Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1846)
- Date
- 1846-02-16
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225452--07549-3238312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
123 Tempel angekommen, welcher schwarz ausgeschlagen war, wurde die Bahre auf den Katafalk vor der heiligen Bundeslade gestellt. Der Vorsänger stimmte alsdann, von den Chorkindern begleitet, einen Trauergesang an, welcher eine schmerzliche Rührung unter den Zuhörern hervorbrachte. Hierauf Lmprovisirte der Herr Großrabbiuer eine deutsche Rede, welche alle Anwesenden tief erschütterte. —. Einen andern, sehr gelehrten Rabbinen verlor der Elsaß am vorigen üv Ln dem Herrn Jakob Hagenauer, Rabbiner zu Mauresmünster, dem mit dem vorher Genannten die vn anvertraut waren. Er war der Erste, welcher den Eid more juduico abzunehmen verweigerte und Ln die Prozeßkosten verurtheilt wurde, die aber durch Subskriptionen gedeckt wurden. Der Hochbetagte war im Begriff, ein Werk Vip zu ediren. Auch sein Lerchenbegängniß wurde sehr feierlich begangen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 25. Januar. Zur Geschichte und Literatur. Von 1)r. Zunz. Bd. 1. Berlin, 1845. (Fortsetzung). „Die Kultur der Juden, im Ganzen der ihrer christlichen Landsleute überlegen, war doch mehr in dem Leben, der Herzensbildung, als in einer Ausdehnung von Kenntnissen sichtbar. Wiewol fast jeder Jude lesen und schreiben konnte, und ein Bewußtsein seines Glaubens hatte, so war doch außerhalb des väterlichen, des nationalen Gebietes der Wissensvorrath äußerst beschränkt. Naturstudien lagen ganz darnieder,- astronomische Kenntnisse waren selten, der Aerzte aus einer wissenschaftlichen Schule gab es wenig; die Erdkunde war noch in ihrer Kindheit, Dämonen und Ungeheuer füllten die Länder und die Meere. Ein Reisender mußte befragt werden, ob der Euphrat nach Babylon oder nach Palästina fließe. In der Geometrie hielt man bei den Anfangögründen, und R. Simson in Sens war nicht weiter gekommen, als zu merken, daß die Diagonale eines Quadrates größer als 7/s der Seite fein müsse. Da viele ältere Jrrthümer in den Vorstellungen der Zeit Nahrung fanden, so blieben sie bei den Juden haften; nicht blos einzelne Talmudstellen, sondern die Unwissenheit in der Naturlehre, die Astrologie und die kabbalistischen Bücher begünstigten mannigfachen Aberglauben. Man wußte von Personen ohne Schatten, von Teufeln und bösen Geistern in Gruben und an abgelegenen Orten, deren Begegnung dadurch unschädlich wird, daß man, ehe man ein Wort spricht, Feuer anrührt. Man fürchtete den bösen Blick, die Hexen und die kinderfressenden Weiber, beschwor die Geister und machte sie mittelst Amulette unschädlich. Wiewol nun Taschenspielerkünste als wirkliche Zaubereien galten, so verdammte man doch als gottlos jedes Hexenwerk und forderte zum Vertrauen auf Gott auf, der solches Thun zu Schanden mache. Die Scheu vor den Todten, die den Träumen beigelegte Wichtigkeit, der Glaube an Ahnungen, sympathetische Mittel und Zauberkuren, zu welchen selbst die heiligen Bücher gebraucht wurden, vergrößerten das Heer abergläubischer Gebräuche, die von der Religion vergebens bekämpft, erst von der Wissenschaft gebändigt worden sind." (Schluß folgt.) Leipzig, 8. Februar. In diesen Tagen wird die 25ste Lieferung des zweiten Bandes des Philippson'schen Bibelwerks ausgegeben und die 26ste Lieferung vollendet; Letztere reicht bis zum 30sten Kapitel des Jirmejah. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l'/t Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Die Gemeinde zu Stralsund sucht zu rih d. I. einen unverheiratheten der zuleich examinirter Lehrer ist. Hierauf Reflektirende belieben sich auf untenstehende Adresse zu melden. D. M. Israel. Die israelitische Gemeinde in Anclam wünscht zu •VN 2NN taan einen Lehrer, der zugleich Schächter und Vorbeter sein soll. Hieraus Reflektirende wollen sich baldigst bei dem Vorstand melden, und bei der Meldung die besitzenden Zeugnisse mit einsenden, worauf alsdann das Nähere mitgetheilt werden wird. Anclam, den 1. Februar 1846. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde daselbst. fer" Ein an einer öffentlichen Schule in Mahren angestellter israelitischer Lehrer, der eine regelmäßige Schulbildung genossen, an der Prager Universität Vorlesungen über philosophische Studien und allgemeine Erziehungskunde mir gutem Erfolge gehört hat, mit besonders empfehlenden Zeugnissen über seine bisherigen Leistungen als Erzieher und Lehrer sich ausweisen kann, sucht seine