Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-02 · Heft 10 (2.3.1846) · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 10 (2.3.1846)
Date
1846-03-02
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225454--07576-3238341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 rnöglich machen und den Weg zu der Synode bahnen, welche als das Ziel der angeregten Bestrebungen bezeichnet worden ist. Bedauern müssen wir, daß das Rundschreiben sich nicht darüber ausspricht, ob nur bereits Unterzeichnete Mitglieder der Genossenschaft zu diesen Berathungen Zutritt finden sollen, oder auch solche, die durch nähere Kenntnißnahme von dem Geist der Bestrebungen erst zu einer Entschließung gelangen wollen; es dürfte Letzteres leicht wesentlich dazu beitragen, um diejenigen Mißverständnisse zu zerstreuen, in denen selbst wahre Refvrmfreunde über die Absichten der Genossenschaft befangen sind; und wie ohne Zweifel alle wirklichen Mitglieder sich beeilen werden, sich in dieser wichtigen Konferenz vertreten zu sehen, so würden sich gewiß auch andere Reformfreunde zahlreich cinsinden, wenn ihnen der Eintritt gestattet würde. Oesterreich. Papa, 1V. Februar. (Privatmitth.) Zur Charakteristik der Juden in den verschiedenen Provinzen Oesterreichs, von Moritz Feitel. Das starre Behaupten einer eignen Nationalität, und somit die schroffe Abweisung des Volkscharakters, welcher den Juden umgiebt, was ihm so häufig zum Vorwurfe gemacht wird, hat schon tausend gegründete Entgegnungen erhalten, und wenn es auch bereits entschieden ist, wie nur die krasse Ungerechtigkeit sich ähnlicher Ausflüchte.bedient, so will ich doch als einen kleinen Beitrag zur Beleuchtung der verschiedenen Charaktere der Juden verschiedener Provinzen, hier den Kaiserstaat Oesterreich ansühren, wo Gallizianer, Böhmen, Mähren, Ungarn und Oesterreicher, trotzdem daß selbe sämmtlich Deutsche sind, doch in einem solchen von einander abweichenden geistigen Gepräge sich dem ersten Blicke darstellen, daß es augenfällig wird, wie der Jude überall vom eigcnthümlichen Charaktertypus seiner christlichen Landesgenossen in sich aufnimmt, und somit mit Leib und Seele dem Lande angehört, das ihm Geburtsort und Stätte seiner Erziehung ist. Die allgemeine Anerkennung der zu zeichnenden Charakterverschiedenheiten ist nicht nur bereits sprichwörtlich geworden, sondern giebt diese Divergenz vergeistigen Eigenthümlichkeiten zu manchen gegenseitigen Abneigungen und Gehässigkeiten unter genannten Juden der genannten Provinzen Anlaß. Der Gallizianer ist fast durchgehends sanguinischen Temperamentes. Hastig in Bewegung und Sprache, besitzt er schnelle Fassungskraft und eminentes Gedächtniß. Er besitzt viel Witz und Scharfsinn und ist eifrig im Erfassen eines Gegenstandes, den er mit aller Beharrlichkeit und Mühe, ob er auch oft an sich noch so kleinlich sei, sich zuwendet. Daher dem gelehrtesten Gallizianer selten Vielseitigkeit, häufig aber ungewöhnliche Originalität und Gründlichkeit in seinem Fache eigen ist. Das stete Regesein seines Geistes läßt seinem Gemüthe weniger Spielraum. — Der böhmische Jude ist mehr gemäßigten Temperamentes mit vorwaltender Gemüthlichkeit. Bei ziemlich glücklichen Geistesanlagen, welche mehr auf ästhetischem Boden sich heimisch fühlen, ist er, nach Vielseitigkeit strebend, noch selten außer dem Gebiete des Schönen zur Meisterschaft gekommen, und ist auch hier mehr reproduktiv als produktiv. — Der mährische Jude ist, trotzdem er der nächste Nachbar des vorhergegangenen ist, doch füglich als demselben entgegengesetzt zu bezeichnen. Er ist überhaupt mehr praktischer Natur, voll Ernst und genauer Berechnung in Allem, besitzt vielen Fleiß und Ausdauer, daher linguistische Kenntnisse — und industrielle Schöpfungen sein Element sind. Von ungewöhnlich geringer Gemüthlichkeit findet derselbe fast überall häufiger sein Glück als — Freunde. — Der ungarische Jude ist cholerisch-sanguinischen Temperamentes. Tiefe des Gemüths und Humor überhaupt sind seine prävalirenden Eigenschaften. Er besitzt bei glücklichen Geistesgaben wenig Fleiß und Ausdauer, und wünscht und begnügt sich, die Naturgqben roh und unbearbeitet zu benützen und zu genießen. — Die Juden in Oesterreich (Wien) ähnlichen zunächst den böhmischen; nur ist ihnen bei geringerer Gemüthlichkeit auch mehr Seichtigkeit im Erfassen und Behandeln geistiger Gegenstände eigen. In der Residenzstadt, wo ein ewiger Sonntag herrscht, wohnend, lieben und achten sie Alles, was an der Mode ist, daß man es lieben und achten soll. Nicht mehr und nicht weniger. — Schreiber dieses bittet einerseits, die geistigen Koryphäen genannter Länder zum Maaßstabe seiner Charakterzeichnung zu nehmen, aber dabei auch nicht zu vergessen, daß es keine Regel ohne Ausnahme giebt. — Unlängst äußerte sich ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.