Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1846)
- Date
- 1846-03-30
- Page
- Seite 203 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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203 sei, daß sich daher entweder eine von der Gemeinde unabhängige Kultnsgenoffenschaft bilden solle, die sich zu einer gesunden, freien und ausreichenden Reform bekenne, widrigenfalls müsse er mit Schmerz um seine Dimission bitten, mit Schmerz, weil er mit getäuschter Hoffnung aus einer Gemeinde scheide, die er sicher zu einem schönen Ziel zu führen gehofft hatte. -Man kann leicht denken, welche verschiedenartige Gefühle das Bekanntwerden dieses Schrittes hier hervorgerufen hat. Die Einen glauben nun mit freudigem Grimm auf den Mann Hinweisen zu dürfen, von dem sie lange prophezeiht haben, daß er die Gemeinde dem Unglauben, oder was ihnen dasselbe dünkt, der Reformgenoffenschaft zuführen wolle. Die Anderen, und das sind die Männer der vorjährigen Reformexplosion, sind begeistert für den kühnen Schritt, der, wie sie wähnen, ihrer guten Sache die unberechenbarsten günstigsten Erfolge bringen wird. Noch Andere, und das sind die Männer der berechnenden Besonnenheit, sehen mit Schrecken auf die neuen unabsehbaren Zerwürfnisse, in di« die Gemeinde neuerdings gerathen kann und muß, wenn Geiger sie verläßt. Diesen Letzten zählen wir uns auch zu, weil wir fest überzeugt sind, daß selbst die Gesellschaft, die jetzt ausschließlich die Geiger'sche sich nennt, tausendfältig zerstieben und sich spalten wird in mäßigere, kühnere und reißende Fortschreiter, wenn das Band sie nicht mehr umschlingt, das bis jetzt sie fest aneinander gehalten. Morgen ist Gemeindesitzung, morgen ist auch eine Versammlung der hiesigen Mitglieder der berliner Reformgenossenschaft, um einen Deputaten zu wählen für-die Konferenz in Berlin: die Resultate beider Versammlungen werden wir sofort den Lesern dieser Blätter mittheilen. Königsberg, 17. März. Am 13. d. versammelten sich die Mitglieder des Magistrats, die Stadtverordneten und einige andere Personen im Saale der deutschen Ressource und konstituirten sich, nach Annahme vorläufiger Statuten, zu einer „Städtischen Ressource." Man wird sich jede Woche einmal zu freier und ungezwungenerBesprechung besonders städtischer Angelegenheiten versammeln; aufnahmefähig ist jeder „selbstständige, unbescholtene" Einwohner Königsbergs. Von einem konfessionellen Unterschiede ist nirgend die Rede. Oesterreich. Aus Ungarn, 10. März. (Eingesandt.) Sendschreiben an den Redakteur der Pesther Zeitung in Betreff der Toleranztaxe von L. L. R. in K. Geehrtester Herr Redakteur! So auffallend auch das Räsonnement ist, welches Sie No. 191 d. I. in Betreff der Toleranztaxe der Juden aus der Allg. Ztg. des Judenthums ansühren; so sind doch die daselbst vorgebrachten Bemerkungen, welche die Gesetzlichkeit der Toleranztaxe darthun sollen, noch viel auffallender; und ich halte es im Interesse der Wahrheit und der gerechten Sache in gleichem Maße für nothwendig, jene Bemerkungen einer unparteiischen Kritik zu unterziehen. Fürchten Sie nicht, Herr Redakteur, daß ich mich in das vielbesprochene Kapitel der Juden-Emanzipation verlieren, und die Tendenz bekämpfen werde, welche die Pesther Zeitung seit ihrer Entstehung in der Judensache verfolgt. Ohne in die Geheimnisse der Publizistik und Journalistik eingeweiht zu sein, weiß ich doch so viel, daß die Pesther Zeitung, vermöge der ihr eigenthümlichen Richtung und Bestimmung, eine Gegnerin der Juden-Emanzipation sein müsse; denn die Zeit, wo der Konservatismus — und namentlich der deutsche Konservatismus — in Ungarn diejenige Entwickelungsstufe wird erreicht haben, wo er, wie der Torysmus in England, sich mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden wird einverstanden erklären, — diese Zeit ist wol noch eben so fern, als die, wo der von der Pesther Zeitung vertretene ungarische Bürgerstand, gleich einem sehr bedeutenden Theile des preußischen Bürgerstandes, den Zusammenhang, das Verhältniß, die Konsequenz zwischen der Emanzipation der Juden und seiner eignen Emanzipation klar durchschauen wird. Ich werde also die Emanzipationsfrage durchaus nicht berühren, und mich streng an ihre Bemerkungen halten. Sie sagen zuvörderst: 1. „Die Juden sind in Ungarn nur erst in der „neuesten Zeit landtagsmäßig, nämlich durch das „Gesetz von 1840. 29." Diese Angabe ist aber durchaus falsch. Das Sein der Juden in Ungarn ist seit dem eilften Jahrhunderte durch eine ganze Reihe von Landtagsgesetzen