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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-16 · Heft 12 (16.3.1846) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 12 (16.3.1846)
Date
1846-03-16
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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167 hat, und wenn es heißt, daß Gott „Himmel und Erde füllet", wenn die Allgegenwart Gottes mit den lebhaftesten Farben geschildert wird: so ist es eben der Wille Gottes, der in allem Dinge ist, ttqd, nicht das Wesen GotteS selbst. Gott hat aber die Welt nach bestimmten Gesetzen geschaffen, jedem Geschaffenen seine Anlagen, Kräfte, Bestimmung ertheilt, innerhalb deren es existirt. Hl. Während also die Welt außerhalb Gottes ist, und jedes Geschaffene nur mittelbar durch das Gesetz, das er in dasselbe gelegt und nach welchem er es geschaffen (inrDV), zu Gott im Verhältniß steht: hat er den Menschen Lu ein unmittelbares Verhältniß zu stch gebracht. Er schuf ihn nämlich in seinem Ebenbilde, in seiner Aehnlichkeit, indem er ihm einen Geist verlieh, der Freiheit des Willens, also die Selbstbestimmung besitzt. Demnach erhalten die Handlungen des Menschen einen moralischen Werth, insofern sie nicht mehr vom unveränderlichen Gesetze des materiellen Daseins ausgehen, sondern von der Selbstbestimmung, innerhalb derer eine freie Erfüllung der allgemeinen Bestimmung oder deren Verletzung liegt. Da aber Gott die Erfüllung der allgemeinen Bestimmung fordern muß, hat er der guten Handlung die guten, der bösen die bösen Folgen zu geben, d. h. er muß die Handlungen des Menschen richten, während die Handlungen der übrigen Geschöpfe nur als Thätigkeiten seiner eigenen Gesetze unberücksichtigt bleiben müssen. Insofern aber der Mensch seiner Sinnlichkeit hingegeben, innerhalb des menschlichen Geistes aber keine feste Erkenntntß jener entgegeutritt: so mußte Gott die Wahrheit und das Recht dem Menschen offenbaren. Wir haben daher einen dreifachen unmittelbaren Bezug zwischen Gott und Mensch: 1) im Wesen des Menschen als Ebenbildlichkeit, d. h. als freies, sich selbst bestimmendes Wesen, 2) in seiner Thätigkeit, indem Gott das Thun des Menschen richtet, inwiefern es die allgemeine Bestimmung des Menschen erfüllt oder verletzt, 3) Ln seiner Entwickelung, indem Gott dem Menschen die Wahrheit und das Recht vermittelst der Offenbarung zu fester Erkcnntniß brachte. IV. Indem nun diese Offenbarung zu einem wirklichen Faktum wurde, und zwar Israel dazu herangebildet und damit betraut ward, so daß Israel das Werkzeug der Offenbarung für die ganze Menschheit ward: steht Israel als Gesammtheit Ln einem besonder« Verhältniß zu Gott, insofern es unmittelbar den höchsten Bezug der Menschheit zur Entwickelung zu bringen hat, so daß auch seine Schicksale eine konsequente Verbindung mit diesem höchsten Zwecke, und Ln der höchsten moralischen Entwickelung der gesammten Menschheit ihre Erfüllung haben müssen. Wir sehen aus dieser Darstellung, daß das Charakteristikum der Lehre von Gott nur sehr äußerlich in der Einheit Gottes liegt, sondern vielmehr darin: 1) Gott als das unveränderliche Sein, 2) die Welt als Werk Gottes, außerhalb Gottes, aber vom Willen Gottes erfüllt, 3) der Mensch als unmittelbar zu Gott durch Ebenbildlichkeit, Gericht und Offenbarung, 4) Israel als Werkzeug der Offenbarung; so daß also Gott als das unveränderliche Sein, als außerweltlicher Schöpfer der Welt, und in seiner Unmittelbarkeit zum Menschen gefaßt — die Eigentümlichkeit und den Inhalt der Lehre von Gott im Indenthume ausmachr. Zu diesem Allgemeinen muß aber noch die konsequente Ausführung dieser Bezüge im Einzelnen Charakteristisches Herausstellen, was wir im Folgenden Nachweisen wollen. (Fortsetz ung folg t.) Die Konferenz am 14, 15. und IS. April zu Berlin. In unsrer Pflicht als Berichterstatter über alle mehr oder minder wichtigen Ereignisse auf dem Gebiete des Judenthums, können wir die Konferenz, welche die „Genossenschaft für Reform im Indenthume" zu Berlin an den gedachten Tagen von Seiten ihrer auswärtigen Genossen und aller Reformfreunde anberaumt hat, in ihrer Bedeutsamkeit zu würdigen nicht unterlassen. Die Genossenschaft hat bis jetzt zwei Richtungen verfolgt; sie hat für das Allgemeine einen Mittelpunkt des Reformbedürfnisses abzugeben sich bemüht, und lokaliter für die Bedürfnisse ihrer berliner Mitglieder sich einen Gottesdienst zu schaffen gesucht. In der Tiefe stoßen natürlich beide Bestrebungen mit einander zusammen, indem der an sich lokale Gottesdienst doch schon durch seine Existenz hinausgreift in die Reformwelt und den gegebenen Anstoß fortzusetzen vermag. Demungcachtet muß eS an der Zeit sein, der durch den vorjährigen Aufruf hervorgerufenen Bewegung den Charakter der That zu geben, indem der Verband der auswärtigen Glieder erkräftigt, verwirklicht wird. Wir nnsrerseitS betrachten die Sache folgender Gestalt. Durch die Rabbinerverfammlung ist den fungtrenden Lehrern, welche eine Reform anstreben im Juden-

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