Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-23 · Heft 13 (23.3.1846) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 13 (23.3.1846)
Date
1846-03-23
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225457--07618-3238386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

187 Mitglieder einen Sitz erwerben können — jedoch zu höheren Preisen — und jedes Mitglied, welches die Miethe ganz oder zum Theil erlassen haben will, sich nur zu melden braucht. Aus dem Posenfchen, 4. März. (Privatmitth.) Auch auf die jüdischen Zustände im Großherzogthum Posen beginnt die Journalistik ihr Auge zu werfen, und Niemand kann dies mehr billigen, als wir. Aber auch hier geschieht es, daß das Mißwollen, welches vor Lüge ünd Ungerechtigkeit nicht zurückschreckt, zuerst den Mund aufthut, und anstatt Anerkennung und Aufmunterung Spott, Aufstachelung und Schimpf ausstreut. Oft, bei Lesung solcher Schmähartikel, fragen wir uns, ob wir uns wirklich auf religiösem Boden befinden, wo selbst Vorwurf und Tadel in das Gewand.der Liebe und Schonung gekleidet werden sollte, oder ob es sich etwa um politische Parteiungen, um ein Ministerportefeuille, um Verfassung oder dgl. handle? Will man die Wahl eines Rabbinen befördern, so geht das Schimpfen aus Alle, die diesem ihre Stimme nicht geben wollen, los; oder auch auf den Kandidaten, der der begünstigtest« erscheint. Hat man Lust, die Stabilen zu kränken, so ergießt sich die Galle über diese; scheint die Reform „zuweit" zu gehen, so macht man sich über die Reformer Luft. Kurz, was man ergreift oder angreift, auf Wuth, Verdächtigung, Haß stößt man immer. Was ist der Zweck, was das Ziel dessen? Wir können nur wünschen, daß die Allg. Zeitung des Jud. sich ferner bemüht, von allem diesem sich möglichst rein zu halten, weise Mäßigung zu bewahren, und sich so als das allgemeine Organ zu erhalten, als welches sie sich von Anfang an kund gethan, und das in den jetzigen Wirren so Noth thut. Man kann, unparteiisch betrachtet, den Fortschritt unter den Israeliten des Großherzogthums als einen wahrhaften Aufschwung betrachten, und nur Neid und persönliche Erregiheit können dies in Abrede stellen. Allerdings stellt es sich in bedeutenden Daten äußerlich noch nicht dar; allerdings sind es erst die Synagogen zu Wöllstein und Schwerin an der Warthe, welche eine angemessne Ordnung in den Kultus gebracht. Allein man weiß, daß die allgemeine Bildung erst die ganze Masse bedeutend durchdrungen haben muß, bevor eine Reform des Gottesdienstes möglich ist. Eine jede Gemeinde muß erst lange vorher das Bedürfniß herausgearbeitet haben, ehe es ihr gelingen wird, den Kultus zu modisiziren. Wir sehen es ja auch in den deutschen Gauen. Wie viel kommt es auf Oertlichkeiten an, auf den Vorstand, auf die Mittel, auf die Opposition, die nicht immer in den Reihen der Orthodoxie zu suchen ist! Man sehe dagegen auf das Schulwesen im Großherzogthum; überall blühen Schulen auf, oder, wo tüchtige Gymnasien sind, werden diese von der jüdischen Jugend besucht. In dem (geschmäheten) Lissa besteht ein Drittel der Gymnasialschülcr aus israelitischen Kindern. (Beiläufig bemerkt, ist es eine Lüge, daß in Lissa in der jüdischen Ressource trefa gegessen wird.) Es existirt kaum eine Gemeinde, wo nicht bereits viele gebildete, unterrichtete Personen leben, in mehren Gemeinden bilden diese fast die Mehrzahl. Doch wir wollen dies ausführlicher besprechen, bemerken aber im Voraus, daß, wie wir nicht schmeicheln werden, so auch nicht schmähen und schimpfen. Berlin, 9. März. (Privatmitth.) Die Repräsentanten der Gemeinde haben beschlossen, eine neue Synagoge zu erbauen, und zwar ganz auf neue Art. Die Fortschritte des Gotttesdienstes der Genossenschaft, welcher den 2. April eingeweiht werden wird, eröffnen doch den Stabilen die Augen, und man fühlt sich daher dennoch gezwungen, wesentliche Schritte zu thun, denen die Masse sich leicht anschließen wird. In die neue Synagoge soll ein reformirter Gottesdienst, jedoch nur nach der Art in Kopenhagen, Prag, Wien einziehen. Deutschland. Frankfurt am Main, 10. März. Die gestern Abend im „Hofe von Holland" gehaltene, wieder sehr zahlreich besuchte Versammlung der M ontagsgese lischest, welche sich mehr und mehr zu einem vereinigenden Mittelpunkte unserer Anhänger kirchlicher Reformbestrebungen heranbildete, war eine sehr bewegte. Ein Vortrag eines israelitischen Mitglieds über die gegenwärtige Stellung des Judenthums gab wegen verschiedener Ausfälle und Anspielungen, welche frühere Bedrückungen des Judenthums und angebliche widerrechtliche Zurücksetzung seiner Bekenner zum Gegenstände hatten, zu einer stürmischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.