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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-16 · Heft 12 (16.3.1846) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 12 (16.3.1846)
Date
1846-03-16
Page
Seite 174 (sequence 10)
Language
German
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174 Personal- und Lokalnachrichterr. Strelitz, 9. März. (Privatmitth.) Der Landrabbiner Scheyer legt seine Stelle hierselbst nieder, und wird sich als Privatmann nach Breslau zurückziehen. Korrespondenz. London, 3. März 1846. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes geben wir hier eine vollständige Uebersetzung der Ansprache der Gemeinde der West-London- Synagoge (Bnrton-Street) britischer Juden an ihre Brüder in Israel durch das vereinigte Königreich. „Vier Jahre sind nun verflossen seit der Einweihung der West-London-Synagoge britischer Juden, und während dieses ganzen Zeitraums erfuhren wir und unsere sämmtlichen Familienglieder, durch Gottes Genehmigung, die segenreichen Wirkungen heiliger, gemeinschaftlicher Andacht im Gebete, in Uebereinstimmung mit den Eingebungen des Gewissens. Von Anfang an, Brüder, ist euch unser ernstes Streben bekannt, die in der Synagoge übliche Art des Gottesdienstes zu befähigen, die wärmsten Gefühle der Andacht zu wecken, und die religiösen Bedürfnisse der Gemeinde zu befriedigen, und zugleich denselben in vollkommnem Einklang zu erhalten mit den Grundsätzen unsres gemeinsamen Glaubens. Und freudig können wir behaupten, daß seit der ersten Eröffnung unsrer Synagoge für den öffentlichen Gottesdienst bis auf diese Stunde keine Abänderung stattfand in dem Systeme, mit welchem wir begannen, wie auch durchaus kein Vorfall unsre gespannte Erwartung täuschte, daß es vollkommen den Zwecken entsprechen werde, die wir iw Auge hatten. Die Gründung unsrer Gemeinde war nicht das Erzeugniß eines neuerungssüchtigen Geistes gegen das uralte Gesetz Israels, auch nicht das eines sinnlichen Wunsches, uns zu befreien von den göttlichen Geboten und Gebräuchen, auf welche ein Israelit angewiesen ist. Unser Schritt war vielmehr die Wirkung unsrer Anhänglichkeit an den mosaischen Verfassungen, für welche eine innige Achtung unverträglich ist mit einer Nichtachtung gegen den öffentlichen Gottesdienst in der Synagoge. Ein solches Gefühl der Nichtachtung aber bemächtigte sich offenbar in erschütterndem Maße der Vorurtheilsfreien in der Gemeinde, hauptsächlich in Folge der zahlreichen Mängel in der veralteten Form des öffentlichen Gottesdienstes, so wie durch den schädlichen Einfluß, den auf das angeordnete Ritual jener trübselige Gtückswechsel ausübte, welchen unsere Väter in den Jahrhunderten allgemeiner Geistesfinsterniß vielfach erfuhren. Es war unsre Ueberzeugung, daß die stets zunehmenden Umgriffe von Unglauben und Abtrünnigkeit unter den Juden Britanniens, so weit es uns selbst betrifft, gehemmt werden konnten nur durch Aufnahme eines einfachern, biblischen Gebetbuches, und durch Einführung einer reinern Art äußrer Andacht in der Synagoge. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen wir auf diesem Wege zu kämpfen hatten, hat dennoch der kurze Zeitraum von vier Jahren genügt, um uns einen umfassenden Beweis zu liefern für die Gründlichkeit unsres Unternehmens, und uns in dem Entschluß zu stärken, von dem guten Werke, das wir begonnen, nicht abzulaffen, es vielmehr aus allen Kräften aufrecht zu erhalten, zu verschönern und es zu bewahren unseren Nachkommen ai's ein heiliges Vermachtniß, und, durch Gottes Segen, als ein erfreuliches Denkmal für alle unsere Glaubensgenossen. Indem wir so kerne andre Absicht hatten, als unfern öffentlichen Gottesdienst an Inhalt und Form zu verbessern, enthielten wir uns mit gewissenhafter Strenge jeder Abänderung, welche diesem unsrem heiligen Zwecke fremdartig war. Wir haben keinen Glaubenssatz angenommen, der nicht vom gesummten Israel anerkannt ist, noch haben wir die Befolgung irgend einer Lehre verweigert, bei welcher wir, als Israeliten, gehalten sind, zu stehen oder zu fallen; es war einer unserer eifrigsten Wünsche, das Band brüderlicher Einigkeit ungeschwächt zu erhalten, welches so lange, selbst die Zeiten der schrecklichsten Verwirrungen hindurch, alle Zweige des Hauses Israel zusammengehalten hat, und wofür uns gebührende Bewunderung gezollt wurde von den Wohlgesinnten unter unseren nichtjüdischen Brüdern. Wir dürfen euch Alle als Zeugen anrufen: nicht wir bezeichneten die Errichtung der West-London-Synagoge als ein Bekenntniß abweichender Gtaubensmeinung unter den Juden Englands; nicht wir setzten die Sturmglocke parteisüchtiger Zwietracht in Bewegung; nicht wir haben der Welt eine abtrünnige Sekte zur Schau gestellt.' Abtrünnigkeit, ob im religiösen, sozialen oder politischen Leben, war, ist und wird immer unseren Gefühlen so fern und verhaßt sein, wie die Verstoßung der theuersten Güter unsrer Seele. Die Vergangenheit, deren wir als Israeliten uns rühmen, gehört der Geschichte des gesammten Israels an. Unsre religiöse

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