Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-06 · Heft 15 (6.4.1846) · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 15 (6.4.1846)
Date
1846-04-06
Page
Seite 219 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225459--07652-3238422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

219 deutschen Zeitung Ungarns eine erklärte Feindin, welche den ohnehin judenfeindlichen deutschen Bürger Ungarns nur noch bestärkt in seinen kleingeistigen Gehässigkeiten, und bestimmt Alles beschönigen wird, was ihrer judenfeindlichen Farbe angehört. Gewinnen muß endlich auch dadurch die Aussicht auf bürgerliche Gleichstellung, da gegenwärtig die Toleranztaxausgleichung vor sich geht, und mit vergöttlichen Hülse zu Stande kommen wird. Hiedurch wird höher« Orts ein Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt, der in höheren staatssinanziellen Rücksichten immer von bedeutendem Einflüsse sein mußte. Aber eben in dem Maaße ist der ungarische Liberalismus, als der kräftigste Wortführer der Emanzipationsfrage, in in- und extensiver Bedeutung schrecklich herabgekommen und giebt Gelegenheit zu befürchten, daß für das mißkannte Recht Israels künftig weniger schöne Reden und begeisterte Redner laut werden mögen. Die Aufgaben, welche sich aus der Betrachtung unsrer Sachlage Herausstellen, sind so mannigfach und theils auch so bekannt, daß ich hier nur noch auf Einiges Hinweise, welches bisher leider zu wenig Berücksichtigung genoß. — Man hat nämlich die traurige Bemerkung gemacht, daß die betreffenden Landtagsablegaten nur eine sehr mangelhafte Kenntniß der ungarischen Sachlage Israels im Allgemeinen, und auch von ihren einzelnen Komitaten sehr beschränkte Auskunft über die Verhältnisse der dortigen Israeliten hatten. Es wurden selbst von unseren Freunden Dinge aufgetischt, welche sattsam verriethen, wie wenig eingeweiht selbe in unsere Verhältnisse sind. Auch kam die Petition an die sämmtlichen Stände, deren einzelne Glieder bereits ihre Instruktion vom Hause mit hatten, insofern zu spät, als diese, wenn sie auch durch die Petition irgend eine Beleuchtung erhielten, jedoch bei der Abstimmung von Nichts Notiz nehmen können, was gegen ihre Instruktion ist. Zweckmäßig, ja nothwendig ist es daher, daß bevor in den einzelnen Komitaten die Kommissionen zur Ausarbeitung der Landtagsinstruktionen sich konstruiren, die einzelnen Gemeinden, bei erlangter Bewilligung hiezu, an die Kommissionen ihrer Komitate ein Memorandum einreichen, welches ihre materielle und geistige Lage, ihre Leistungen und Bedürfnisse genau zeichne, als ein getreuer Abdruck ihres Befindens und ihrer Wünsche sie mit dem Röthigen vertraut mache, und selbe für die Sache des Rechts, der Billigkeit und der Sühne zu gewinnen strebe. Aehnliche Denkschriften sollen möglichst durch den Druck vervielfältigt, und auch den übrigen einflußreichen Komitaten unterbreitet und zur Beherzigung empfohlen werden. Sind in den einzelnen Komitaten diese Schritte geschehen, so wäre es höchst ersprießlich, wenn aus jedem Komitate sich Abgeordnete in Pesth einfinden möchten, wo nach genauer Besprechung der Sache aus den gegenseitigen Mittheilungen ihrer Denkschriften die darauf zu fußende Hauptpetition abgefaßt würde. Indem ich für heute in dieser Angelegenheit bei diesen Anregungen es bewenden lasse, und meine schwachen Worte der möglichsten Beherzigung empfehle, habe ich nur noch zu erwähnen, daß so wie bei den Toleranzverhandlungen die Gemeinden größtentheils durch ihre Wohlhabenden vertreten wurden, bei Berathungen dieser Art die Missionen der Intelligenz anvertraut werden sollten. In jeder Gemeinde wird sich, wenn auch nicht ein Rabbiner, jedoch ein sonstiger Mann finden, dem die Erhöhung Israels Herzens- und Glaubensangelegenheit ist, und der gegenüber dem großen Vorhaben die kleinen Mühen nicht achten wird. — Von den Reichen des ungarischen Israels ließ sich der größte Theil die Spesen für ähnliche Reisen hinlänglich vergüten; bei jenen, welche bloß an guten Willen reich sind, wird vielleicht auch das nicht nöthig sein! Krakau. Krakau, 19. März. (D. A. Z.) Der jüdische RechtsgelehrteKrzepicki hatte an die Untersuchungskommission die Bitte gerichtet, daß er auf Garantie dreier Bürger losgelassen werden möchte. Der Oberst Hobe, welcher der Kommission präsidirt, antwortete ihm aber schriftlich, daß die Anschuldigung gegen ihn der Art sei, daß eine Loslassung auf Garantie nicht stattsinden könne. Daraus kann man auch auf die große Strenge schließen, von welcher die Untersuchungskommission sich leiten läßt. Krzepicki hatte auf schriftlichen Befehl des Diktators in der großen Synagoge gepredigt, wobei er auf die Bedrückungen der Juden in Krakau unter österreichischer Oberhoheit hingewiesen, welche Bedrückungen unter der neuen polnischen Republik wegfallen würden, woraus für die Juden die Pflicht ganz besonderer Anhänglichkeit an die Re-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.