Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1846)
- Date
- 1846-03-16
- Page
- Seite 177 (sequence 13)
- Language
- German
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177 augenscheinlich war, daß daS Amt LeS vr. Hirfchel bald auf feinen Nachfolger übergehen werde, wurde uns von vielen Gliedern anderer Synagogen gerathen, das erlittene Unrecht einstweilen geduldig zu ertragen, indem der nächste Oberrabbiner ohne Zweifel uns volle Gerechtigkeit würde widerfahren lassen, und den Bannfluch von unsrer Gemeinde wegbannen. Wir folgten diesem Rathe, Brüder, besonders da der Cherew, ob er schon hier und da Familienbande sprengte, und (besonders von der portugiesischen Gemeinde) als Grund angeführt wurde für den Eingriff in eingewurzelte Rechte von heiligstem Charakter — jedoch in vielen anderen Fällen fast als Unding behandelt wurde, und daher bewies er sich auch in seiner Wirksamkeit nicht so verletzend, als man vermuthet haben mochte. Der Präsident zwar der Vertreter der jüdischen Gemeinden, Ln einer seines hohen Charakters und seiner Stellung unwürdigen Weise, hat diesen Bann als Grund wirken lassen, um eine Gemeinde seiner britischen Glaubensgenossen auszuschließen von den Rechten der Registration für Ehebündnisse. Indem uns aber das allgemeine Registrationsbüreau offen stand, mit der Wahl, unsere Ehebündnisse demnächst nach jüdischem Ritus zu feiern Ln der Synagoge oder Ln unsrer eignen Behausung, so waren mir demnach unabhängig gemacht vom Präsidenten der Vertreter der jüdischen Gemeinden. Wir begnügten uns lieber, diesen Weg einzuschlagen, als Ln einem Gerichtshöfe oder Lurch Appellation aus Parlament dem Publikum zu eröffnen, daß ein Mann, der von allen Menschenfreunden verdiente Hochachtung geerntet, indem er sein Vaterland verließ Ln einer rühmlichen Mission nach dem Osten, zu Gunsten der bedrängten Israeliten zu Damaskus — daß dieser Mann dennoch seinen Einfluß geliehen, um seine jüdischen Brüder in seiner Heimath zu verfolgen. Ueberdies war der Cherem, Ln Betreff vieler verschiedener Punkte, die man Ln seinen Wirkungskreis wirklich bringen konnte, fast unschädlich. Ehebündnisse wurden vollzogen zwischen Anhängern der West-Loadon-Synagoge und Mitgliedern anderer Gemeinden, so lange Dr. Hirfchel das Oberrabbinat bekleidete, und so lange es nach seinem Tode die Dazanim verwalteten. So auch wurde erst im letzten halben Jahre von den Autoritäten der portugiesischen Gemeinde eine Vermählung eingesegnet, wo der Bräutigam zu ihrer Synagoge gehörte, und die Braut zur Burton-Street-GemeLnde. Auch sollten wir nicht die freudige Erinnerung unterlassen an viele Handlungen der Brüderschaft, des Wohlwollens und religiöser Gemeinschaft, welche stattgefunben zwischen uns und den Mitgliedern anderer Synagogen. Schwand solcher Gestalt parteisüchtige Zwietracht ohnehin schon, räumte schon damals früherer Groll den Platz ein für Nächstenliebe und brüderliche Einigkeit, so wurde vr. Adler ven denen, die seine Wahl beförderten, als der Mann ausgegeben, der jedes noch übrige Mal der Zwietracht würde auswischea, und Frieden und Eintracht in Israel wiederherstellcn. Aber ach! Brüder, wie steht es mit unseren gehegten Hoffnungen! Euer neues geistliches Oberhaupt hat endlich seine Ansichten offenbart, und sie sind der Art, daß sie aufrichtiges Bedauern verursachen müssen jedem denkenden, aufgeklärten Israeliten Britanniens. Nicht nur hat er die Absicht bekundet, nicht auf dem Pfade der Duldung zu wandeln, sondern er ist noch weiter gegangen als vr. Hirsche! selbst, und ist unglücklicher Weise verleitet worden, dem Banne eine Kraft beizumeffen, die selbst dessen Urheber nie hineinzulegen suchten. Vor einigen Wochen wurde ein Gesuch an vr. Adler gerichtet I um die Erlaubniß, daß eine Vermahlung stattfinden dürfe zwischen einem Mitgliede der Westminster-Gemeinde und einem Mädchen, welches unsre Synagoge besucht hatte, in der ihr Vater eine Anstellung hat. Obgleich es heißt, vr. Adler habe Anfangs eingewilligt, ließ er doch nachher das betreffende Brautpaar vor sich laden; und nachdem er es dem Bräutigam verwiesen hatte, daß er sich mit einer Person verbinde, die unsre Synagoge besuchte, forderte er von der Braut, eine Schrift zu unterzeichnen, wodurch sie es auf sich nehmen sollte, nie wieder die Burtoir-Street-Synagoge zu besuchen, und fortan nach orthodoxen Gesetzen oder Gebräuchen zu leben. Das Mädchen schlug vor, daß vr. Adler zuvor mit ihrem Vater darüber sprechen möchte, allein der Oberrabbiner bestand auf ihre unmittelbare Einwilligung; und nachdem er die Abfassung der Urkunde veranlaßt hatte (wovon ihr jedoch keine Abschrift umgetheilt wurde), drang er auf ihre Unterschrift als den Preis seiner Einwilligung zu ihrer Vermählung. Wir geben hier bloß diesen einfachen Bericht, indem wir in Betreff der ferneren Einzelnheiten um eure Aufmerksamkeit bitten für den angehängten Briefwechsel. Es erfüllt uns mit wahrhaftem Bedauern, Brüder, daß wir genöthigt sind, dieses Mittel zu ergreifen, um unsre Angelegenheit euch vorzustellen, und aus diese Weise in Gefahr kommen, die Zwiespaltungen unter Israeliten der öffentlichen Schau auszusetzen. Allein, das Verfahren, das der Oberrabbiner gegen uns für passend gefunden,