Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1846)
- Date
- 1846-03-09
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
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157 die unbedingte Hingebung, welche sie bekunden, wiederum die Israeliten selbst, und zeigt, daß die Regierung überall auf ihre Treue zu rechnen hat. Gerade die Juden sind in Preußen das Element der Bevölkerung, welches am Ehesten dem Provinzial- und Landschaftscharakter entrückt, für Preußen das Gefühl der nationalen Gesammtheit als Preußen zu empfinden und zu tragen vermag. Ehemals in den einzelnen Provinzen gedrückt und als Fremde behandelt, sind sie erst zu Staatsangehörigen erhoben worden, als Preußen alle diese Provinzen in einen Staat vereinigt hatte, und haben sich so nur als Preußen in das Staatsleben hineingclebt. Dies möge die Staatsregierung immer mehr berücksichtigen; und wenn sie erkannt hat, daß die Juden aller Orten zu dem Kern der ergebensten Unterthanen gehören, und daß sie gerade, von sondernder „Nationalität" fern, dem Preußenstaate als lebendige Glieder zugetheilt sind: so wird sie nicht anstehen, sie als solche zu behandeln. Thorn, 17. Februar. Thorn hat das alte Privilegium, daß Juden, die hier ansässig sind, keine Grundstücke oder unter sehr erschwerten Umständen erwerben können und fremden Juden die Ansiedelung gar nicht gestattet ist. Die Stadtverordneten haben unter Vorbehalt der speziellen Genehmigung von Seiten des Magistrats zur Förderung des Kommunalinteresses für gut erachtet: daß allen hiesigen und künftig zuzichenden Israeliten die freie Besitzerwerbung solcher städtischen Grundstücke nachgegeben werde, welche mindestens einen reellen Werth von 3000 Thlr. haben. Magdeburg, 27. Februar. (Privatmitth.) Magdeburg, das in der neuesten Zeit wiederholt seinen alten Ruhm, die Stadt des gesetzmäßigen Freisinns und der Glaubensfreiheit zu sein, bewährt hat, gab in diesen Tagen einen neuen Beweis. Es existirt hier ein altes Augustinerkloster, welches zur Zeit der Reformation in eine Alterversorgungsanstalt umgewandelt ward. Es versteht sich, baß Israeliten davon ausgeschlossen waren, um so mehr als erst seit 1807 in Magdeburg Juden wohnen dürfen. Am Sterbetage Luthers beschloß die Stadt eine Umgestaltung und Vergrößerung des Klosters, und einer der ersten Paragraphen war: daß fortan Jsrae« l liten nicht ausgeschlossen sein sollen —(was um so annehmlicher, da den Präbendaten außer Wohnung und Heizung nur Geldunterstützung gereicht wird —) und zwar wurde im Erlaß ausgesprochen: daß die Zeit vorüber sei, wo Glaubensverschiedenheit in die Wagschale der bürgerlichen Rechte und Wohlthaten gelegt ward. Berlin, 1. März. Auch die hiesige Voss. Ztg. berichtet aus Posen vom 24sten: Einen sehr erfreulichen Eindruck hat auf unsere israelitische Bevölkerung die königliche Kabinetsordre gemacht, nach welcher hinfüro auch die Juden zu dem Militärstande herangczogen werden sollen. Die in Aussicht gestellten Erwerbnisse einer länger« Dienstzeit werden uns somit in einigen Jahren auch Juden als Staatsdiener, wenn auch freilich untergeordnetsten Grades fungiren und so die früher schon von uns ausgesprochene Ansicht bewerkthätigen sehen, daß der jüdische Bewohner des Großherzogthums in Nichts seinen christlichen Bundesgenossen nachsteht, als in der berechtigtern Lage derselben und vielleicht in der Routine, die das Glück einer völligen Emanzipation erst zu geben im Stande ist. Möge die Aufhebung der Rekrutensteuer für unsere Provinz, so wie das Eintreten des posener Juden in das preußische Militär von vvrschreitender, segensreicher Wirkung für die Emanzipation der Juden und dies Volk vor dem Gesetze so als Preuße anerkannt sein, wie cs in Wirklichkeit durch und durch Preuße ist. Die letzten Verschwörungsversuche haben nirgends so allgemeine Indignation hervorgerufen, als gerade unter unseren Juden, obwol dieselben die wärmsten Geschäftsfreunde der Polen sind. Wäre es zu Exzessen gekommen, so hätten sich gewiß die Juden zusammengeschaart und wenn auch noch nicht als Militärs, so doch als Bürger für die Aufrechterhaltung der Gesetze zu kämpfen und zu fallen. Auch sollen die ersten bedenklichen Vorzeichen, z. B. das Aufkäufen des Goldes, Pulvers rc. zuerst von den Juden bemerkt und angezeigt worden sein. — Wir glauben, daß bei der nächsten Frühjahrs-Aushebung zum Militärdienste diesmal besonders viel Juden und vielleicht weniger Polen genommen werden — mindestens schiene uns ein solches Arrangement für bleibende Sicherung der Ruhe nothwendig.