Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 15 (6.4.1846)
- Date
- 1846-04-06
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225459--07650-3238420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
217 Juni 1813 bezweckt, und Se. Majestät unser König habe eine Deputation jüdischer Bürger von München und Augsburg in einer Audienz zu empfangen und eine auf unsere bürgerlichen und politischen Verhältniffe Bezug habende Denkschrift anzunehmen geruhet. Alles drängt zur Entscheidung in nächster Zeit und ich wünsche nichts sehnlicher, als daß ich mich in meinen früheren Aeußerungen, in welchen ich unsrer Sache kein günstiges Prognostikon gestellt hatte, geirrt haben möchte! Schmerzlich ist mir's darum zu berichten, daß aus der Oberpfalz bereits Petitionen gegen unsre Sache, namentlich gegen die Ansässtgmachung an solchen Orten, wo bis jetzt keine Juden wohnten, bei den Ständen eingelaufen sind. Die Altbaiern jener Gegend wollen „das Stehenbleiben bei den Beschränkungen des Edikts v. I. 1813", ja „das Stehenbleiben" wollen diese Herren, sehr begreiflich! Auch von mehreren Religionslehrcrn aus unserm Kreise ist eine Petition um Verbesserung ihrer Verhältnisse bei der zweiten Kammer eingelaufen und Herr Dekan Deininger aus Burghaslach hat sich dieselbe als Antrag angeeignet.. Wenn die israelitischen deutschen Lehrer nur mit ihren christlichen Kollegen gleiche Wünsche und Begehren theilen und daher auch die desfallsigen zahlreichen Vorstellungen überall mit unterzeichnet haben, so haben die israelitischen Religionslehrer noch mehr Ursache um Abhülfe ihres Nothstandes zu bitten, sie, die mit einer Familie in der jetzigen Zeit in der Regel mit einem Gehalt von 150 Fl. leben müssen. Aber sie haben, wie ich fürchte, ihre Hülse von der Kammer nicht zu erwarten. Ihre Gemeinden, ja ihre Gemeinden müssen ihnen helfen. In Schwaben und Ncuburg ist neuester Zeit den also Angestellten durch die Regierung eine Zulage von 50 Fl. aus den Gemeindekassen bewilligt worden, dafür müssen sie statt 2 täglich 3 Stunden unterrichten. Unsere Religionslehrer ertheilen statt 2, täglich 4 Stunden Unterricht und — dürfen dafür am Hungertuche nagen. „Hilf dir selbst" ist ein altes gutes Wort! Aus früherer Zeit besteht in unsrer Kreishauptstadt eine sogenannte landjudenschastliche und Stiftungskasse-Verwaltung, an welche die meisten Gemeinden des Kreises bedeutende Leistungen zu machen haben und deren Auflösung mehrere Gemeinden jetzt veranlassen wollen. Allein so lange Pensionisten derselben am Leben sind, ist alles Anstreben vergeblich. Zudem ruhet die Verwaltung in guten Händen, und die Ueberweisung der damit verbundenen wohlthätigen Stiftungen an die Privaten ist gewiß in unsrer stiftungsarmen Zeit und bei dem Mangel tüchtiger Verwalter und desfallsiger gesetzlicher Normen der guten Sache nicht förderlich! Kr. Oesterreich. Papa, 3. März. (Privatmitth.) Einiges über die Aufgabe der ungarischen Israeliten beiHerannahung des ungarischenLandtagcs. Zur geneigten Beherzigung, von Moritz Feitel. In Ungarn, wo so viel Materie unbenutzt verwittert, und mannigfache Kräfte ungeweckt erschlaffen; wo man von Mangel an Händen bei industriellen Unternehmungen, und von überhandnehmender Verarmung bei thcils brach liegendem, theils mangelhaft bearbeitetem Boden spricht; hier in diesem Lande des chimärischen Ueberflusscs und des selbstverschuldeten Mangels steht auch der Jude darin seinen deutschländischen Glaubensgenossen nach,' daß das vorliegende Material, welches er zu seiner politischen Erhöhung benützen könnte, seinem Bewußtsein in zu geringer Klarheit sich darstellt, und er auch die Kräfte weder gehörig benützt, noch berechnet, die ihn dahin führen könnten. In den letzten zwei Landtagen machte der Jude Schritte um Einbürgerung, und erlangte, daß die Emanzipationssrage zur Besprechung kam; erlangte nebst einigen Konzessionen die landtäglich anerkannte Duldung der jüdischen Einwohner Ungarns. Aber nach allen diesen Landtagen fühlte man sich in Erwartungen enttäuscht; war man wie aus den Wolken gefallen, sich nicht ganz frei von Vorwürfen wissend, durch eigenes Selbstverschulden zur Scheiterung der hochwichtigen Hoffnungen beigetragen zu haben. Man hat die äußeren Freunde der guten Sache zu wenig oder zu spät über die jüdischen Bedürfnisse verständigt, und die inneren Feinde der bürgerlichen Erhöhung Israels zu wenig erwartet, und ihnen zu wenig entgegen gearbeitet, bevor selbe die skandalösen Wege einschlagen konnten. Vor Ablauf eines Jahres steht wieder die Einberufung eines Landtages bevor. Das ungarische Israel wird abermals, wie dasselbe