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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-02 · Heft 10 (2.3.1846) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 10 (2.3.1846)
Date
1846-03-02
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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146 Aus Mittelfranken, 10. Februar. (Privatrnitth. nach bairischen Blättern.) Daß Israel mündig geworden, daß edles Selbstgefühl und gesunder Bürgersinn bei Juden überall zu finden ist, davon geben uns die! vielen israelitischen Beschwerde- und Bittschriften Be-! weis, die dem jetzigen Landtage vorgelegt werden, um ' bürgerliche und politische Verbesserungen zu erzielen.! Bis jetzt sind 10 Petitionen bekannt, die unsrerseits; eingereicht wurden. Das Gesuch des fürther Bori standes giebt Erempel an, wie die Kultur und sitt-! liche Bildung unter den bairischen Juden vorgeschrit-! ten, wie die humaneren Bestimmungen des Erzichungsi gesetzes vom 10. Juni 1813 aufs Strengste beachtet wurden, giebt die Opfer an, die der Jude für Verbesserung des Schulwesens bringt, zeigt auch andrerseits die traurigen Folgen jenes famosen Gesetzes, daß in Baiern ganze israelitische Gemeinden bis auf einige Greise nach Amerika ausgewandert seien, macht in prägnanter Kürze aus die merkwürdigen Debatten der württembergischen Kammer v. I. aufmerksam, führt auch die Versprechungen im Landtagsabschiede 1831 vor's Auge, und bittet zuletzt im ernsten Tone um bürgerliche und politische Gleichstellung. Was uns zu Hoffnungen berechtigt, ist einerseits, daß die Revision und zeitgemäße Verbesserung der Judengesetze an eine eigne Kommission überwiesen wurde, andrerseits, daß sich gewichtige Stimmen für unsre Angelegenheit hören lassen. Der Abgeordnete Sattler, der sich das Bittgesuch der unlerfränkischen Juden aneignete, befürwortete diese Eingabe mit kräftigen Worten; er meint, cs sei an der Zeit, den Judendruck aufzugeben, und schloß seinen Vortrag mit den Worten, mit welchen auch die Petenten an die Standschaft schlossen, nämlich an ihre Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu appellircn. Dekan Bauer, der sich die Bitten der jüdischen Landgemeinden von Mittelfranken aneignetc, bemerkte bei Motivirung der jüdischen Angelegenheiten, daß er von ganzem Herzen wünsche, die vielen Bedrückungen und Ausnahmsgcsetze der israelitischen Unterthane» auszuheben; denn die Juden hätten ganz Recht, wenn sie sich über unsre Härte beklagen. Wie nah, wie fern die Zeit völliger Emanzipation sei, wage er aber nicht zu bestimmen; er fügte noch hinzu, daß die neuen Reformherocn sich dieser Zeit zu nähern glauben, während sie in das bodenlose Meer des Nihilismus verfallen, der Staat aber, wenn es sich um Anerkennung einer religiösen Gesellschaft handle, nach authentischen und glaubwürdigen Glaubensgrundsätzen fragen müsse; er meinte, es wäre für jetzt genug, wenn man das Matrikelwesen und andere mittelalterliche Gesetze beseitige, er wisse gewiß, daß die Juden damit zufrieden wären; er glaubt, daß die Bittsuchenden von dem Grundsätze ausgehcn, daß, um das Wenigere desto sicherer zu erlangen, man das Wesen verlangen müsse. Dekan Gütz ist ein eifriger Vertreter unserer Bitten; er macht auf die allerwichtigste Pflicht „der Nächstenliebe" aufmerksam. Abgeordneter Siegmund, der sich das gemeldete fürther Gesuch aneignete, schloß sich der Meinung des Dekans Gütz an. Reichsrath Nei, der die Beschränkungen in zivilrechtlicher Beziehung auf 110 berechnete und das Gesuch des Münchner Vorstandes sich aneignete, schildert das Unrecht des Judendruckes und hielt es für zeitgemäß, das Ministerium aus diesen Uebelstand aufmerksam zu machen. Unter dem Einlauf befindet sich ein Bittschreiben von 13 Abgeordneten, worin sie um Aufhebung der widerrechtlichen Gesetze für Israeliten vom 11. März ISO», vom 24. Januar JS15 und vom 31. Mai 1»26 anhieltcn. Den Debatten sehen wir nun ernstlich entgegen. Fr. Preußen. Berlin, 22. Februar. lPrivatmitth.) Vor Kurzem war Dr. Philippson hier, um die Gründung eines Komitö's zur Unterstützung der russischen Inden zu betreiben, und cs ist ihm gelungen, sehr würdige Männer dafür zu gewinnen. Berlin, 24. Februar, i Prioatmitth.) Die Thätigkeit der Genossenschaft für Reform im Judenthum nimmt gegenwärtig die volle Aufmerksamkeit sowol hiesiger als auswärtiger Rcformfreunde in Anspruch. Die Vorbereitungen für den regelmäßigen Gottesdienst, der mit dem Passahfest beginnen soll, werden mit demselben Eifer, aber auch mit gleicher Ruhe und Besonnenheit betrieben, wie der vorjährige Festgottesdienst. Inzwischen schreitet die innere Einrichtung des großartigen Lokals, das die Genossenschaft gewonnen hat, rasch vorwärts und läßt hoffen, daß die äußere Würde des Bethauses in voller

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