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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-23 · Heft 13 (23.3.1846) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 13 (23.3.1846)
Date
1846-03-23
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 nun schon zu Ostern in's Leben treten und hat bereits bis 500 Thlr. jährliche Beiträge. Ob es nun gesondert bleiben oder mit den Universitätsstiftungen verbunden werden wird, steht noch dahin. Letzteres wäre sehr zu wünschen. Magdeburg, 16. März. Indem wir die obige Nachricht aus Breslau mittheilen, und die wahrhafte Befriedigung ausdrücken, welche diese schöne Bestrebung des Herrn Dr. Geiger einflößt, müssen wir Veranlassung nehmen, in ähnlicher Angelegenheit von betrübenden Verhältnissen zu sprechen. Es kamen uns vor einiger Zeit Berichte zu, welche die schreckliche Lage der unbemittelten Studirenden unsres Glaubens zu Berlin mit düsteren Farben schilderten. Dieselben waren pseudonym unterfertigt, und konnten wir ihnen daher grundsätzlich keine Folge geben, so tiefes Mitgefühl sie auch erregen mußten, und so sehr die Wahrheit des Bildes uns aus Erfahrung einleuchtete. Wir nehmen daher hier Veranlassung, darauf zu kommen. Wir theilen hier eine Stelle aus jenem Briefe mit. Wenn der Schreiber etwas jugendlich ausmalt, so ist doch darum das Gemälde nicht minder wahr. Es heißt: „Wenn je Noth und Drangsal zum Gefühle der Mitmenschen sprachen, wenn je das Elend ein Mitleid der Edlen beanspruchte, so ist es jetzt unter den hier Studirenden. Wir leben einmal in der Zeit, wo man durchaus nicht mehr mit jüdischer Wissenschaft allein genügen kann, und kein Wunder, wenn junge Leute eben darum nach den Sitzen der Wissenschaft auswandern. Aber welch' schreckliches Loos harret ihrer, namentlich hier? Mit einem Worte gesagt: kaum daß sie ihr Leben fristen können. Da sollte man nur mit eigenen Augen sehen. Wahrlich, bittere Thränen müßte man weinen, daß so junge, kaum dem Mutterschooße entwachsene, blühende Pflanzen schon so früh ihre Säfte und Kräfte daran setzen. Wie Mancher, der bisher in der Heimath am elterlichen Tische mit innigem Dankgebete an Gott die spärlich dargereichte Gabe verzehrte, entbehrt nun auch dieser, denn die Meisten sind, wie immer, arm und können nicht auf Unterstützung vom elterlichen Hause rechnen. Und wenn der Jüngling nun auszieht von der Heimath und eintritt in die weite Ferne, verabschiedet mit dem warmen Segen des Vaters und mit den innigsten Wünschen der Mutter, die ihren letzten Schmuck verkaufte, um dem wandernden Sohne ein Reisegeld zu geben, wenn nun ein solcher Jüngling mit gutem Willen und redlichem Eifer in die große, weite Stadt einzieht, verlassen von den Seinigen, und er nun so getäuscht sich sieht, was soll er beginnen? Soll er an Menschenfreunde sich wenden? Es steht ihm ja Niemand zur Seite, und die, denen es am Herzen liegen sollte, kümmern sich ja nicht darum. So verlebt er denn nun die erste Zeit aus eigenen Mitteln und aus den geringen Stipendien, die er mit der größten Mühe sich erworben. Bald aber versiegen die Quellen seiner Subsistenz; aus neue Unterstützung kann er keine Ansprüche mehr machen, denn er hat sie ja bereits mehrere Monate genossen. Nun stürmt ein Winter mit allen seinen Widerwärtigkeiten herein, und der junge Mann ist von neuen Plagen heimgesucht. Drinnen in der Kammer sitzt er über seiner Ilias, ein Anderer über dem Cäsar, mit eingefallenen und bleichen Wangen, denn er hungert, indem er die wenigen Einkünfte für den Unterricht verwendet, — kein Ofen steht in der Kammer, die Wände glänzen vom durchgeschlagenen Schnee, die Fenster, an denen fauststarke Eiszapfen hangen, sind fingerdick gefroren und mit Schnee bedeckt. Und er, er zittert an Händen und Füßen, klappert mit den Zähnen, führt mit erstarrter Hand die Feder über das Papier, eine Präparation anzusertigen, und möchte sich gern an einem warmen Trank laben. Nun eilt er zu seinen Bekannten, um dort Hülfe zu erlangen, doch denen geht's nicht besser. Und nun gar Einer sich für ein Gymnasium vorbereitet hat, ja, so muß er zurückstehen, weil er kein Schulgeld zahlen kann. Folgen wir indeß diesem Trauerspiel noch weiter. Wenn der junge Mann nun so schon verschiedene Kursen der Entbehrungen durchgemacht hat, was beginnt er aber dann, wenn ein Gläubiger naht, ein Gläubiger einer zwar nur kleinen Schuld, die er aber machen mußte, um sein Leben mit trocknem Brote wenigstens zu fristen? Was beginnt er da? Er schafft sich selbst Hülse in dieser Noth, denn er verkauft, was er am Leibe hat. Da wird keine Rücksicht mehr genommen, ob der Winter streng ist, ob man nicht dieser Kleidungsstücke im höchsten Grade bedarf. Und nun frage man die hiesigen Geldmänner, was sie zur Abhülfe solcher Noth thun oder schon gethan haben. Man frage sie, ob sie es gar wissen, ob sie es gar

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