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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-30 · Heft 14 (30.3.1846) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 14 (30.3.1846)
Date
1846-03-30
Page
Seite 201 (sequence 5)
Language
German
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201 gleicherweise befriedigenden Lehren, deren wir uns erfreuen wollen für und für. Zeitungsnachrichten. Preußen. Königsberg, 10. März. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, fern im Osten gelegen, wird seltener besprochen, trotzdem sie des Besprechens Werthes vielfach enthält. Es ist dies ferner liegenden Orten, die dennoch einen gewissen Fonds in sich fühlen, eigen. Sie schließen sich ab, indem sie sich genug fühlen; sie bedürfen des fernen Mittelpunktes nicht, weil die Strömung zu und von ihm doch nur eine langsamere ist, und glauben seiner nicht zu bedürfen. Je weniger sich nun wiederum das Entfernte in den ganzen Konnex hineingereiht, desto weniger Anstrengung wird wieder vom Mittelpunkte aus gemacht, sich das Entfernte zu erobern. Insbesondre paßt dies auf Königsberg. Es giebt wol wenige Gemeinden, in denen eine so bedeutende Masse der religiösen Tradition gänzlich entwachsen ist, wie hier. Hier hält man die religiösen Zeremonialgesetze nicht mehr, weil man sich nicht mehr von ihnen verpflichtet hält, sondern — weil man sie gar nicht mehr kennt! Sie wissen, wie es mit der religiösen Tradition geht: ein Glied der Kette hinweg, und die Anknüpfung ist gar nicht wieder möglich; eine Generation ohne ihre Uebung verstorben, und die folgende kennt sie nicht mehr, und wird niemals wieder ihr zufallen. — Solches hat aber nicht bloß eine Wirkung für die Individuen, sondern auch auf's Ganze. Ein Geschlecht, welches die traditionellen Gesetze nicht mehr hält, aber sie noch kennt, aus der Jugendzeit, wird meist noch einen bedeutenden Grad von Duldsamkeit für sie haben; es lebt noch immer eine gewisse Sympathie für sie. Aber ein Geschlecht, das sie gar nicht kennt, wird eher feindlich gegen sie gesinnt sein; es hat so gar keine Ahnung von dem Geiste, der in den traditionellen Gesetzen lebt, daß es sie nur von ihrer äußerlichen Seite auffaßt, die ihm, weil unverständlich, nicht allein nicht zusagt, sondern sogar widerspricht, widerstrebt, und endlich bei weiteren Konflikten gehässig wird. Die Ursachen sind leicht aufzufinden. Ueberall — aber dies überall findet nur in wenigen Gemeinden statt — überall, wo sich frühzeitig eine Vermittelung, ein allmäliges Verschleifen der alten in die neue Zeit geltend gemacht hat: da wird aus der alten immer genugsam mit hinübergenommen worden sein, um noch Anknüpfungen für die alte Zeit zu haben. Da aber, wo eine lange Zeit, ein halbes Jahrhundert verloren worden, ohne daß das Alte eine Spanne der Neuzeit nachgerückt ist, ohne daß das Alte einen Schritt der Bildung, der Kultur naher gethan hat: da kommt auch die Vermittelung zu spät, da ist der Bruch vollständig, er mag noch so lange verkleistert werden. Wir sehen es in Berlin, wo freilich auch die Vermittelung gleich fanatisch ausgetreten, wir sehen es in Frankfurt am Main, wo doch die Vermittelung eine gcmüthliche, liebevolle Hand gefunden. Es ist dahin, die Zeit vorbei. So auch geht es in Königsberg. Leicht in keiner Gemeinde hat die Bildung so frühzeitig unter den Juden einen festen Fuß gefaßt, wie hier. Schon zu Mendelsohn's Zeit zeichnete sie sich darin aus. Dies dehnte sich immer weiter, ohne daß von Seiten der Synagoge das Geringste zur Befriedigung geschah. So lange im Allgemeinen unter den Gebildeten ein minderer Sinn für religiöse Regung vorhanden war, bestand dies ruhig neben einander. Die Zeit ist aber gekommen, wo dies Gott sei Dank nicht mehr stattsindct. Die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt hat sich auf das gerichtet, was ihr bis jetzt gefehlt hat. Die Explosion war unvermeidlich, und es gilt nun, die Krisis glücklich zu bestehen und durchzuarbeiten. Gerade in Königsberg will man daher etwas Entschiedenes. Berlin, 25. März. (Privatmitth.) Ihr Artikel über die HülfSbedürftigkeit und Hülfslosigkcit vieler hiesigen jüdischen Studirenden hat bedeutendes Aufsehen erregt. Daß dies schon ein bedeutender Gewinn, ist cinstchtlich und erwirbt Ihnen Dank. Ader man ist noch weit davon entfernt, daß ein praktisches Resultat daraus zu erzielen, und so wird es wol nothwendig sein, den Gegenstand noch mehrfach zu durchsprechen. Das heißt, davor verwahre ich mich, daß ich glauben sollte, durch solches vielfache Besprechen werde der Sache wahrhaft genützt, davon bin ich weit entfernt. Ich habe genug gesehen,

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