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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-06 · Heft 15 (6.4.1846) · p. Seite 223

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 15 (6.4.1846)
Date
1846-04-06
Page
Seite 223 (sequence 11)
Language
German
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223 fürchterlichen Druck allsübten, die Proselytensucht, so daß mau den jüdischen Apostaten sogar den Adel anbot, alles dies wird hier durch die Jahrhunderte hindurchgeführt. Ter Verf. theilt auch einen weitläufigen Plan von CzackL zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden mit, welcher aber gerade fertig ward, als — der polnische Staat ein Ende hatte. Als Polen getheilt ward, litten die Juden unter den Streichen der Sieger und Besiegten, und nur im preußischen Antheil erhoben sie sich bald aus ihrem Elende. Unter Napoleon, das heißt im Herzogthum Warschau, ward ihnen keine Erleichterung, sondern damals fing man an, neue Ausnahmsteuern auf die Inden zu legen. Die Verhältnisse unter dem russischen Zepter sind bekannt. Sehr klar zeigt er die Lage der Juden während der Revolution von 1830 und 1831, wo der polnische Kriegsminister Morawski, als sich einige Juden zur Armee stellten, ausrief: „Wir gestatten nicht, daß das jüdische Blut sich vermische mit dem edeln Blute der Polen; was wird Europa sagen, wenn wir, um unsre Unabhängigkeit zu erobern, der jüdischen Arme nicht entbehren könnten?" — Niemals waren die Juden Verräther, aber gleichgültig mußten sie sein, man zwang sie dazu. Dle Geschichte der jüdischen Nationalgarde zu Warschau berichtet der Verf. ausführlich. Aber ganz eigenthümlich ist es, wie er uns einen Einblick m die Phantasmagorieen, in die Parteiungen der polnischen Flüchtlinge in Paris thun läßt, die sich gebärden, als ob das Schicksal von 2 Millionen Juden von ihren Jntriguen und Beschlüssen abhinge!! Im zweiten Theile des Werkes geht der Verf. auf die inneren Verhältnisse der polnischen Juden ein. Er spricht über Pentateuch, Talmud, die Chilukim, die Kabbala :c. oberflächlich, und schildert dann den Geist, der die polnischen Juden beherrscht, welcher diese fanatisch macht, so lange sie dem Alten anhängen, und irreligiös, sobald die Aufklärung sie ergriffen. Sehr freimüthig spricht der Verf. über die Kommerzverhältniffe, die Fehler und Tugenden des polnischen Juden, und schildert dann die Karäer, die Anhänger von Sabb. Zewy, Jos. Franck, und die Ehassidim. Dieser Theil des Werkes ist mit sehr guten Zeichnungen versehen, in welchen das Charakteristische des Kostüms und der Physiognomie treffend wiedergegeben ist. Der Verf. ist voll eines edeln, parteilosen, aber für das Gute eingenommenen Geistes, und der Boden, auf den er sich in seinem Werke gestellt hat, ist höchst anerkennenöwerth. Korrespondenz. Sachs'fche Vorlesungen. VI. und VII. Berlin, den 17. Februar 1846. Rach mehrwöchentlicher Unterbrechung hielt Hr.vr. Sachs nun wieder zwei Vorlesungen hintereinander. Beide zeichneten sich besonders aus durch die Gründlichkeit und Klarheit, womit der Redner bei einem sehr raschen Fortschritte das Material zu handhaben und kritisch geordnet zu leichter Auffassung auszubreiten wußte. Es ist in der That eine sehr schwierige Aufgabe für die Redekunst, eine Literatur, die, wie die jüdische, erst in unsrer Zeit dem unermüdlichen Fleiße ernster Forscher erschlossen, lauge noch nicht ganz durchdrungen und gesichtet ist, vor einem Publikum, das großentheils weiter nichts für die Zwecke des Redners mitbringt, als das warme Interesse an dem ihm unbekannten, erst jetzt zu erschließenden Erbe der Väter so darzulcgen, daß einerseits der gegebene Stoff ohne Parteilichkeit in solcher Menge und Eigenschaft gewählt, um eine Ucbersicht des zu behandelnden Gebietes gewähren zu können, andererseits durch Darstellung und Räsonnement dem Urtheile der Hörer weder zu sehr vorgegriffen noch zu viel überlassen werde. Dieses genau abzuwägen, um kein Mißverhältniß beider Elemente des Vortrags zu erzeugen, war die Aufgabe unsers Redners, und besser als in den früheren hat er sie in gegenwärtigen Vorlesungen gelöst. Wir würden gern sagen, daß der Stoff der früheren Vorträge ihn nicht begünstigte, wenn die Liebe zu dem behandelten Gegenstände sich nicht zu deutlich ausgesprochen hätte. Und was vermag diese große Triebfeder menschlichen Wirkens nicht Alles! — Offen gestanden; sie hat bei Hrn. Dr. Sachs zu viel und mehr als gut vermocht. In vorhergehender Vorlesung legte der Redner die poetischen Schätze des Midraschs, wie Ref. berichtet hat, schön und poetisch dar, und sogar in gegenwärtiger (VI.) hat er den Faden wieder ausgenommen und die Schönheiten der Agada veranschaulicht. Aber wie anders verfuhr er mit der Halacha! Wie stiefmütterlich ward die behandelt! Ließ sich weiter nichts zu ihren Gunsten sagen, als Entschuldigungen, — wahrlich alsdann müßte sie auf Geltung und Berechtigung verzichten. Wie vielversprechend klangen Ln dieser Hinsicht die Worte der zweiten Vorlesung: „O würden jene modernen Helden des Worts und der Feder, welche Alles niederzureißen und umzustürzen bestrebt sind, den Talmud nur kennen ler-

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