Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-23 · Heft 13 (23.3.1846) · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 13 (23.3.1846)
Date
1846-03-23
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225457--07616-3238384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 wissen wollen, oder ob sie sich darum kümmern, wenn sie es wissen. So viel ich indeß nachgedacht habe, wieso dieser Uebelstand gekommen, den jungen Leuten kann man keine Schuld beimessen, denn diese haben stets gern das Ihrige gethan, wenn sie sich ihr Brot redlich verdienen konnten. Doch was sollen oder können sie thun, wenn man ihnen die Mittel aus den Händen spielt? Eine einzige Hülfsquelle hatten sie bis jetzt darin, daß sie Stunden ertheilten, doch seitdem unter des Herrn I)r. Sachs Protektorat eine jüdische Schule sich bildete, seitdem ist ihnen auch der letzte Hoffnungsfaden abgeschnitten. Zn jüdischen Wissenschaften bedarf der Knabe keines Unterrichts mehr, und in anderen Wissenschaften herrscht auch hier noch immer das Vorurtheil, könne man keinen Unterricht ertheilen." So weit der Briefsteller. Wir übergehen die Angriffe auf Individualitäten, welche er im Verlause mit der Frage in der Hand, warum gar nichts für diese Jünglinge geschieht? warum sie ohne Rath und Thal dem Elend und der Rathlosigkeit überlassen werden? — macht. Diese Fragen an sich aber bleiben in ihrem ganzen Rechte bestehen, und werden nach Jahren einst in ihrer ganzen Schwere zurückkehren, und Rechenschaft fordern, wenn sie nicht beantwortet werden. Es ist wahrlich nicht unsre Absicht, zu erbittern: sondern ernstlich alle Theilnehmenden um Berücksichtigung zu bitten. Am Ende ist, zu helfen, Jeder berufen, und kommt es nicht erst auf den Beruf an. Ein Jeder trägt ihn in seinem Herzen. Aber nur dies Eine wollen wir bemerken. Leicht giebt es keine Gemeinde, in welcher das Armenwesen so tüchtig geordnet ist, wie die berliner. Das, aus 30 Männern bestehende Kollegium, an deren Spitze ein höchst einsichtsvoller, thatkräftigcr Mann, wirkt trefflich. Nun, gehören mittellose Jünglinge, die vom Wissensdrang verzehrt werden, während sie selbst nichts zu verzehren haben, weniger zu den Armen, zu den Hülfsbedürftigen, zu den Hülsswürdigen? In dieHand dieserMänner überantworten wir diese Angelegenheit. — Freitisch, ein Zuschuß zu Miethe und Heizung, und Gelegenheit, durch Unterricht, Korrekturen u. dgl. Etwas zu erwerben — und es wäre geholfen! Berlin, 16. März. (Privatmitth.) Der gewaltige Gährungsstoff, den die hiesige Reformgenossenschast in den Schooß der alten Gemeinde geworfen, fängt bereits an, wenn auch noch keine Früchte so . doch Blüthen zu treiben. Als Beleg hiezu diene folgende, höchst gewichtige Thatsache. Vor Kurzem reichte ein sehr angesehnes Gemeindemitglied der gemäßigt-orthodoxen Partei beim Vorsteherkollegium ein Memoire ein, in welchem aufErbauung einer neuen Synagoge angetragen wird. Die Unzulänglichkeit der bestehenden gottesdienstlichen Einrichtungen und Formen sei ein unwiderlegbares geschichtliches Faktum. Dies beweise nicht nur der allgemein verbreitete Wunsch nach Umgestaltung derselben, nicht nur die Entstehung der Reformgenossenschaft, sondern auch besonders das gleichgültige Verhalten gegen dieselben von Seiten der jüngern Generation, die nach ihrem ganzen Bildungszustande keine wahrhafte Befriedigung in denselben finden könne. Dies einsehend habe daher Herr Or. Sachs mit Recht schon früher eine Modifikation des bisherigen Kultus in Vorschlag gebracht. Allein diese Vorschläge seien nicht ausreichend; vielmehr bedürfe es einer gründlichern und umfassendem Reform, wenn jener Zweck anders wirklich erreicht werden soll. Da nun aber eine solche in das Bestehende tiefer eingreifende Regeneration des jüdischen Kultuswesens das religiöse Gewissen der streng-orthodoxen Partei zu sehr verletzen und beunruhigen würde, einer Partei, deren Anspruch auf Fortbestand des Herkömmlichen wie deren Anrecht auf die alte Synagoge wir selbst historisch als vollkommen begründet anerkennen müssen, so sehe er sich veranlaßt zu diesem Behuf die Errichtung einer zweiten Synagoge in Antrag zu bringen. Dieser Plan soll nun in folgender Weise am Besten auszuführen sein. Die Baukosten werden etwa auf 80,000 Thlr. veranschlagt; diese Summe wird von außerordentlichen Beiträgen der Gemeindemitglieder beschafft, welche Empfangscheine erhalten, die später entweder mit dem Ertrag der zu verkaufenden Synagogenplätze einzulösen oder in zinsbare Aktienscheine umzuschreiben sind. Zur Zusammenbringung dieser Summe wählt der Vorstand sofort zwölf wo möglich alle Richtungen vertretende Männer, die sich nach vorheriger Berathung diesem Geschäft zu unterziehen haben. Darauf wird sogleich zur Ausführung des Baues geschritten und ein zweiter Prediger berufen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.