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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-30 · Heft 14 (30.3.1846) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 14 (30.3.1846)
Date
1846-03-30
Page
Seite 210 (sequence 14)
Language
German
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210 au die Stelle des Mißtrauens und der Verdächtigung Vertrauen und §ffne, freimnthige Würdigung. Von dieser Anerkennung des jüdischen Wollens und Mrkeus liegen uns bereits die glänzendsten Beweise vor. Abgesehen von jenen Staaten, Ln denen dem Juden bereits das Recht des Vollbürgerthums eingeräumt ist, treten uns in unsrem preußischen Vaterlande die erfreulichsten Erscheinungen entgegen. In kleineren und größeren Städten sind in jüngster Zeit besonders Juden, soweit ihnen der j Zutritt freistand, zu Kommunalämteru durch die Wahl | ihrer christlichen Mitbürger berufen, sie sind zu! Vorstehern und Verwaltern öffentlicher, das Gemeinwohl i bezweckender Gesellschaften und Stiftungen gewählt worden; die Stände von fünf Provinzen, tn denen die Juden am zahlreichsten sind, haben sich für ihre Emanzipation verwendet. Dies Alles, wie das freundliche Auge, mir welchem die höchste Staatsgewalt auf die religiösen Bestre, bungen des Judeuthums sieht, giebt uns die sicherste Bürgschaft, daß wir uns getrost den freudigsten Hoffnungen für die Zukunft hingeben können, daß die Zeit nicht mehr fern sei, da der jüdischen Religion und ihren Bekennern in der Wissenschaft sowol wie im staatlichen und sozialen Leben ihr volles Recht öffentlich zu Theil werden wird, zumal da die preußische Regierung, besonders was die Juden betrifft, sich stets angelegen sein ließ, in ihrer Gesetzgebung mit der Volksmeinung gleichen Schritt zu halten. Hieran schloß nun Herr Dr. Stern passend einen halb als Hoffnung halb als Segen ausgesprochenen Wunsch, daß die Juden in denjenigen Staaten, wo sie von der Regierung schon emanzipirt sind, auch von den niederen Klaffen des Volkes, die überall in ihrer Rohheit und Ver> suukenheit zu fanatischen Ausschweifungen geneigt sind, als gleichwürdig und gleichberechtigt mit ihren christlichen Mitbürgern anerkannt werden mögen und oaß in denjenigen Staaten, wo ein barbarisches und demoralisirtes Volk selbst geknechtet und mit Füßen getreten von einer grausamen Zwiugherrschaft den noch gedrückteren und ganz wehrlosen Juden seine Ueberlegenheit auf eine schmachvolle, die Menschheit entwürdigende Weise fühlen läßt, bald daS Licht der Humanität aufgehen möge, welches den zivilisirttn Völkern unsres Jahrhunderts in allen Stürmen und Wirren der Zeit als leitende Feuersäule voranleuchte. Nachdem der Redner seine Vorlesungen hiermit für geschloffen erklärt hatte, gab er noch einmal einen kurzen übersichtlichen Umriß ihres GesammtinhaltS, in dem er zeigte, wie er von den erste» dunkelsten Regungen des ReligionSbedürfuiffes in unserm Herzen ausgehend die ' fortschreitende Entwickelung und Vertiefung desselben bis j zu dem Gedanken eines einigen, unendlichen und unkörj perlichen Gottes der Liebe dargethan, wie er die aus die-! sem Boden erwachsene Sittlichkeitsidee bis zu ihren äußer- 1 sten Spitzen in der Messiasidee verfolgt und dargestellr, wie er endlich die Erscheinungsform der Lehre und der Sittlichkeit in dem Gottesdienst, in den Feier- und Festtagen und in den Zeremonialgebräucheu, wie ihr gegenseitiges Verhälmiß gebührend besprochen und gewürdigt habe. Und so sage auch ich denn dem geehrten Leser Lebewohl und danke ihm für die Geduld und die buchstäbliche Nachsicht, die er diesen blaffen und matten Nachzüglern der geflügelten Reden bisher geschenkt hat. 0. k. LI. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1V* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshanblung. Gesuche. Bei der hiesigen Korporation soll neben dem hier fungirenden Rabbiner die Stelle eines RabbLnats- Assessors kreirt werden. Zum Ressort dieser Stelle soll insbesondere das Abhalten deutscher Vorträge. in der Synagoge allsonnabendlich und an Feiertagen, sowie die Leitung des Konsirmanden-Unterrichts gehören. An fixem Gehalt werden von Seiten der Korporation 200 Thtr. jährlich bewilligt, doch kann ein Einkommen von mindestens 400 Thlrn. verbürgt werden. Kandidaten, die auf beregte Stelle reflektkren, mögen außer dem curriculum vitae ihre Zeugnisse besonders über ihr absolvirtes lrienuum academicuin und wo möglich auch ihre rnnn recht bald portofrei an uns einsenden; wie ihnen dann über die Abhaltung von Probepredigten rc. das Nähere sofort mitgetheilt werden soll. Fitehne a. N. im Marz 1846. Der israelitische Korporations-Vorstand. Hammerstein. Bei der hiesigen jüoischen Gemeinde wird zu Ostern d. Z. ein Lehrer gesucht, welcher zugleich als Schächter und Vorbeter fungicen muß. Die Stelle trägt bei freier Mittag- und Abendbeköstigung, frei Logis und im Winter freie Heizung, an Gehalt 80 Thtr. Pr. Et. ein. Hierauf Reflektirende haben bei freier Einsendung ihrer Zeugnisse, und wenn es ein Ausländer einen Heimarhschein ihrer Regierung beizufügen, sich zu wenden-

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