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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-06 · Heft 15 (6.4.1846) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 15 (6.4.1846)
Date
1846-04-06
Page
Seite 216 (sequence 4)
Language
German
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216 Breslau, 22. März. (Privatmitth.) Man war hier auf dem Wege, durch die Anstellung Fassel's, der vor Kurzem hier war, und Tiktin's alle Parteien zu befriedigen, und diese so in Waffenstillstand neben einander bestehen zu lassen. Jetzt ist der Sturm neuerdings losgebrochen. Freilich zucken Biele die Achseln, und beurtheilen den jüngsten Schritt Geiger's vom Standpunkt des „allmälichen Fortschreitens," welchem G. früher auch das Wort geredet. Am Sabbat n-is 's predigte er über I.Mos. 13, 9: „Trenne dich doch von mir! Wenn du zur Linken, will ich zur Rechten, und wenn zur Rechten, so will ich zur Linken," und forderte die Gleichgesinnten zu einer Losreißung von den Konservativen und Gemäßigten geradezu auf, weil, wie er sagte, jede Halbheit zu ungenügenden Resultaten führen müsse, und er jede Hoffnung aufgiebt, eine Aussöhnung zwischen den Parteien zu Stande zu bringen. Posen, 2Z. März. In der gestrigen Sitzung unsererStadtverordneten hat die Humanität den glänzendsten Sieg über die entgegenstehenden Regungen davongetragen, und diese Sitzung dürfte daher als eine der merkwürdigsten, die noch überhaupt abgehalten worden, zu bezeichnen sein. In unsrer Stadt, wo trotzdem, daß unter 42,900 Einwohnern 10,000 Israeliten gezählt werden, der Jude bisher gleichsam stigmatisirt erschien, indem er noch in keinen einzigen sozialen Christenverein Zutritt hat erlangen können, und wo im vorigen Jahre zum ersten Mal ein Jude, der Kaufmann Mamroth, zum wirklichen Stadtverordneten, und ein andrer, der Dr. med. Neustädt, zum Stellvertreter ernannt worden, ist heute durch einstimmiges Votum aller anwesenden Stadtverordneten der Beschluß gefaßt worden, die Aufhebung desjenigen Paragraphen unsers städtischen Statuts zu beantragen, worin festgesetzt ist, daß von den 24 Stadtverordneten von Posen nur ein Sechstel, also nur vier, Juden sein dürfen. Bon nun an soll das religiöse Berhältniß nicht mehr berücksichtigt werden, und die Juden sollen mit den Christen, mit denen sie nunmehr gleiche Lasten tragen,' auch gleiche Rechte haben. So wird bei den künftigen Wahlen nun nicht mehr von Christen und Juden, sondern blos von Bürgern die Rede sein. In derselben Sitzung ist auch beschlossen worden, daß mehr als hundert jüdische Einwohner unsrer Stadt, welche die gesetzlichen Bedingungen erfüllen, das Bürgerrecht erhalten sollen. (D. A. Z) (Jedenfalls ist dieser Akt von hoher Bedeutung auch über den Kreis der Stadt Posen hinaus. Es ist abermals erwiesen, daß die Neuzeit immer mehr die Abgrenzung aus religiösen Gründen tilgen will, daß sie solche endlich verabscheuen lernt. Mögen unsere Gegner wohl bedenken, daß hier von einer Stadtverordnetenversammlung die Rede ist, wo 1 Jude sitzt und in einer Stadt, wo 10,000 Juden wohnen, und im Großherzogthum Posen! Redakt.) Deutschland. Aus Mittelfranken, 24. März. (Privatmitth.) Ein Herr Unbekannt hat sein erstmaliges Besteigen des neuen „Sinai" dazu benutzt, um meine in diesen Blättern gegebenen Nachrichten über die Schritte der Israeliten zur Erlangung bürgerlicher Rechte zu beschnufeln und mir mit Protektormiene den Rath unberufen zu ertheilen, über diese Sache Stillschweigen zu beobachten *). Allein ein ganz andrer Geist, der Geist der Zeit, welcher alle Heimlichthuerei verwirft, die Gerechtigkeit unsrer Sache und die Gesetzlichkeit unserer desfallsigen Schritte, welche das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen haben, endlich der richtige Takt des Redakteurs d. Bl. und anderer renommirter Blätter, welche diesen und anderen derartigen Miltheilungen ihre Spalten öffneten, rathen uns eines ganz Andern, und so sage ich mit den Worten der Schrift: „Besser ist der Rath Chuschais, als der Rath Achitophels." Diesen seinem Berhängniß überlassend, fahre ich in der Mittheilung der auf unsre Angelegenheit bezüglichen Nachrichten fort. Der Referent über die aus allen Theilen des Reichs eingegangenen Petitionen, Freiherr von Gumpenberg, ist mit seiner Arbeit bereits so weit vorgeschritten, daß der Gegenstand demnächst auf die Tagesordnung kommen wird. Damit verbindet sich die wichtigere Nachricht, die Staatsregierung werde noch den dermal versammelten Ständen einen Gesetzentwurf vorlegen, welcher eine Revision des Edikts vom 10. *) Alle dort gegebenen Nachrichten bestehen in voller Wahrheit und es ist an dem Herrn Achitophel, uns einer Unwahrheit zu zeihen. Korresp.

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