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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-06 · Heft 15 (6.4.1846) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 15 (6.4.1846)
Date
1846-04-06
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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218 es dem Bewußtsein seines mißkannten Rechtes schuldig ist, um seine gesetzliche Einbürgerung unter seinen vaterländischen Brüdern andern Glaubens bitten; für die Abnahme so mannigfacher Schmach und Hintansetzung seine gedemüthigte Stimme zu den Edlen seines Landes erheben — und Gott bewahre uns vor einer abermaligen Enttäuschung, und vorzüglich vor dem abermaligen kränkenden Bewußtsein, in irgend einer Beziehung einen Schritt vernachlässigt oder unzweckmäßig angewendet zu haben. Die Tageskritik, welche ähnliche Versündigungen richtet, wird zwar leicht ignorirt und bald vergessen, aber das Uebel der Schuld, weit den Werth des Lebens überragend, hat in der Alles überdauernden Geschichte eine nie verhallende Stimme gerechter Geißlung. Sollen abermalige Mißgriffe und Fehltritte vermieden werden, sollen die Wege zur Realisirung des gottgefälligen Ansuchens um Einbürgerung möglichst gelichtet und geebnet, und über die eigentliche Aufgabe ein ungetrübtes, allseits durchdringendes Bewußtsein hervorgerufen werden: so müssen zunächst in öffentlichen jüdischen Organen Besprechungen der ungarischen Emanzipationsfrage stattsinden, wodurch die nöthige Verständigung über die kritischen Punkte sich ergeben, und die Kritik es ersparen wird, hinterher wie ein Klageweib vergeblich nachzujammern und Wehe und Zeter zu rufen. Ich will hiemit den Anfang machen, über den Standpunkt, die Sachlage und über die nölhigen Vorbereitungen zu dem anzuregenden Verlangen um bürgerliche Gleichstellung meine Ansichten hier zu veröffentlichen. Mögen gewichtigere Stimmen und einsichtsvollere Augen die Sache durchspähen und besprechen, und mir nicht verargen, daß ich meiner Wärme, welche keiner zweiten nachzustehen sich zu schmeicheln erkühnt, hier ein Wort in so wichtiger Angelegenheit nicht versagte *). Die Berechtigung zur Emanzipation der ungarischen Israeliten hat in den letzten Jahren bedeutend dadurch gewonnen, indem dieselben in diesen ihre besondere Theilnahme an allen magyarischen Interessen so mannigfach bekundeten. Die Nationalsprache wird *) Die bekannten tüchtigen Federn der auf diesem Gebiete heimischen HH. L. Löw, Oberrabbiner in Kaniffa, I. Kunewaldcr, Vorsteher zu Peflh, und L. Holländer in Eperirs müßten einem jeden Freunde der guten Sache äußerst willkommen sein. Korresp. mit seltnem Eifer von Jung und Alt erlernt, und ist bereits an vielen Orten zur Umgangssprache geworden. Wir besitzen bereits Schulen, wo die ungarische Sprache die Unterrichtssprache ist, und das magyarische Element die prävalirende Berücksichtigung genießt. Bevor noch die deutsche Predigt in Ungarn heimisch geworden, haben ungarische Kanzelvorträge selbst in stabilen Gemeinden sich Geltung verschafft. Industrie und solide Gewerbe werden allerorts, wo man den Israeliten nur nicht davon zurückstößt, gefördert, und öffentliche Vereine, die zur Hebung des vaterländischen Wohles begründet wurden, haben an den Juden thätige und warme Theilnehmer *). Geschmälert haben sich hingegen unsere heißen Hoffnungen auf bürgerliche Gleichstellung dadurch, indem durch die am letzten Landtage erhöheten Rechte der Bürger: adelige Besitzungen kaufen und alle öffentliche Aemter bekleiden zu können, wir alle jene Freunde zu verlieren befürchten müssen, welche die bürgerliche Gleichstellung der Juden Ungarns nur darum verfochten, weil dadurch der Jude doch keineswegs dem Adel gleichgestellt und zu keinen Komitatsämtern gelangen kann**). Würde heute die Emanzipation ausgesprochen, so würde der Jude dadurch adelige Besitzungen ankaufen und Komitatsämter bekleiden können, — und dagegen sind leider alle jene Stimmen rege, deren Führer, weit unter der Höhe der Zeit stehend, dem Egoismus kein Opfer abzugewinnen im Stande sind. Was die inneren Anfeindungen von Seiten der krassen jüdischen Orthodoxie Ungarns betrifft, so werden diese wahrscheinlich nicht ausbleiben, aber keineswegs in ihrer frühern Intensität sich zu geberden wagen. Schwerlich werden die gerechten Mißbilligungen, der ernste und strenge Tadel, welche diese Leute getroffen, vergeblich gewesen sein; schwerlich werden selbe nochmals solche fluchwürdige Schritte machen. Hingegen hat die Sache des ungarischen Israels an einer seit den letzten Jahren erscheinenden *) Für den Fabriksuoterstützuugsverein, so wie für andere patriotische Unternehmungen leisteten viele Gemeinden über ihre Kräfte und über ihr Zahlenverhältniß zu ihren christlichen Miteinwohnern. Korresp. **) Einer der wichtigsten Verfechter der Emanzipation hat stch öfters der Phrase bedient: „Wir wollen ja die Juden nicht uns (den Adeligen) gleich stellen!" Korresp.

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