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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-02 · Heft 10 (2.3.1846) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 10 (2.3.1846)
Date
1846-03-02
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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145 Beweise gegeben, auf einigen Erfolg hoffen zu dürfen, wenn sie namentlich ihren Einfluß persönlich bei den mit Glücksgütern gesegneten jüdischen Bewohnern verwenden, und vorzüglich bei dem weniger gebildeten Theil derselben. Wenngleich wir eine nicht ganz unerhebliche Anzahl sehr gut bemittelter israelitischer Bürger in der Provinz zählen, so mochte doch noch sehr vielen die hinlänglich-geistige Fähigkeit fehlen, um einzusehen, wie nothwendig es ist, nicht nur einen unbedeutenden Beitrag zu solch hochwichtigem Werk zu leisten, sondern, daß es gerade ihre Pflicht ist, solche Opfer nicht zu scheuen, um an dem Zustandekommen einer Anstalt mitzuwirken, von welcher ihr und ihrer Nachkommen geistiges und irdisches Glück abhängen wird. — Der geistig Hochstehende, der die Dringlichkeit jener zu bildenden Anstalt erkennt, wird aus freiem Antriebe, zufolge des bereits zu diesem Zwecke erlassenen Aufrufs der Kommission, das möglichste Opfer bringen, von dem weniger Gebildeten aber ist nur erhebliche Hülfe durch persönliches Verwenden zu erwarten. Bei dem im Allgemeinen täglich zunehmenden Mangel an Lehrern für die kleinen Gemeinden ist das Bedürsniß eines Seminars niemals mehr empfunden als eben jetzt, wo es zugleich der Wille der Regierung ist, daß jeder anzustellende Lehrer sowol gründliche Kenntniß der Lehrgegenstände der Religion besitzen soll, wie auch Fähigkeit im Unterricht der Realwissenschaften gefordert wird. Die Mehrheit der gegenwärtigen Lehrer entspricht den Wünschen der Regierung aber keinesweges, wasaberauch gar nicht zu erwarten ist. — Die finanziellen Verhältnisse können den Lehrern wegen der geringen Anzahl der Mitglieder der meisten Gemeinden keinesweges, wenigstens für die Gegenwart unmöglich, glänzend hergestellt werden, es haben sich daher auch von jeher hier viele Fremde, namentlich aus dem Großherzogthum Posen, aufgehalten, welche den Schächterdienst versehen, nebenbei auch den Unterricht im Hebräischen, Quasi-Religionsunterricht ertheilen. In neuerer Zeit haben diese ambulanten Lehrer auch sogenannten Unterricht in den gemeinnützigen Gegenständen hinzugefügt. Wie es daher um das Unterrichtswesen früher bei uns gestanden hat, kann jeder Einsichtsvolle leicht denken, daß dasselbe bis jetzt aber noch immer nicht sehr weit gediehen ist, betrübt jeden Bessergesinnten bei uns. Daß unter allen diesen Verhältnissen die wohlhabendere Klasse früher ihre Kinder nicht zum Lehrfache bestimmt hat, ist unter diesen Umständen leicht begreiflich, eben so wenig wird dieses aber auch in der nächsten Zukunft geschehen; es bleibt daher nur zu erwarten, daß die weniger Bemittelten, welche ihre Kinder meistens dem Schacherhandel, inder Neuzeit, durch Zulassung in die Zünfte, auch oftmals den niederen Handwerken bestimmt haben, cs vorziehen werden, sie dem Lehrerstande zu widmen, welcher in äußerer Hinsicht wenigstens doch immer noch etwas mehr Annehmlichkeit als jener ärmliche Erwerb darbietet, zudem es erfreulich ist wahrzunehmen, daß der Schacherjude gern seinen Sohn dem niedern Handel entzieht, wenn ihm nur Gelegenheit gegeben wird, denselben um ein Billiges in einem andern Fache ausbilden zu lassen. — In der Absicht nur kann daher die projektirte Anstalt künftig wirksam sein, wenn sie so reichlich fundirt wird, ihre Alumnen gänzlich frei halten zu können; da ohne dies die Schulen sonst so bald nicht mit tüchtigen inländischen Lehrern besetzt sein werden. Freilich bedarf cs hierzu eines bedeutenden Finanzaufwandes, und hat dieser Gedanke den Einsender schon oft mit bangem Zweifel über die Realisirung dieses Plans erfüllt; daher möchte es vielleicht gerathener sein, um alle Zweifel zu beseitigen, und um sich der Gewißheit zur Verwirklichung des Vorhabens erfreuen zu dürfen, daß die hierzu ernannte Kommission in Erwägung ziehen möchte, ob nicht etwa Mecklenburg, Holstein, Hamburg, Braunschweig, Lippe und Oldenburg als Nachbarstaaten Hannovers sich bereitwillig finden lassen würden, unter gleicher Berechtigung sich verhältnißmäßig daran zu betheiligen. Es ist zu erwarten, daß sowol von den Regierungen als auch von den theilweise sehr wohlhabenden Israeliten dieser Staaten eine genügende Summe herbeigeschafft wird, damit die Anstalt sehr bald in's Leben gerufen werden könnte; und was jedem dieser Staaten einzeln so bald nicht möglich wäre, hätten sie alsdann gemeinschaftlich um so leichter geschaffen. Möchte dieser wohlmeinende Vorschlag ein williges Ohr finden, auch erfahrenere Männer veranlassen, ihre Ansichten hierüber in diesen Blättern zu veröffentlichen, um durch deren Austausch diesen Gedanken vielleicht zu einem erwünschten Ziele zu führen, wodurch das Schulwesen von etwa 35,600 Einwohnern jüdischer Konfession einer gänzlich bessern Umgestaltung baldigst entgegen gehen würde.

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