Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-30 · Heft 14 (30.3.1846) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 14 (30.3.1846)
Date
1846-03-30
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225458--07630-3238399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

198 Da sind wir schnell auf unsrer Wacht, A« Ort und Stell', eh' man's gedacht. Wir schaaren uns, ihn zu erdrücken; Kaum daß die Menschlein ihn erblicken, So muß er wieder schon verschwinden: Sie mögen höchstens — Schwefel finden. Dritter Geist. So habend, Brüder, wir gehalten In neuen Zeiten und Ln alten. Als einstens auf des Horeb's Höh'n Die Wahrheit sprach, mit Sturmgedröhn, Als ob sie niemals wollt' verhallen: Wie könnt' zu selben Höhen wallen So bald des Goldkalbs Opferrauch? Wo ein Prophet im Geisteshauch Das Wort gesprochen: sonder Weile, Daß er die Wunde schnell uns heile, Sprach auch zum. Volk ein falscher Wicht, Zum Volk, das Trug so leicht besticht. Und wo ein Denker durch sein Sinnen Der Wahrheit ward ein Wenig innen, Wie schnell verwirrten wir die Stege, Daß er zu uns sich doch bewege. Und wo ein Forscher durch Versuche Die Kräfte der Natur ergcübelt, Die Wahrheit ward ihm selbst zum Fluche, Das Rechte ward ihm schwer verübelt. Vierter Geist. Jzt ist ein neuer Ruf ergangen, Ein Ruf, gesteh'n wir's, dem wir bangen! Und durch die Welt geht ein Gerücht, Dem's an Entsetzen nicht gebricht. Fünfter Geist. Wir Alle fühlen uns durchschauert Ob diesem Feind, der auf uns lauert: Drum ist der Bund allher berufen, Um den, den wir zum Gott erschufen, Zu fragen, ob wir müssen zittern Vor dem, deß Anmarsch wir erwittern. Sechster Geist. Bisher, so weit die Menschheit zog, Und sich so leicht und gern betrog — Entzündete der Wahrheit Strahl Rur Einzelne auf ihren Hügeln, Jn'S weite, ebne Thal Könnt' sie sich mühsam nur verspiegeln. Von droben tönte 's und verhallte, Es blieb bequem — doch nur das Alte. Und ob die Zahl der Einzelnen auch wuchs, Wir waren bei der Hand doch stets und flugs, Wir beugten vor, wir wehrten und erdrückten, Bis sie zuletzt sich wieder in uns schickten. Und ob auch unser Tagewerk drob schwoll, Wenn nur geschah, was soll. Siebenter Geist. Doch weh! es ist das Volk, das jetzt sich reget, Die Masse selbst, die sich beweget, Der Menschheit Troß, Er scheint sich zu erheben, In den Koloß Kommt Leben! Achter Geist. Das lang geschlummert, ist erwacht, Schon fühlt es seine Riesenmacht, Mit eignem Auge si'eht's, Und schnell erglüht's! Neunter Geist. Von Einer Lippe nicht mehr tönt das Wort, Man spricht's an jedem Ort; In Einem Geiste nicht mehr wird es licht, Die Morgenröth' hervor in Allen bricht. Hat in der Menschheit dies erst sich verbreitet. So haben wir zu Ende sie geleitet. Den Einzelnen, wir konnten leicht ihn fangen Doch soll'n wir nicht vor Allen bangen? Zehnter Geist. Drum sind wir hier Zusammenkommen, Wir sprachen es, es ward vernommen: So öffne uns des Wahnes Pforte, Er höre selbsten unsre Worte: Das Reich des Wahnes ist bedroht Mit Untergang und Tod! (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.