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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-16 · Heft 12 (16.3.1846) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 12 (16.3.1846)
Date
1846-03-16
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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170 haben die Freude gehabt, Sir Moses Montefiore auf seiner Reise nach Petersburg hier zu sehen, und mehre Stunden mit ihm zu konferiren. Möge der Allgülige den edeln Mann zum glücklichsten Ziele führen. Wie viele Herzen begleiten ihn mit den innigsten Segenswünschen! Breslau, 3. März. (Privatmitth.) Die Resormpartei in unsrer Gemeinde manisestirt sich nach zwei verschiedenen Richtungen hin, und geht so in ihren Bestrebungen auseinander. Nach der einen springt man über alles Historisch-Gegebene muthwillig hinweg, und schafft sich eine Gegenwart, die keine Abspiegelung in der Vergangenheit, und keinen sicher auslaufenden Endpunkt in der Zukunft findet. Alle Sympathien, alle Interessen sind nur der Zeit zugewendet, in der man lebt, und diese Richtung trägt um so weniger ein selbstständiges Gepräge an sich, als sie alle Stoffe in sich zu verarbeiten sucht, die auf nicht jüdischem Boden vorräthig angetroffen werden. Nach der andern, wo man jegliche Reform dem Entwicklungsgang der Geschichte zuweisen will, da giebt sich eine solche Zerklüftung der Meinungen, ein solches Schwanken und Ungewißsein der Ansichten kund, daß man bald positive Wahrheiten den launenhaften Eingebungen mittelalterlicher Rabbiner nachsetzet, bald dem Bestehen der abgeschmacktesten Institutionen mit einer Energie das Wort redet, als wenn es gälte, die Aufrechthaltung eines Grundprinzips der israelitischen Religion zu verfechten. Wenn nun der Partei nach der einen Richtung, sozusagen, das konfessionelle Bewußtsein abgeht, so fehlt ihr nicht minder nach der andern jene Zuversichtlichkeit, die nur in der festgegründeten Ueberzeugung angetroffen wird; der Ueberzeugung, die einen starken Willen hat, und Muth genug besitzt, diesem Willen eine konsequente Durchführung zu verschaffen. Herr Dr. Geiger hat daher bei solchen vorwaltenden Zuständen eine nicht sehr angenehme Stellung. Den Einen gilt seine Reformbestrebung als eine träge, langsam dahinschleichcnde; sie wollen die Religion mit der Gegenwart ausgcsöhnt wissen, und jede Verbesserung, die in der Synagoge vor sich geht, betrachten sie immer noch als ein Stückwerk, ja als ein Unbedeutendes, so lange sie nicht eine frischere, freiere Bewegung in's Leben gebracht sehen. Die Anderen hingegen nennen den Fortschritt, der durch ihn hervorgerufen wird, einen Sturmschritt, und können sich noch immer nicht zu Gute geben, daß z. B. die Opfergebete aus der Synagoge entfernt wurden. — Die Ursache der Zerfahrenheit von der einen, und der Schrankenlosigkeit von der andern Seite ist, wie mir scheint, einzig und allein darin zu finden, weil es Beiden weniger um die Sache selbst Ernst ist, als daß sie vielmehr alle Thätigkeit dahin wenden, um einer einmal liebgewordenen Ansicht, wenn sie auch durch und durch falsch ist, Gewicht zu verschaffen, Es ist demnach nur ein egoistisches Entgegentreten, ein selbstisches Bevorzugen, das dem Streben nach Wahrheit eine, unüberftcigbare Kluft entgegenwirft. C-n. Posen, 3. März. (Privatmitth.) In der hiesigen Taubstummenanstalt sollen nun auch israelitische Taubstumme Aufnahme finden. Das Provinzialschulkollegium hat den Magistrat ersucht zu ermitteln, welche von den hiesigen jüdischen Lehrern sich wol dazu qualifiziren mochten, in genannter Anstalt den jüdischen Religionsunterricht zu leiten. Breslau, 2. März. Nachdem das krakauer Trauerspiel vollendet ist, entnehmen wir, aus geschichtlichem Interesse, der D. A. Z. die Nachricht, daß die Insurgenten einen besvndern Aufruf an die Juden erlassen, in welchem diesen die volle Gleichheit der Rechte versprochen ward. Nach der Ansicht vieler krakauer Juden war dieses Unglück nur deshalb über den Senat verhängt, weil er den Juden verboten hat, ihre alte Kleidung zu tragen. Oesterreich. St. Ntkolau (Miskolz), 2ö. Februar. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde gehört schon ihrem Ansehen und ihrer Stellung nach zu den größeren Gliedern des Gesammtkörpers, dessen Zustände und Symptome zu beachten und zu verkünden Ihre Blätter sich zur Aufgabe gemacht haben; und die Pulsirungen dieses Gliedes sind auch auf den Kreis ihrer Umgebung zu sehr einwirkend und maßgebend, als daß solches dem beobachtenden Auge eines umsichtigen Arztes entgehen dürfte. Wenn Sie daher gegenwärtig, durch den immer breiter werdenden Strom der Ereignisse veranlaßt, einzelnen Berichten über Schul-

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