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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-09 · Heft 11 (9.3.1846) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 11 (9.3.1846)
Date
1846-03-09
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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160 werden vom im, Rabb. und mit Einfallen des Chors Vers um Vers vorgetragcn. Kassel, im Februar. (Privatmitth.) Von unseres verstorbenen Oberlehrers 0r. Büdinger in Kassel kleiner Bibel, einem Auszuge aus der Schrift, erscheint jetzt die fünfte Auflage in Stuttgart und ist schon vor ihrer Erscheinung durch vielfache Bestellungen von Schulbehörden und Privaten erwartet. Man sieht nach des trefflichen Büdinger Tode erst recht ein, was die israelitische Gemeinde zu Kassel, ja die kurhesstschen Israeliten überhaupt an ihm verloren haben. Steinheim hat ihn in seiner gehaltvollen Biographie recht wahr geschildert und auch der hinterlassenen Wittwe des Verewigten die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die ihr und besonders ihrer thätigen und frommen Wirksamkeit für die Erziehung der weiblichen Jugend gebührt. Aus der von ihr seit Jahren geleiteten Erziehungs- und Pensions-Anstalt sind so viele sittlich und religiös gebildete Jungfrauen hervorgegangen, aus der ihnen hier gewordenen geistigen Ausstattung ist so viel echtes Glück für achtbare Familien erwachsen, daß der Wunsch, den wir am Schluffe dieser Zeilen aussprechen müssen, daß diese Anstalt und ihre segenreiche Wirksamkeit stets mehr und mehr bekannt und gewürdigt werden möchten, nach den verschiedensten Richtungen gerechtfertigt ist. Oesterreich. Pesth, im Februar. (Privatmitth.) Die Vertreter der hiesigen Gemeinde erließen am 24. v. M. ein Rundschreiben an sämmtliche Gemeinden Ungarns, worin diesen angezeigt wird, daß durch die gnädige Intervention des durchlauchtigsten Palatins von allerhöchster Seite die erfreulichen Eröffnungen gemacht worden sind, daß es bei unverzögert baldigem Hinzuthun möglich sei, die so sehnlichst gewünschte Elibertation von der Toleranztaxe, auf Grundlage der im Jahre 1843 bereits gepflogenen Verhandlungen (nämlich auf die Summe von 1,200,000 Fl.K. M., binnen 11 Jahren zahlbar, sich zu verpflichten) zu verwirklichen. Jedoch wird dabei eine Solidarhaftung von Seite sämmtlicher Israeliten Ungarns nöthig, zu welchem Behufe daher die Gemeinden aufgefordcrt werden, mit gehörigen Vollmachten versehene Vertreter unverzüglich bis am 1. März l. I. hieher zu senden. Da schon bereits die strengsten Exekutionsmaßregeln zur schleunigen und schonungslosen Eintreibung der ganzen rückständigen Summe von 2,560,293 Fl. K. M. vorbereitet sein sollen, so (heißt es auch in diesem Schreiben) möge man ja den noch vergönnten günstigen Moment wohl beherzigen und benützen, denn zögert man jetzt noch, so hätte man für immer gezögert, und kann man späterhin bei dem besten Willen diese schwer drückende und schmachvolle Last nicht los werden. — Bekanntlich waren bisher jene Gemeinden, welche ihre innere Glaubenswärme von dem Druck von außen abhängig glauben und daher Letztern so ungern verlieren um Erstere zu bewahren, die gewöhnlichen Störgeister bei ähnlichen Vorgängen. Man hegt gegenwärtig die zuverlässige Hoffnung, nicht vergebens einberufen zu haben — und nicht ohne besten Erfolg zusammenzukommen. Unsere, für Israels Erhöhung glutvoll begeisterten Herren Vorsitzer KuNewa ld er und Löwy werden bestimmt nichts verabsäumen lassen, um ihre heilige Aufgabe möglichst zu fördern, so wie auch die synagogalen Differenzen des hiesigen Ortes von denselben eine entschiedene und günstige Lösung erwarten. Bei einer in letzter Zeit gemachten Reise besuchte ich die Gemeinden Weißenburg, Weßprim und Papa. Weißenburg, eine aus 40 Familien bestehende Gemeinde, besitzt in ihrem Rabbiner vr. Zipfer eine unschätzbare Perle. Er ist ein Mann von ausgebreitetem talmudiflhem Wissen, hat viele linguistische Kenntnisse und besitzt einen Ernst und Gesinnungsadel, wie er häufig zu wünschen wäre. Er leistet in Schule und Synagoge sein Möglichstes; hat einen Verein begründet, wo er allsabatlich am Nachmittage auS den jüdischen Zeitungen verschiedener Sprachen die zur Förderung religiöser Aufklärung tauglichen Stellen vorliest, und unterrichtet am Sonntage Lehrlinge und Gesellen in Religion. Zufrieden mit seinem spärlichen Gehalte von jährlich 240 Fl., sind doch manche Stimmen rege, welche es als eine schlechte Wirthschaft betrachten, einenRabbiner zu haben, während man noch kein schönes nsi“)B hat. In Weßprim wurde der Chor-fm entlassen, und wird nun wieder in der frühern Weise gebetet.

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