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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-09 · Heft 11 (9.3.1846) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 11 (9.3.1846)
Date
1846-03-09
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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158 Aus dem Poserischen, 23. Februar. (Privatmitth.) Die öffentlichen Blätter sind voll von Berichten über die polnische Verschwörung. Es hat sich nun hinreichend herausgestellt, daß dieselbe nicht bloß Gerücht, nicht bloß Verdacht, sondern eine wirklich entworfene war, die zwar niemals zu einem wesentlichen Ziele hätte führen, die aber unsägliches Unglück über friedliche und ergebene Unterthanen hätte bringen können, für deren Abwendung wir daher Gott und der Obrigkeit Dank zu sagen haben. Wer den polnischen Charakter kennt, wer die krampfhaften Zuckungen dieser Nation, ihr schmerzliches Todesröcheln beobachtet hat, der weiß, dap die tollkühnen Individuen des Schrecklichsten fähig sind, deffen, wovor jeder Besonnene schon um der Unaussührbarkeit willen zurückschrcckt. Die Juden, obschon sie in früheren Zeiten bei den Polen milderen Gesetzen unterworfen waren, milderen in Verhältniß zum Mittelalter, hatten doch vielfach diese Begünstigungen späterhin verloren, und die polnischen Machthaber dachten bis zum Ende Polens nicht daran, die Stellung der Juden zu verbessern. Ueberall, auch 1831, wiesen sie sie zurück, und hielten sie in der tiefsten Erniedrigung zurück. Was Wunder, daß die Juden im Großherzogthum Posen, die vom deutschen Element gänzlich durchdrungen sind, sich gänzlich der preußischen Regierung zuwandten, welche Schritt vor Schritt sie mit den Wohlthaten einer freiem gesetzlichen Verfassung beschenkte, und sie immermehr in das bürgerliche Leben einführte. Die Juden wurden daher in den Augen der Polen gänzlich den Deutschen zugesellt, eine Assimilation, welche die Juden niemals von sich weisen, und die, bei allem Mitgefühl für die polnische Nation, welche jeder Gebildete empfindet, eine ganz natürliche war. Die Verschworenen hatten daher nicht minder gegen die Juden, als gegen die Deutschen ihre Pläne gerichtet; und, hätten sie irgendwo die Oberhand gewonnen, so wäre eine Niedermetzlung der Juden zuerst erfolgt. In den ersten Tagen mußte daher, wenn auch nicht in den Hauptstädten, doch auf dem Lande viel Besorgniß entstehen, da man nicht wissen konnte, wohin sich etwa eine Masse der Empörer geworfen haben und das Schild, wenn auch nur als «in kleiner Parteigängerhaufe, erheben könnte. Dank daher den kräftigen und besonnenen Maßregeln der Regierung, welche überall Ruhe und Sicherheit zu erhalten gewußt! Deutschland. Leipzig, 22. Februar. (Privatmitth.) Ich beehre mich, Ihnen die beifolgende Petition der israelitischen Gemeinde zu Leipzig, welche zu Ende vorigen Monats der zweiten Kammer überreicht und den 4. Februar von dem Abgeordneten Brockhaus ganz angemessen bevorwortet wurde, hier mitzutheilen und Sie um Aufnahme derselben in Ihr so weit verbreitetes Blatt ergebenst zu bitten. Die Petition selbst lautet: Petition der israelitischen Gemeinde zu Leipzig um Gleichstellung der Juden mit den Christen. An die hohe Ständeversammlung des Königreichs Sachsen, zunächst an die hohe zweite Kammer. „Der hohen Ständeversammlung des Königreichs Sachsen ist bereits auf gegenwärtigem Landtage von der israelitischen Gemeinde zu Dresden eine Petition um Gleichstellung der israelitischen Glaubensgenossen mit den Bekennern der christlichen Konfession überreicht worden und es läßt sich daher bei dem Geiste der Humanität und Gerechtigkeit, welchen die hohe Ständeversammlung so vielfach rühmlichst kundgegeben hat, mit Zuversicht erwarten, daß die durch die eingereichte Bitte angeregte Fragediejenige reifliche Erwägung und günstige Berücksichtigung finden werde, welche als die dem heutigen Zustande der Gesittung des deutschen Volkes allein entsprechende angesehen werden kann und muß, so daß es kaum noch von andrer Seite her der Beleuchtung und Erörterung dieser hochwichtigen Angelegenheit bedürfen möchte. Wenn indeß wir, die ehrerbietigst Unterzeichneten Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Leipzig uns dessenungeachtet veranlaßt finden, uns der obgedachten Petition hiermit ausdrücklich anzuschließen, so geschieht dies keineswegs.aus Mangel an Vertrauen, welches wir vielmehr in den ernsten Willen der hohen Ständeversammlung den unläugbaren dringenden Forderungen der Humanität genügen zu wollen, mit vollster Zuversicht setzen, sondern vielmehr nur deßhalb, um auch unsrerseits dafür offenes Zeugniß abzulegen, daß der dermalige Zustand der israelitischen Glaubensgenossen in Sachsen ein durch nichts gerechtfertigter, sondern lediglich durch die Macht des Besitzes und durch den Egoismus diktirtist, welcher

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