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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-23 · Heft 9 (23.2.1846) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 9 (23.2.1846)
Date
1846-02-23
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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129 welcher die Ausübung der allgemeinen bürgerlichen Rechte nicht mehr von den verschiedenen Konfessionen abhängig gemacht werde, wo man die Juden nicht mehr für schlecht halte, weil sie nicht getauft, sei nicht mehr fern, und es werde die Zeit kommen, wo bezüglich der Ausübung der politischen Rechte die konfessionelle Scheidewand fallen werde. Bezüglich der Bestimmungen des napoleonischcn Dekretes habe man Gelegenheit genug gehabt zu sehen, daß einerseits die Beibringung des Moralitäts-Zeugniffes zu einer bloßen Form geworden, und andererseits jenes Dekret eine nicht vorgesehene Wirkung zuverlässig habe herbeiführen müssen, daß nämlich durch dasselbe nothwendig jedes Rechtsgefühl bei den Juden unterdrückt wurde, edlere Gefühle und namentlich die Vaterlandsliebe wol wenig haben geweckt und gefördert werden können. Dies aber habe er zu berühren nicht unterlassen wollen, daß die ganze Pfalz mit großer Freude die Aufhebung dieses Dekretes begrüßen würde. Oesterreich. Papa, im Februar. (Eingesandt.) An die wissenschaftlichen Theologen Israels—und zunächst an die nächste hochwürdige deutsche Rabbinerversammlung zu Breslau eine ergebene Motion von Moritz Feitel. Die Aufgabe der heutigen Vertreter des Fortschrittes im Judenthume ist eine zweifache. Erstens, zu ergründen, was wahr ist an dem Ueberkommenen, um es rein und unverfälscht zu erhalten — und zweitens die Wege zu erforschen, um der Anerkennung verkannter Wahrheiten Eingang und Geltung zu verschaffen, ohne daß ein Schisma im Judenthume ausbreche, und ohne daß die Wesenheit des Judenthums darunter leide. Die erste Ausgabe zu lösen sind nicht nur heute die edelsten und tüchtigsten Geister in Israel bemüht, sondern wird dieses mit einem Fleiße, mit einem Ernste und mit einem Freimuthe betrieben, daß in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig bleibt und man kühn aussprechen darf, daß die Auffassung des Judenthums von Seiten einer großen Zahl wissenschaftlicher Theologen in dem letzten Jahrzehnt sich zu den Begriffen der gottbegeisterten Propheten emporschwang. — Weniger glücklich sind die Resultate in der Lösung der zweiten Aufgabe. Die Hyder des Widerstandes kopflos zu machen ist noch eben so wenig gelungen, als den frostigen Jndifferentismus auszurotten. Ja, während in den früheren Jahren bei beginnender Schuttwegräumung vom verfallenen Hause Jakobs man theilnehmende Zuschauer in Menge hatte; — heute Viele gegen eine Richtung kalt werden, der sie in der Praxis sich stillschweigend zugewendet, und nur noch in dem äußern Bekenntnisse schwanken, und in der öffentlichen Anerkennung längst gehegter Grundsätze.... Das Institut der deutschländer Rabbinerversammlung wurde von jedem Besserwollenden als das tüchtigste Mittel zur Lösung der letztgenannten Aufgabe erkannt. Der Egoismus, welcher von Böswilligen so leicht nachgesucht werden und zum Vorwurfe dienen kann, und jedem Einzelnen so leicht die reelle Absicht streitig macht, mußte hier gänzlich aus dem Augenmerk kommen, da eine Gesammtheit unmöglich von kleinlichem Eigennutz geleitet werden kann, und bei ihrer materiellen und geistigen Aufopferung mannigfacher Art zur Genüge beurkundet, wie sie von höheren, alle Selbstrücksichten hintansetzenden Motiven geleitet wird. Wird die nächste Rabbinerversammlung zu Breslau ebenso bei ihrer Weise, das überkommene Wahre im Judenthume aus seiner entstellenden Hülle hervorzusuchen, verharren, wie die Gesammtheit Israels in dem Glauben erstarken, daß selbe mit Hintansetzung aller selbstischen Rücksichten, nur jenes Gute will, was für die Erhöhung und Erstarkung Israels förderlich ist; — so ist ihr Sieg gewiß. Ob auch der böswillige Unverstand einerseits, und die selbstische Maniersucht andrerseits sie zu verdächtigen und ihr Vorhaben zu vereiteln sich männiglich abmühet. Meine gegenwärtige Motion, welche ich in bescheidener Ehrfurcht der nächsten Rabbinerversammlung zu unterbreiten wage, giebt derselben neuerdings Gelegenheit, ihrem begonnenen Vorhaben, den jüdischen Gottesdienst zu einem wahrhaft gottgefälligen zu machen, die Vollendung zu geben, und das gesammte Israel zu überzeugen, wie Sie als Rabbiner jenen Motiven beipflichten, die obwol ihnen eine Last aufbürdend, jedoch von der Anerkennung des geläuterten Reformprinzipes dringend gefordert werden. Und so trage ich denn ehrerbietigst darauf, an, zu statuiren: daß kein jüdischer Gottesdienst

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