Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 15 (6.4.1846)
- Date
- 1846-04-06
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
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215 Der Juda's Du vergessen nimmer Auf Heller und auf dunkler Bahn: Auch wir, wir wollen treu gedenken Stets Dein und Deiner Lehre gern, Mögst Deine Huld auch uns Du schenken, Daß nie uns Deine Hülfe fern! IV. (Am Neujahrsfeste.) Lobsingt in Freudeuchören Dem Tag, voll Zuversicht, Wo einst der einig Ew'ge Gebot: es werde Licht! Das Licht, das stets geleuchtet, Ein Leitstern, rein und hell. Dir, meinem heiligen Volke Der Kinder Israel! Wohl sahst Du finstre Stunden So manch' Jahrhundert schon, In Kummer und in Thränen, Verfolgt von Haß und Hohn; Doch blieb in Deinem Glauben Das Licht der Väter Dein Drum hast Du wohl bestanden In Deiner Prüfung Pein. So halte fest auch fürder, Mein Volk, an Deinem Gott, Es werde nie die Lugend Durch Sünde Dir zum Spott: Dann werden alle Völker Auf Dich voll Liebe schau'n, Gleich Dir im Lichte Gottes An seinem Tempel bau'o. Ludwig Liber. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 26. März. (Privatmitth.) Am Abend des 2. Aprils wird die Einweihung des von der Genossenschaft für Reform im Judenthum eingerichteten Tempels stattsinden. Das Lokal ist ausgezeichnet geeignet und würdig dekorirt. Die Anmeldungen zu Plätzen, die sämmtlich auf 5 Jahre vermiethet werden, sind außerordentlich groß, so daß man befürchtet, die 90V Sitzplätze werden nicht ausreichen. Zur Einweihung kommt Dr. Holdheim her, um die Predigt zu halten, vor welcher vr. Stern eine Rede sprechen wird; die Gemeinde selbst wird außer durch einen Choral, den Ludw. Lesser (Liber) gedichtet und Julius Stern komponirthat, und das Schma, an diesem Abende nicht weiter aktiv sein; die übrige Zeit füllen passende Musikstücke, von einem Sängerchor vorgetragen, aus. Ohne Zweifel wird dieEinweihungsseier von tiefem Eindruck sein! — Zu den ersten Peßachtagen wird Dr. Hirsch aus Luxemburg zur Predigt anherkommen. Posen, 23. März. Bis zu welcher Kleinlichkeit die polnische Bewegung herabgesunken, davon giebt eine Korresp. in der Voss. Zeit. Kunde, wo es heißt: Wenn wir von der Hoffnung auf völlige Rückkehr des alten Lebens sprechen, so fürchten wir dennoch, daß die guten kommerziellen Verhältnisse noch lange an dem, ihnen durch die Unruhen versetzten Schlage laboriren werden, da es z. B. gewiß ist, daß viele Polen beschlossen haben, ihre Kundschaft den jüdischen Kaufleuten, die sich bei dieser Affäre besonders gut preußisch gesinnt gezeigt haben, entziehen wollen, — eS sollen förmliche Proskriptionslisten über diejenigen, die diesem Banne verfallen, gemacht worden sein. Es ist wahr, daß die Juden sich besonders rührig durch Anerbietungen zur Aushülfe der gesetzlichen exekutiven Macht, wo dergleichen nöthig werden sollte, gezeigt haben und wenn wir nicht irren, so ist von da aus die Idee zur Bildung einer Bürgergarde (zur Zeit als das fremde Militär noch nicht hier war) ausgegangen, ein Vorschlag, der indeß dankend abgelehnt wurde. Wenn die Polen aber den Juden diese Beweise der Anhänglichkeit an Preußen zu solchem Verbrechen machen, daß sie, so weit es in ihrer Macht steht, ihnen die Nahrung entziehen wollen, so müssen sie doch auch bedenken, daß es nach Allem, was man gehört, wahrscheinlich ist, daß die Juden, des (nur zu oft unbegründeten) Renommees ihres Reichthums wegen, gerade die ersten Opfer einer, auch nur für den Augenblick reussirenden, Revolte gewesen wären.