Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1846)
- Date
- 1846-03-23
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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192 bezweifelt, wie es von der West-London-Gemeinde beobachtet wird! Urtheilt, und gebet nicht dem jetzigen Jahrhundert und England das betrübende, das fast unglaubliche Schauspiel, wie eine umfangreiche Gemeinde sich zurückschrecken läßt von Uebung der Duldung gegen ihre Brüder, und dies durch eine Bannbulle, die einige Fanatiker erpreßten von der Schwachheit des seligen Oberrabbiners in den letzten Tagen seines schwankenden Daseins, da er an Leib wie an Seele viel geplagt wurde von langwierigen Leiden und der Bürde des Alters! Urtheilt selbst, wie Andere gethan haben seit Bekanntmachung jener „Warnung" oder „Chercm" genannt, und wie sie werdet auch ihr unfehlbar den Geist erkennen und ihn gebührend charakterisiren, der „jedem, welcher sich einen Israeliten nennt," das Verbot diktirte, das Gebetbuch der West-London-Synagoge anzunchmen oder in irgend einer Weise anzuerkennen. Ihr werdet dann wissen, was ihr von der „Erklärung" zu denken habt, welche uns als solche erachtet, „denen es nicht gestattet werden kann, Gemeinschaft zu haben mit Israeliten in irgend einem religiösen Berufe oder einer heiligen Handlung." Brüder, wir erfüllen eine heilige Pflicht, indem wir euch aufrufen, euer Mitgefühl für die uns zugefügten Verletzungen auszudrucken durch cuern einfachen Protest gegen jeden fernern Eingriff in unsere Rechte als Glieder einer jüdischen Gemeinde Eroßbritaniens. Wir ersuchen euch, eure Erklärung für Widerrufung des noch wirksamen Cherems (wie man ihn erst neulich geltend machte), der nur wegen der Aufklärung des Zeitalters und Volkes, in und unter welchem wir so glücklich sind geboren zu sein, nicht beladen werden konnte mit höchst unseligen Folgen für unser gemeinsames Wohl, welcher jedoch, wie es wirklich der Fall ist, wesentlich dazu dient, den schönen Namen der-Gemeinde Israels in der Achtung bei der Welt herabzusetzen. Zu diesem Schritte sind wir nicht bewogen etwa durch bejchränkte Rücksicht für unsere persönlichen und unmittelbaren Interessen; diese, wie ihr wohl wisset, sind gesichert durch die geltenden Gesetze dieses Landes, bekannt durch seine äußerste Gleichgültigkeit gegen allen Kirchenbann. Wir sind angetrieben durch die Sehnsucht, die Ehre des Stammes aufrecht zu halten, dem wir angehören, ipid durch den Wunsch, Frieden und Innigkeit zu bewahren oder wiedcrherzustellen zwischen unsrer Gemeinde und dem allgemeinen Körper, mit welchem, auf Unkosten jedes weltlichen, wir leben wollten unter Bedingungen vollkommener Eintracht. Keineswegs flehen wir eure Vermittlung für uns an als eine Handlung der Barmherzigkeit oder Nachsicht; wir beanspruchen sie als eine Maßregel der Gerechtigkeit, die ihr euch selbst nicht minder schuldig seid, als uns. Wir erinnern euch an die Gefahr, mit welcher das gegebene Beispiel der Verfolgung gegen die West-London-Synagoge bedroht unsere allgemeinen Freiheiten als Engländer; wir erinnern an den Unwillen, den wir Alle laut bekundeten, so oft unseren Glaubensgenossen im Auslände von einem Despoten ein Test aufgebürdet wurde, der gegen die Glaubensfreiheit stieß. Ja mehr, wir fragen euch, könnt ihr nach wie vor so dreist an eure Mitbürger Ansprüche machen auf Befreiung von gewaltthätigen Versuchen gegen euer Gewissen, während ihr selbst Bestrebungen ähnlichen Charakters unterstützt oder ruhig gestattet, die sich gegen eine Minderzahl eurer eigenen Glaubensgenossen richten, gegen eure Brüder in Ansehung des Vaterlandes, der Abstammung und des Glaubens? Erinnert euch an die vielfachen Lehren, die uns die Geschichte von parteisüchtigen Streitigkeiten im Gebiete der Religion darbietet; ruft euch in's Gedächtniß die unzähligen Beispiele, wo die Bemühungen der Unduldsamkeit mit strenger Vergeltung zurückfielen auf die menschenfeindlichen Urheber selbst. An euch daher, GlaubenSbrüder und Landsleute, richten wir unfern ernsten Anruf. Bei jedem Bande, wodurch ein Israelit dem Israeliten theuer sein kann, fordern wir euch auf, gegen diese Verletzung der Gewiffensrechte nachdrücklich zu protefliren, und zu zeigen, daß ihr keine Theilnehmer seid an dem Werke der Verfolgung. Unsre Rechtssache ist nun vor euch; wir lassen sie in euren Händen, in Zuversicht auf das Mitgefühl, das ihr für uns zeigen werdet, und auf die feurige Liebe für religiöse Freiheit, welche, da ihr Engländer seid, euren Herzen inwohnen muß. Erster Anhang. Kriefwechsel. No. 1. Herr Goldsmid an rev. vr. Adler. 27. Dezember 1845. Hochwürdigster Herr, Erlauben Sie, daß ich Ihnen die Abschrift eines mir erstatteten Berichtes übersende, betreffend gewisse Umstände, «welche der so eben stattgefundenen Vermählung des Moritz Hyman mit Johanna Engel vorangegangen sein sollen. Die angegeben Thatsachen scheinen mir so sonderbar, daß,