Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1846)
- Date
- 1846-03-30
- Page
- Seite 205 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Weil sie dieselbe für eine ungesetzliche Abgabe betrachtet haben. Dies weiß Jedermann, der in die gedruckten Verhandlungen jener Reichstage nur einen flüchtigen Blick geworfen. In diesem Sinne sagte auch Franz Denk, mit dem ja selbst die Korrespondenten der Augsburger Allgemeinen liebäugeln, am Schluffe des vorletzten Landtages, in dem Berichte an seine Wähler: „Auch die gedrückte bürgerliche Lage der Jsraeli- „ten hat die Aufmerksamkeit der Stände auf sich ge- „zogen, und sie haben es mit der Gerechtigkeit un- „verträglich gefunden, daß diese Volksklasse, welche, „die wenigsten Begünstigungen des Staates genießt, „unter allen Bürgern die meisten Lasten trage, und „außer den gesetzlichen Abgaben noch mit einer, To- „leranztaxegenannnten, aber von dem Gesetze unbekannten, lästigen und willkürlichen Steuer „belastet werde" *). Genau genommen hätten freilich die Stände fordern sollen, daß die Regierung den Juden die bereits eingezahlte Toleranztaxe wenigstens vom Jahre 1791 an zurückerstatten solle. Da aber eine solche Konsequenz nicht ausführbar war, so sind sie bei der Forderung stehen geblieben, daß die Toleranztaxe fortan von der Regierung nicht gefordert werde, da diese Forderung eines jeden Rechtsgrundes entbehrt. Sie sagen endlich: 5. „Der König, welcher jene Präposition nicht „genehmigt hat, ist also noch heute im rechtlichen „Besitze und der rechtlichen Ausübung des bezeichne- „ten Taxbezuges, zu dessen Ausübung der König „übrigens die Organe schon in Thätigkeit zu setzen „wissen wird." Der erste Theil dieses Satzes hat bereits seine Widerlegung gefunden; was den letzten Theil anbelangt, so weiß ich freilich nicht, ob die Regierung zur Einhebung der Toleranztaxe „die Organe in Thätigkeit setzen" werde. Auch ist es schwer zu errathen, von welchen Organen hier die Rede sei. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle nur so viel, daß in der letzten Zeit von königlichen Salzämtern Befehle wegen Einzahlung der Toleranztaxe an Judengemcinden ergingen. Die Gemeinden zahlten gleichwol nicht, wohl wissend, daß die Komitats-Behörde jenen „Organen" keine Assistenz zur Eintreibung der ungesetzlichen Steuer wird angedeihen lassen. Merkwürdiger Weise waren jene Salzamtsbefehle nicht in der diplomatischen ungarischen, sondern in deutscher Sprache abgefaßt, so daß man versucht wird, hierin eine Andeutung zu erblicken, daß die Toleranztaxe wol nicht von ungarischem, sondern von germanischem Standpunkte gewürdigt werden müsse. Auch mag allerdings in der Forderung, daß der Jude außer den gewöhnlichen Steuern der Regierung noch eine Leibmaut zahlen müsse, sich eine gewisse deutsche Tiefe und Gemüthlichkeit aussprechen; wie denn die „wiederbefreiten" und „hepp hepp" rufenden Deutschthümler die Emanzipation der Juden als eine gallische Gottlosigkeit betrachteten;-in Ungarn konnte es der deutschthümelnde Judendruck, den in unseren Tagen auch viele Deutsche verabscheuen, nie zur rechten Geltung bringen. Und als Preßburgs Bürger im Jahre 1529 das deutsche Judenabzeichen auf ungarischen Boden verpflanzen wollten, gab ihnen König Ludwig II. einen Verweis mit dem Bedeuten, daß so etwas in Ungarn unerhört sei. Doch gesetzt, es wird die Toleranztaxe in manchen Orten wirklich einkassirt; meinen Sie, daß daraus deren Gesetzlichkeit erwiesen sei? Dann müßten Sie auch einräumen, daß z. B. die gewaltsame Wegnahme der evangelischen Kirchen zu Tyrnau, Press bürg, Komorn, Bartfeld, Eperies und Kaschau im siebzehnten Jahrhundert gesetzlich gewesen sei; denn auch diese Wegnahme wurde durch „Organe" bewerkstelliget. Ich weiß aber, Sie werden als Protestant nimmer geneigt sein, dies einzuräumen. Indem ich es vom Herzen bedaure, daß es Ihnen in den Sinn gekommen, sogar die Toleranztaxe zu vertreten, zeichne ich mit Hochachtung. Krakau. Krakau, 16. März. In einer Korresp. der D. A. Z. heißt es: „Auch die Juden im Kasimir, bei welchen die Preußen im Quartier lagen, sprechen in großen Lobeserhebungen von ihnen. Unter den bereits Jnhaftirten befindet sich kein Jude aus dem Kasimir. Der Oberrabbiner Meise! wurde zwar von dem russischen General zur Verantwortung gezogen, man konnte aber in seine Versicherung keinen Zweifel setzen, nach welcher er Alles, was er zu Gunsten der Revolutionärs gethan, nur von den gewaltigen 14* *) Köveljelentes pag. CB.