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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-16 · Heft 12 (16.3.1846) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 12 (16.3.1846)
Date
1846-03-16
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 die Gründung von Schulen sonst gehegte Mißtrauen wegen der Fondirung und Erhaltung derselben findet hierdurch glänzende Wiederlegung. Denn, unsre durch den Bau einer prachtvollen, aber auch kostspieligen Synagoge ohnehin stark in Anspruch genommene Gemeinde befindet sich eben nicht in den besten Umständen, und dennoch konnte diese Anstalt, wie auch aus erwähntem Konkurse zu ersehen, reichlich, fast zu sagen, glänzend dotirt werden, und ist deren Bestehen fest basirt und gesichert. Unsre Schule hat zwar weder Stiftungen, noch Legate oder sonstige fixe Einkommen, sie hat aber dafür einen moralischen, daher auch unverwüstlichen Fonds in dem kräftigen, redlichen Willen der einzelnen Milglieder unsrer Gemeinde, und in der festen Ueberzeugung, welche dieselben von der Dringlichkeit und Nothwendigkeit einer solchen Anstalt gewannen. Dieser moralische Fonds erhielt auch durch die glücklichen Akquisitionen, die wir an den für unsere Schule gewonnenen Lehrern machten, einen bedeutenden Zuwachs. Durch strebsamen Eifer und Tüchtigkeit in ihrem Fache, wie nicht minder durch ein rücksichtsloses, würdevolles Betragen haben diese bereits sich das unbedingte Vertrauen der Gemeinde erworben. Und Vertrauen der Gemeinde zu ihren Lehrern ist und bleibt bei einer auf solchen Fundamenten basirten Anstalt stets die erste, unentbehrlichste Stütze. Die bei der letzten monatlichen Prüfung an den Tag gelegten Leistungen und Erfolge rechtfertigten auch vollkommen das in die Lehrer gesetzte Vertrauen. Es erhalten die Be, treffenden hiermit bloß den Preis der verdienten Anerkennung. Und mögen sie auch diese Worte als aufmunternden Zuruf zu ihrem mühevollen Amte hinnehmen. Von den Verhältnissen und der Stellung der Schule gegen Außen kann ich ebenfalls das Erfreulichste berichten. Unsre christliche Umgebung, wie auch unsere wohlwollenden Behörden, begleiten dieses unser Streben mit der liebevollsten Anerkennung. Das nationale Interesse wird auch durch den Unterricht in der ungarischen Sprache gehörig berücksichtigt; was auch im Verhältnisse zu der in diesem Komitate ihren Hauptsitz habenden Slawomanie um so mehr Beachtung verdient. Unser edle, humane, jeden Fortschritt zu fördern suchende Herr Vizegespan von Madics-iny übernahm in Verbindung mit anderen intelligenten Herren dieses Kreises das Oberinspektorat dieser Schule. Und so können wir getrost diese jetzt schon an zweihundert Schüler zählende Anstalt der Zukunft übergeben, und vermögen schon jetzt den Vorgeschmack jener herrlichen Früchte zu genießen, welche der in ihr ausgestreute Same des Guten zur Reise bringen wird. Doch auch noch ein andrer, in der Kultur- und Entwickelungsgeschichte unsrer Gemeinde nicht minder wichtige Moment ist es, welcher uns einen heitern Blick in die Zukunft eröffnet. Nicht nur für die Heranbildung der werdenden, sondern auch für die Belehrung und Geistesveredlung der gegenwärtigen Generation ist Sorge getroffen worden. Durch Einführung regelmäßiger deutscher Religionsvorträge in unsrer Synagoge ist einem von dem intelligentern Theile der Gemeinde lebhaft gefühlten Bedürfnisse abgeholfen worden. Die durch mehrjähriges Bestehen eines israelitischen Lesevereins bereits geweckten und empfänglich gemachten Gemüther finden durch Anhörung des in seiner Reinheit verkündigten Gotteswortes einen neuen Impuls zur Strebsamkeit und Rührigkeit. Wir waren aber auch hierin so glücklich, in der Person des Herrn B. Lewinstein einen Mann zu finden, der die an ihn gemachten Anforderungen in hohem Grade zu befriedigen, und seine Aufgabe vollkommen zu lösen vermag *). Durch seine bis jetzt abgehaltcnen, auch von christlichen Honoratioren zahlreich besuchten Vorträge hat er in so kurzer Zeit selbst in unsrem sonst laxen Gemeindeleben einen regen, segensvollcn Geist hervorgezaubert, und was noch mehr, sich durch seinen festen, gesinnungsvollen Charakter die Achtung und Liebe aller Parteien erworben. Unsre mit so vieler Aufopferung und hingebender Mühewaltung Einzelner neuerbaute prachtvolle Synagöge steht nun vollendet da, und sieht ihrer Einweihung entgegen. Dieser Moment wird auch der strebsamen Rührigkeit des Herrn L.,, mit der er bereits seit der kurzen Zeit seines Hierseins einen Verein für Bekleidung armer Schulkinder zu Stande brachte, ein neues Feld der Thätigkeit eröffnen, denn viele Fragen in der Regelung des Gottesdienstes sowol wie in der Verwaltung des Gemeindewesens *) Der Herr Redakteur dieser Blätter, durch dessen Vermittelung und Anempfehlung uns diese glückliche Akquisition zu Theil ward, hat sich auch hierdurch der hiesigen Gemeinde zu unendlichem Danke verpflichtet. Korresp.

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