Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1846)
- Date
- 1846-03-30
- Page
- Seite 206 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Umständen gedrängt gethan habe. Er wurde auch nicht weiter behelligt. Die revolutionäre Regierung hatte von den Juden des Kasimir außer der Bewachung ihres Viertels nur 30 Soldaten verlangt, welche mit den Revolutionstruppen gegen die Oesterreicher nach Galizien ziehen sollten. Der Oberrabbiner, welcker die Judenschaft bei der Regierung repräsentirte, stellte auch die verlangten 30 Mann unter die Waffen, sie sind aber sämmtlich wieder davon gelaufen. Dagegen sollen von den deutsch gekleideten Juden Viele sich freiwillig bewaffnet und mit makkabäischem Mulh in Galizien geschlagen haben. Es sind daher auch mehre von den deutsch-polnischen Juden verhaftet und in Untersuchung gezogen. Unter diesen befindet sich ein Rechtsgelehrter, welcher auf Befehl der revolutionären Regierung in der großen Synagoge in polnischer Sprache für die Revolution gepredigt hatte. Seine Predigt ist in der Regierungszeitung gedruckt worden. Auch ein angesehener Arzt, Dr. Warschauer, ist unter den Jnhaftirten. Einer ist schon wieder in Freiheit gesetzt worden." Frankreich. Straßburg, 10. März. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen wurde hier die erste Nummer eines kleinen, lithographirten Journals, das von Zeit zu Zeit erscheinen soll und den Titel führt: La pure verite („die reine Wahrheit"), ausgegeben. Der Redakteur, Herr G. Z. Blum, bekannt aus dem straßvurger Orgelstreit, spricht in der Einleitung in ziemlich hohem Ton. Er sagt: „In einem Jahrhundert, wo das persönliche Interesse fast die ganze Thätigkeit des Menschen absorbirt, ist das Erscheinen eines Journals, welches sich Allen hingiebt und Niemandem verkauft, ein so seltenes, so unwahrscheinliches Phänomen, daß viele Personen nur dann daran glauben werden, wenn sie es gesehen haben; und wenn sie sich von der Wirklichkeit einer so außerordentlichen Lhatsache überzeugt haben werden, wird die Mehrzahl sich noch fragen: In welchem Interesse erhebt „die reine Wahrheit" die Stimme? Um dieser Frage, welche ein ungläubiger Egoismus zu stellen nicht unterlassen wird, zu antworten, muß ich meinen zukünftigen Lesern das Motiv mittheilen, welches mich bestimmt hat, dieses Blatt zu schaffen." Die Antwort lautet: Er habe als Mitglied der Administration des israelitischen Kultus 13 Jahre lang die größten Dienste geleistet, und man sei undankbar gegen ihn gewesen. Dennoch könne er dem Genüsse, nützlich zu sein, nicht entsagen. „Die Hingebung ist für mich eine unbesiegbare Gewohnheit, eine Bedingung meiner Eristenz geworden." Er verspricht nun als Devise: „die Wahrheit, die ganze Wahrheit, Nichts als die Wahrheit!" Nach dieser Einleitung wird man begierig sein, den Gehalt dieser „reinen Wahrheit", dieses Allen sich hingebenden, und Niemandem sich verkaufenden Journals, dieser außerordentlichen, unglaublichen Thatsache rc. kennen zu lernen. Derselbe ist nun: das Demissionsschreibcn des Herrn Ruef als Mitglied des straßburger Konsistoriums, und eine Kritik desselben; dann über die Demission des Redakteurs selbst, und zwei kleine Nachrichten. Das Ganze sieht demnach nach einem Scherze aus. —. Herr Albert Cohn hatte am 10. Februar eine Audienz beim Könige, in welcher er eine Dankadresse der algier'schen Juden für die Organisationsordonnanz überreichte. Paris, 4. März. (Privatmitth.) Kassationshöf (Zivilkammer). Vorsitz des Herrn Portalis, erster Präsident. — Audienz vom 3. März. Israeliten. — Schwur nach jüdischem Brauche. Kann ein Israelit, welchem der Entscheidungseid übertragen ist, sich weigern, nach jüdischer Sitte zu schwören? (Ja.) (Fortsetzung.) „Ich schwöre bei Barase Baraa Adonai Elohim, welcher das israelitische Volk trocknen Fußes durch das rothe Meer geführt hat, — bei dem von Adonai gegebenen Gesetze.... — bei den Dornen, welche meine Hüften umgeben, — daß ich den Namen Sabaoth nicht falsch anrufe; und wenn ich falsch schwöre, sollen alle Abkömmlinge meines Leibes verflucht sein; — ich soll längs den Mauern hintappen wie ein Blinder und fallen wie derjenige, der keine Augen hat, und die Erde soll sich aufthun und mich verschlingen, wie Dathan und Abiron." Während des Laufes des eilften, zwölften und dreizehnten Jahrhunderts sind neue Flüche den vorhergehenden beigefügt. Der zur Eidesleistung zugelassene Jude, aufrecht stehend auf der Haut eines vor