Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1846)
- Date
- 1846-02-23
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Im Juni 1844 erlaubte es sich Unterzeichneter, die verehrliche Rabbinerversammlung zu Braunschrveig mit dem Anträge anzugehen, allen jüdischen Gemeinden Beschneibungslisten zu empfehlen. Zu diesem Behufe veröffentlichte ich in diesen Blättern ein Schema, nach dem jene Listen leicht und vollständig geführt werden können. Zugleich forderte ich wiederholentlich Alle, die sich für diesen sanitätspvlizeilichen Gegenstand interessircn sollten, auf, ihre Beschneidungslisten von Zeit zu Zeit an den Redakteur dieser Zeitung zu senden, oder sie direkt mir zustellen zu wollen, damit ich aus einer möglichst großen Anzahl von gesammelten Fällen die abstrahirten wissenschaftlichen Resultate über die Gefahrlosigkeit, die beste Operationsmethode, die Nachblutung und Folgeübel der Beschneidung zusammenstellen könnte. Nur auf diesem Wege lassen sich ungegründete Angriffe auf dieses religiöse Institut, wie sie erst wieder ganz kürzlich hier von einem Christen*) erhoben wurden, wissenschaftlich und bestimmt widerlegen. Nur auf diesem Wege läßt sich über manche noch immer zweifelhafte Punkte etwas Genaues feststellen. Ueberall dienen massenhafte Zahlen und statistische Tabellen- Nachweise als die gewichtigsten und beweisendsten Dokumente. Es ist daher sehr zu wünschen, daß die für unser religiöses Institut sich Jnteressirenden die oben angedeuteten Listen ausfüllen, sammeln lassen und einschicken möchten. Auch sind in dem seit meiner ersten Aufforderung in diesen Blättern verflossenen Zeitraum eines Jahres sowol dem Herrn Redakteur derselben als auch mir selbst von verschiedenen Seiten dergleichen Beschneidungslisten eingcsandt worden. Es ist dieses ein Beweis, daß die Herrn Mo h elim doch noch ein wissenschaftliches Interesse für diese Frage besitzen. Indessen ist dieZahl der uns zugegangenen Listen noch so gering, daß wir aus ihnen noch kein genügendes statistisches Resultat mitzutheilen im Stande sind. Indem wir nun diese Gelegenheit ergreifen, um alle Mohelim in Deutschland und Polen zunächst zur fleißigen und prompten jährlichen Einsendung von Beschneibungslisten, zu denen wir gedruckte For- *) Die schädlichen Folgen der Beschneidung. Ein Sendschreiben an die hochehrwürdige Versammlung der Herren Rabbiner in Frankfurt a. M. Von Dr. Th. Fr. Baltz, königl. preuß. RegimenlSarzte o. D. u. f. w. Berlin im Juli 1845. (Als Manuskript gedruckt und privatim vertheilt.) mulare und Schemata ihnen zukommen zu lassen gern erbötig sind, hiermit nochmals recht dringend aufzufordern, haben wir das Vertrauen, daß sie unsre Bitte erfüllen und zur Förderung und Erledigung einer rein wissenschaftlichen Frage ihren Beitrag nicht werden vorenthalten wollen. 0r. Bergson. Aus Hinterpommern, 15. Februar. (Privatmitth.) In No. 6 Ihrer Zeitung findet sich unter dem Dato Berlin den 25. Januar eine Folgerung, der ich mich verpflichtet halte zu widersprechen. Es wird nämlich darin aus den von den Landtagen zu Gunsten der Juden bei Sr. Majestät eingereichten Petitionen gefolgert, daß man da, wo man den Juden kennt, ihn gleichstellen will, und wo man ihn nicht kennt, gegen ihn sei. Diese Folgerung ist, was die Provinz Hinterpommern betrifft, falsch. Zur Ehre unserer christlichen Mitbürger, zur Ehre der Juden in Pommern, die sich durch ihre Bildung und ihr moralisches Betragen eine achtungswerthe Stellung sowol im Kommunalwie im Sozialleben errungen haben, trete ich dieser Folgerung öffentlich entgegen. In mehreren Städten Pommerns haben Juden seit langer Zeit schon Kommunalämter bekleidet, zu welchen sie das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger, die hier überall in der Mehrzahl sind, berufen hat. In Cöslin *) so wie in Berblitz **) befindet sich im Magistratskollegio als unbesoldetes Mitglied eine Jude; in Neustettin ***) sind schon lange Juden Stadtverordnete gewesen. T bei ist ihre Anzahl im Regierungsbezirk Cöslin eine sehr geringe. In sozialer Beziehung hat man in eben diesen drei Orten Juden durch Ballotement in die Ressourcen ausgenommen. An diesen Erscheinungen ist man hier so gewöhnt, daß Niemand, weder unter Juden noch Christen etwas Auffallendes darin findet. In diesem Theile Hinterpommerns, und ich möchte wol behaupten in ganz Hinterpommern, ist also die Stimmung nur dann gegen den Juden, wenn er sich so beträgt, daß man daran erinnert wird, er sei Jude in dem Sinne, wie man früher dieses Wort gebrauchte. *) Rathsherr Behrend. **) Ralhmann Abr. Aron. ***) Ely Behrend, B. A. Behrend, PH. Wehrend, welcher Letztere mehrmals Vorsteher der Stadtverordneten war.