Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1846)
- Date
- 1846-03-23
- Page
- Seite 191 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Man meine übrigens nicht, daß diese Erklärungen den Rabbinern durch das Verlangen eingegeben worden seien, den Israeliten der Beachtung von Formalitäten zu entziehen, welche für sein Gewissen drückend wären. Diese Erklärungen sind der Geschichte gemäß. In der That erscheint im zehnten Jahrhundert das erste Beispiel eines den Juden von den christlichen Richtern auferlegtcn Eides. Man forderte, daß der Jude, die Hüften mit Dornen umgeben, in's Wasser gehe und folgende Formel aussprechc. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz« Ansprache der Gemeinde der West-London- Synagoge (Bnrton-Street) britischer Zndcn an ihre Bruder in Israel durch daö vereinigte Königreich. (Fortsetzung und Schluß.) Nicht »unter schwierig ist cs eiuzuschen, wie dies Verfahren mit dem Umstand zusammenstimmt, daß in den letztverslossenen Monaten von den geistlichen Häuptern der portugiesischen Synagoge ein Ehcbündniß vollzogen wurde zwischen einem Mitgliede jener Synagoge und einer Dame der West-London Gemeinde. Behauptet Dr. Adler, daß dadurch die Gläubigen ungläubig geworden sind? Erklärt er das Verfahren seiner Amtsgenoffen für nicht rechtgläubig? Erklärt er, daß sie Unrecht hatten, die eben erwähnte Vermählung zu gestatten? Thut er das, was wird aus dem Werthe geistlicher Autorität, worauf so viel Gewicht von denen gelegt wird, die unsere Schritte verdammen, wenn wir sehen, wie die leitenden Häupter unter sich in einem so wichtigen Punkte so entgegengesetzte Ansichten verfolgen? Offenbar ist es gewiß dringend nöthig, Urkunden zu widerrufen, in deren Ausdeutung der eine Theil ihrer Verfasser nicht übereinstimmen kann mit dem Nachfolger eines andern; Urkunden, die, wie auch immer ausgelegt, durchdie Unrichtigkeit ihrer Behauptungen und die Bitterkeit ihres Geistes jene Synagogen herabwürdigen, von denen sie als Bestandtheil ihrer Gesetze behandelt werden; Urkunden endlich, die jede Spur der Eintracht unter den Bekennern derselben Religion ausbannen. Weder ihr, Brüder, noch der Oberrabbiner kann vergessen haben, wie die Regulirungen behufs seiner Wahl die verkehrende Bemerkung enthielten, daß ihm nicht die Macht zustehen sollte, irgend eine neue Exkommunikation ergehen zu lassen — eine Vorkehrung, welche deutlich angab, daß die ihn wählenden Gemeinden jenen Gebrauch wol nicht billigten, den man von der Rabbinatswürde gemacht hatte. Allein, da man fand, daß die veröffentlichten Urkunden, die wir so eben erörtern, nicht so viel Unheil angestiftet, wie man etwa erwartet hatte: bestand man nicht besonders auf ihre Widerrufung. Jetzt aber ist die Verhinderung neuer Bannstrahlen nicht mehr genügend, wenn ihr sehet, daß den bereits vorhandenen euer Oberrabbiner eine durchdringend wirksame bindende Kraft giebt in einer Weise, die nicht anders zu rechtfertigen ist, als durch den Einwand, daß wir keine Juden sind. Brüder, wir fragen euch, ob ihr diese Ansicht theilt? Seid ihr zu erklären bereit, daß wir, die wir den mosaischen Gesetzen treu ergeben sind; die wir mit gewissenhafter Strenge beobachten das Bündniß Abrahams, die Verordnungen des Sabbats, und die der Festtage, wie sie die heilige Schrift gebietet; die wir uns eifrig den Vorschriften unsres heiligen Glaubens ergeben und darnach unser Leben einzurichten bemüht sind — seid ihr also bereit, wegen geringerer Unterschiede uns außer dem Kreise des Judenthums zu erklären? Seid ihr bereit, die „Warnung" und „Erklärung" zu behaupten? die Folgerungen anzncrkenncn, die Dr. Adler von ihnen herleitet? und somit cs zu verweigern, unsere Sohne für eure Töchter zu nehmen, und eure Töchter unseren Söhnen zu geben? Dahin, Brüder, muß es kommen, oder alle derartigen Ehebüudniffe müßten in unserer Gemeinde vollzogen werden, wenn man im Verfahren des Oberrabbiners verharret; denn seid versichert, daß in diesem Zeitalter, wo das Parlament einen Test nach dem andern abgeschafft hat, kein Engländer von höherer Gesinnung es jemals dem Sohne oder der Tochter gestatten wird, und kein Jüngling oder Mädchen Englands von Gefühl der Selbstachtung wird je cinwitligeu, sich einem neuen von Dr. Adler eingesetzten Teste zu unterwerfen, und noch dazu einem Teste, der nur aus der Behauptung hcrvorging, daß wir nicht den Namen Israeliten verdienen. Wir bitten euch, Brüder, urtheilt, ob solch eine Behauptung richtig ist. Höret den Gottesdienst in unsrem Bcthause, unsere Kanzelbelchrungen, und urtheilt selbst, ob Israels oder ein fremder Glaube die Seelen derer belebt, die sich in den heiligen Mauern unsrer Synagoge versammeln! Urtheilt selbst, alle die ihr das Judenthum