Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1846)
- Date
- 1846-02-16
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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122 neren Angelegenheiten wissen gelassen. 6. 27. Oktober 1845." Unter unserm neuen Herrn General-Gouverneur, hohe Exzellenz, General der Infanterie von Golowin, voll Eifer für seines Kaisers gegebene Gesetze, laßt sich hoffen und erwarten, daß nunmehr in diesem Ukase, keine Unverständlichkeiten aufgesucht werden dürften, und schon am 24. d. M. 5 Uhr Abends die mehrerwähnte Kommission zusammentreten, in welcher auch nunmehr keine starke Opposition sich rege machte, und die vorgeschriebenen Arbeiten werden hoffentlich gleich nach den Ferien beginnen und — auch bald endigen. So wissen wir also, nach zehnjährigem Kampf und Ausdauer, daß wir endlich in der Stadt wo wir geboren und wo die Gebeine unserer Vorfahren ruhen, keine Fremden mehr sind. Wir wollen aber auf diesen so schwer errungenen Sieg keinesweges stolz sein, sondern Gott und unserm Monarchen danken und unsere bisherigen Verfolger gern lieben und achten lernen. Vergessen wollen wir alle uns zugefügten Unbillen und geloben dieser Stadt, nächst Gott und unserm Monarchen, Treue und Liebe! Personal- und Lokalnachrichten. Rres lau, 1. Februar. Der am 27. v. M. hierfelbst verstorbene Kommerzienrath Jonas Frankel hat über seinen bedeutenden Nachlaß, den die öffentliche Meinung annähernd auf 1 Million 5—600,000 Thlr. schätzt, auf eine zwar gemeinnützige, aber eigenthümliche Weise verfügt, so daß die Herren Testaments-Exekutoren, drei allgemein geachtete jüdische Kaufleute (die Herren Levy, Prinz und Millich) nicht geringe Mühe haben werden, den Willen des Testators zu erfüllen, lieber den nähern Inhalt des Testaments zirkuliren zwar die verschiedensten Gerüchte; die wichtigsten Bestimmungen desselben sollen indessen folgende sein. Einige neu zu errichtende jüdische Stiftungen sind zu Haupterben ernannt und dem Magistrat die Verwaltung der hierzu sich herausstellenden Fonds, deren Höhe sicher eine halbe Million übersteigt, übertragen. Die Verwandten des Verstorbenen erhalten statt Kapitalien nur die zeither erhobenen jährlichen Unterstützungen. Hierzu, so wie um weiblichen Verwandten bei ihrer Berheirathung eine Mitgift, Studirenden, Künstlern und Handwerkern jüdischen Glaubens besondere Unterstützungen verabreichen zu können, wird beim hiesigen Stadtgericht ein Kapital von mehreren Hundert Tausend Thatern deponirt. Jede hiesige wohlthätige Anstalt ohne Ausnahme erhält ein Kapital von 150 Thlrn.; eben so werden alle Beiträge, welche der Verstorbene bei Lebzeiten an milde Stiftungen entrichtet hat, aus einem zu diesem Behufs zu bildenden eisernen Fonds auf ewige Zeiten fortbezahlt. 25,000 Thlr. sind zur Verfügung der Kommunal-Behörden gestellt, um damit eine milde Stiftung für christliche Konfessions-Verwandte zu errichten. Das bereits früher von den Gebrüdern Frankel gestiftete und mit reichen Mitteln ausgestattete israelitische Kranken- und Waisenhaus erfreut sich eines neuen Legats von 15,000 Thlrn.; Legate von 10,000 Thlrn. ab, enthält das Testament eine nicht geringe Anzahl. Hagenau (Elsaß), 24. Januar. (Privatmitth.) Der Tod hat soeben dem mosaischen Kultus einen seiner eifrigsten Vertheidiger und den Israeliten von Hagenau einen der gelehrtesten Gesetzkuudigen geraubt. Herr Anselm Schopple Levy, Sohn des berühmten Rabbiners von Rosheim, schien die Eigenschaften und die Talente seines Vaters geerbt zu haben. Im Alter von 13 Jahren war er schon im Talmud bewandert; zu 25 Jahren ward er zum Rabbiner in einer Stadt Deutschlands ernannt. Aber ungeduldig nach Frankreich zurückzukehreu, opferte er der Liebe für's Vaterland die glänzendsten Stellungen und nahm allmälig als Rabbiner die bescheidenen Plätze von Mutzig und Fegersheim ein. Gegen Ende von 1831 hatten die hagenauer Israeliten das Glück seines Besitzes. Sein argloses Gemüth, sein sanfter und wohlwollender Charakter, seine tiefe Gelehrsamkeit in der jüdischen Theologie zogen eine große Anzahl junger Leute um ihn, welche aus dieser ergiebigen Quelle zu schöpfen kamen, und von denen die Meisten heute einen ehrenvollen Rang unter den Rabbinern Frankreichs und Deutschlands inne haben. Im Alter von 73 Jahren seiner Familie geraubt, wird dieser würdige Beamte nicht blos von seinen Oberen, von seinen Kollegen, seinen Zöglingen, sondern von allen jenen, die ihn kannten, bedauert. Die israelitische Schule eröffnete den Leichenzug; der Vorsänger und der Chor in Kostüm gingen vor dem Sarge. Die Gegenwart des Herrn Großrabbiners von Straßburg, mehrerer Mitglieder des Munizipalrathes, des öffentlichen Unterrichts und verschiedener Verwaltungskorps erhöhte die Pracht dieses imposanten Trauerzuges. Mehr als fünfhundert Personen folgten dem Sarge. In dem