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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-16 · Heft 12 (16.3.1846) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 12 (16.3.1846)
Date
1846-03-16
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 thume, der Lebendige Mittelpunkt gegeben, Ln welchem sie ihre Ansichten austauschen, die obschwebenden Fragen erörtern und deren Lösung zu erringen versuchen. Andrerseits kann man nicht leugnen, daß in der jüdischen Laienwelt selbst — wenn wir uns dieses Wortes bedienen dürfen, um die Masse den fungirenden Lehrern gegenüber zu bezeichnen — vielfach eine willkürliche und regellose Aenderung vorgegangen ist. Eine große Zahl hat das Zeremonialgesetz zum großen Theile beseitigt, entweder gar nichts oder einen beliebigen Theil davon behalten, ohne daß sich irgendwo ein Anhalt oder ein Prinzip ausgesprochen hätte. Aus dieser Verwirrung will und muß man herauskommen. Als Mittel hierzu hat man die Synode bezeichnet. Theils aber ist man hierüber sich noch nicht klar geworden, hat noch gar keine Verständigung stattgefunden, theils ist man zu einer Synode faktisch noch nicht vorbereitet, und selbst wenn eine solche jetzt stattfinden könnte, würde sie wahrscheinlich noch zu keinem Ziele führen können. Die Konferenz zu Berlin, die von Zeit zu Zeit sich wiederholen soll, ist demnächst der geeignete Weg der Vorbereitung zur Synode. Konsolidirung der Genossenschaft selbst, Vereinigung aller Reformfreunde undBerathung über das Wesen und die Verwirklichung der Synode, dies ist der Zweck und die Aufgabe dieser Konferenzen. Möge also die Einladung zu dieser Konferenz von allen denen, welche eine feste Ueberzeugung einer gesinnungsstarken Reform hegen, nicht übersehen, und als ein wichtiges Errigniß, die Schöpfung eines wahren, lebendigen Mittelpunktes, begrüßt und gefördert werden! Wir wissen wohl, daß es unter unseren Glaubensgenossen eine große Zahl von Individuen giebt, denen bei aller Freiheit, die sie für ihre Person in Anspruch nehmen, für die Reform der Gesammtheit, welche zugleich eine neue Befestigung der Gesammtheit sein wird, aller Sinn abgeht. Wir wissen wohl, daß es unter unseren Glaubensgenossen eine große Zahl von Individuen giebt, die bei aller Freiheit, die sie für ihre Person in Anspruch nehmen, einer Mform der Gesammtheit aus einer Menge von selbstsüchtigen Zwecken und Motiven feindlich entgegentreten, prinzipienlose Intriguanten, die mit den wahrhaften, frommen Orthodoxen nicht verwechselt werden dürfen. Aber es giebt, es muß geben eine Zahl gesinnungsstarker Männer, welche geradeaus und festen Schrittes eine Umgestaltung da anstreben wollen, wo eine Auflösung bereits eingetreten ist. Für diese muß die berliner Konferenz eine Vereinigung, ein Faktum sein, ob sie bis jetzt sich der Genossenschaft angeschloffen, oder nicht! Wotan, diese haben die Gelegenheit, ihre Gesinnung zu bewähren! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 3. März. (Privatmitth.) Habt ihr's vernommen? In China werden die Christen beschuldigt, Sterbenden die Augen auszureißen und Weiber zu verführen. Und der französische Gesandte sagt, man solle ihnen nur den Prozeß machen, hatten sie Verbrechen begangen, so müßten sie büßen! Und der Prozeß wird gemacht, und sie werden gefoltert und hingerichtet! Und dieser französische Gesandte, oder sein Substitut, heißt Ratti-Menton! Ha, das ist der Schritt einer Gottheit! Ist es die griechische Nemesis oder ist es der verrufene „Rachegott der Juden", der da sagt: nakkeh lo jenakkeh? Dieser „Rachegott" ist uns unzähligemal vorgerückt worden -aber so lange wir die Diener dieses „Rachegottes" sehen, wie sie die entsetzlichen Wunden verbinden, die die Diener — nein die Dienerinnen des „Gottes der Liebe" einander schlagen, um einer Glaubensverschiedenheit willen, von welcher, es ist schauderhaft zu denken, beide Theile nicht das Geringste verstehen, — so lange bleiben wir getrost und voller Selbstgefühl bei ihm und sagen: der alte Gott lebt noch! *) Ja, er lebt noch, und so sagen wir auch bei der großen Angelegenheit, die in diesem Augenblick das Herz aller Israeliten bluten macht: Adonai jilachein lachem weattem tacharisch un. *) Zur Charakteristik der deutschen Presse sei hier jedoch erwähnt, daß in der in der Schmid'schen Buchhandlung in Augsburg jetzt erschienenen Uebersetzung der Aussagen der Miecyslawka der im Original erzählte Umstand, daß mitleidige Juden das Leben jener Schiachtopfer gefristet haben, meggelafßen und bloß von Einwohnern die Rede ist. Wirkte hier Scham oder Schamlosigkeit? Korresp.

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