben hervorrief und das Bedürfniß nach einer gründlichern Durchdringung der Sprache erzeugte. Nachdem der Islam sich festgestellt und einen Boden gewonnen, auf dem er seine Macht begründete, da gediehen unter der Pflege wissenschaftlich gesinnter Oberhäupter die Künste und Wissenschaften und regten auch die Juden zur Theilnahme an, welche sich nun ihrer neuen Umgebung, Ln der sie sich wohler befanden, enger anschlossen. Vorzüglich war es der griechische Geist, mit dem da§ Judtnthum eine neue, eigenthümliche Verbindung einging. Mit klarer Einsicht und warmen Gefühl erfaßten sie, was sich zu ihrer Bildung darbot. Das Mittel, wodurch der jüdische Geist mit dem griechischen Ln Berührung kam, waren die Uebersetzungen der griechischen Autoren, deren Studium damals an der Tagesordnung war. Die Schriften des Aristoteles waren der Kanon für die Philosophie, die des HLppokrates mnd Galen für die Medizin. Die Aristotelische Philosophie war es, welche jetzt dem jüdischen Geiste die Richtung und den ersten mächtigen Anfloß zu einer geordneten schriftstellerischen Thätigkeit gab. AuS seiner frühem Ungebundenheit riß sich der Geist loS und mit bestimmter Tendenz gestalteten sich nunmehr bestimmt abgegrenzte Produkte heraus. Das früher erzeugte, Ln formlosen Massen aufgehäufte Material gewann jetzt Form und Fassung. Man hat den Produkten dieser Epoche mit Unrecht die Originalität abgesprochen. Denn Alles, was die Juden damals Fremdes aufnahmen, haben sie eigenthumlich umgestaltet, und zu ihren religiösen Zwecken verarbeitet. WaS vom menschlichen Geiste auSgegangen, das wurde jederzeit vom menschlichen Geiste wieder als verwandt angezogen, und man fragte nicht, wer etwas gesagt, sondern was gesagt worden, und jedes! Zeitalter erfreut sich des geistigen Erbe, das es von den vorhergegangen empfangen, als eines unbeflrittnen Eigenthums. Wenn wir von unserm Wissen, das aussondern wollten, was wir unseren Voreltern verdanken, so würden wir nur sehr wenig zurückbehatten, und wenn wir das der Sprache nehmen wollten, was sie durch die Berührung mit anderen an fremdartigen Elementen gewonnen, so würde sie verarmen. Ein Gedanke, der uns von außenher zugeführt wird, erzeugt Ln uns unzählige andere, und es wäre schlimm, wenn er allen diesen das Recht des EigenthumS und der Originalität nehmen könnte. Die Juden verflochten das Aufgenommene innig mit der ewigen Idee, die ihnen als Antheil unter den Völkern zngefallen, und dies giebt Berechtigung genug, jenen Vorwurf, der ihnen so oft gemacht wurde, zurückzuweisen. Den Schluß dieser Vorlesung und den größer» TheLl der siebenten machte eine gelungene Charakteristik des Trägers und Repräsentanten der neuen philosophischen Richtung aus, des Gaon Rabbi Saadias. Zu PHLttom, einer Stadt Ln Afrika, um's Jahr 892 geboren, erwarb er sich durch seine Gelehrsamkeit einen solchen Ruf, daß ihm im Jahre 927 das Gaonat der Akademie Sura übertragen wurde, die er durch seine Tüchtigkeit wieder emporhob und zu Anfehn brachte. Besonders zeichnete er sich durch die Verbreitung griechischer Gelehrsamkeit aus. Einige Jahre nach seiner Berufung entzweite er sich mit dem Aechmalotarchen (amb-* W88) und mußte, um dessen Verfolgungen zu entgehen, flüchtig werden. In seiner Zurückgezogenheit widmete er sich der Ausarbeitung verschiedener Schriften. Später versöhnte er sich mit seinem Verfolger, den er überlebte, und übernahm wiederum das Gaonat. Außer seiner Bibelübersetzung in's Arabische und seinen grammatikalischen Arbeiten verdient als ein ausgezeichnetes Werk hervorgehoben zu werden seine Glaubens- und Sittenlehre (rh^Ti ), von R. Jehuda ben Samuel Aben Tibbon aus dem Arabischen in's Hebräische übersetzt. Die Proben, die uns der Redner aus diesem trefflichen Werke gab, konnten nicht besser gewählt sein. Sie waren aus der Vorrede, worin der Verfasser über die Tendenz der Schrift spricht. Gern würde ich den verehrten Lesern die wahrhaft klassischen Schilderungen der verschiedenen Verirrungen des menschlichen Geistes, die er sammt ihren Motiven und Folgen einfach und malerisch darlcgt und beleuchtet, vollständig mittheilen, wenn ich nicht mit Recht fürchten müßte, sie durch eine minder einfache oder breitere Darstellung zu verwässern und ihren erhabnen Eindruck zu