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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-23 · Heft 13 (23.3.1846) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 13 (23.3.1846)
Date
1846-03-23
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 der gemeinschaftlich mit dem ersten abwechselnd in der alten und neuen Synagoge predigen soll, wodurch jede Spur einer Trennung verwischt und nur die Absicht einer zeitweiligen Sonderung der Interessen kund gegeben werden soll. Gleichzeitig reichte auch Herr Dr. Sachs eine Vorstellung beim Vorstande ein, welche ungefähr gleichen Inhalts dasBedürfniß nach einer zweiten Synagoge nicht minder eindringlich darstellt. Das Gemeindekollegium nahm diese Anträge beifällig auf und berief auch sogleich zwölf Männer, in denen die verschiedensten Standpunkte des jüdischreligiösen Bewußtseins ihre Vertreter fanden. Sonntag den 8. d. M. fand die erste Sitzung statt. Nachdem ihnen die beiden erwähnten Dokumente vorgelcsen worden waren, entspann sich sofort eine lebhafte Debatte. Herr Dr. Sachs bediente sich nämlich in seiner Motion des Ausdrucks, daß bei dem neueinzurichtendcn Gottesdienste „das deutsche Element größere Berücksichtigung als bisher finden solle". Hiegegen bemerkte ein Mitglied der Rcformgenoffenschast, daß ein solches Versprechen durchaus unzulänglich sei, um die Theilnahme der Rcformsreunde zu gewinnen, da ja bekanntlich das deutsche Element in der hiesigen Synagoge noch gar keine Berücksichtigung gefunden habe. Er sei zwar nicht offiziell als Abgeordneter der Reformgenossenschaft gegenwärtig, doch glaube er in ihrem Namen versichern zu können, daß, bevor nicht wenigstens die Ueberwiegenheit des deutschen Elements zugestanden wird, an eine Beiheiligung derselben an dem in Rede stehenden Unternehmen gar nicht zu denken sei. Diese Ansicht, daß das deutsche Element vorwiegend sein soll, schien auch nach längerer Besprechung den Sieg davon tragen zu wollen. Allein die Anhänger des Dr. Sachs ließen es nicht so weit kommen, indem Einer das Amendement stellte: „man solle das Einsammeln der Gelder vorläufig lassen, und sofort in einem Betsaalc einen reformirten Gottesdienst in's Leben rufen. Dies veronlaßte eine noch stürmischere Diskussion über die zu Grunde zu legenden Prinzipien. Die Anhänger des Dr. Sachs sprachen natürlich von ihrem Standpunkte mit aller Kraft für diesen Antrag, dessen wohlbercchnete Absicht Jeder, der mit den dermaligen hiesigen Verhältnissen bekannt ist, leicht durchschauen wird, während die überwiegende Majoniäi eben so feurig dagegen sprach. Endlich gab die glänzende Rede des Herrn Simion vollends den Ausschlag. Er erklärte, daß er das Amendement als Mitglied der Rcformgenossenschaft in seinem eignen Interesse unterstützen könnte, als Gemeindevorsteher müsse er aber einem solchen über Hals und Kopf einzurichtenden Gottesdienste, von dem gar kein Erfolg abzusehen ist, seine Zustimmung versagen. Im weitern Verlauf der Rede charakterisirte er nun die verschiedenen gegenwärtig bestehenden reformirten Gottesdienste in der hiesigen Gemeindeschule, in den Tempeln zu Prag, Wien, Hamburg, in denen allen der wesentliche Inhalt der alten Gebete und Dogmen beibehalten ist, nur in einem modisch zugestutzten Gewände. Die Reformgenoffenschaft sei aber auf den Inhalt der Gebete selber eingegangen und habe prinzipiell die zur Lüge gewordenen Gebete um Wiederherstellung des alten Opferkultus, um Rückkehr nach dem gelobten Lande, um Wiedereinsetzung der Davidschen Dynastie aus ihrem Gottesdienste ausgeschieden. Wolle man nun einen neuen Gottesdienst beschließen und das Prinzip desselben feststellen, so brauche die Versammlung ja nur einen von den genannten Gottesdiensten zu wählen, oder vielmehr sie brauche nur darüber abzustimmen, ob sie sich wirklich nach dem alten Opferkultus sehne, ob sie wirklich Gott um die Rückkehr nach Palästina u. s. w. anflehen wolle, oder nicht. Er stellte darauf jene Fragen an die Versammlung und mit Ausnahme zweier Abgeordneten, von denen Einer durchaus nur im persönlichen Interesse des Dr. Sachs gestimmt hat, erklärten sich alle wider die Gebete für die Rückkehr nach Palästina u. s. w., und somit war das Schicksal des Amendements entschieden. Nachdem nun die Anwesenden noch eine Zeit lang hin und her gesprochen hatten, gingen sie, wegen Mangel an Uebereinstimmung der Prinzipien, unverrichteter Sache auseinander. Wie ich höre, will nun zwar die Sachs'sche Partei diesen wol in löblicher Absicht, doch zum Theil aber nur als Slurmg^schoß gegen die Reformgenossenschaft ersonnenen Plan nicht aufgeben. Allein so viel ist gewiß, daß derselbe weder auf die Unterstützung der Reformer, noch auf die der strengen Orthodoxen irgendwie zu rechnen hat. Berlin, 16. März. (Privatmitth.) Die Reformgenossenschast hat ein Reglement über die Sitze in ihrem Bethause veröffentlicht, wonach auch Nicht-

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