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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-09 · Heft 7 (9.2.1846) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 7 (9.2.1846)
Date
1846-02-09
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 das mit Sprüche 31, 10 anhebt, betrauert, gesteht, nie durch sie unwillig geworden zu sein. Die Frau deS Joseph b. Jochanan in Paris war fast eine Rabbinerin; Brune in Mainz legte, was sonst nur Männern obliegt, das Schaufäden-Gewand an. Bon Litte aus Regensburg giebt es eine (beschichte Davids in deutschen Reimen, und noch manche deutsche Jüdin wird durch Gradschriflen verherrlicht.^ „Diejenigen Juden in Frankreich, England, Deutschland, welche nicht dem Gesetzstudium, dem Lehrfache ob-- lagen, oder nicht als Schreiber u. dgl. Anstellungen hatten, trieben Geldgeschäfte, da andere Gewerbe meist erschwert oder unmöglich waren; Einige Handel, Land- und Weinbau, oder waren Handwerker, z. B. Schmiede, selten Schiffer; Manche verstanden die Waffen zu führen, oder nahmen Theil an Jagden. Die Einwirkung des Lebens und des täglichen Beispiels auf die Juden jener Zeit zeigt sich am Deutlichsten in den Erholungen und den Spielen, die ganz das Gepräge des Heimathlandes trugen, nicht immer zur Zufriedenheit der Orthodoxie. Die Frauen und Kinder spielten mit Nüssen, und ein Rufihaufen mußte von einer Nuß getroffen und umgeworfen werden; die Knaben und die Mädchen ergötzten sich am Ballspiele oder mit „Blindekuh". Den jungen Leuten war Springen und Wettlaufen selbst am Sabbat nicht untersagt, und bei der Feier von Hochzeiten gab es Kampfspiele zu Pferde, — hört man doch selbst von Duetten. Zw den Unterhaltungen gehörten auch Scherzspiele mit Dosen und sonstigen Späßen, Räthselaufgaben, Verkleidungen, Wettfragen, das Spiel aus dem Loosenbuche — unserm Kartenlegen nicht unähnlich —, das Spiel „Gau; und Halb," das Reisende bei den Grönländern wiederfanden. Des Würfelspiels, gegen das oft eingeschritten wurde, enthielten sich die frommen Leute, namentlich angesehene Männer, gänzlich; das Kartenspielen verstattete man sogar am Feste Pesach; aber der Mißbrauch verpönte auch diese Unterhaltung, und Mancher nannte sie ein Satanswerk ersten Ranges. Nur das Schach erhielt sich in Ansehen, und erst spätere Eiferer, einem verdumpften Leben anheimgefallen, wagten dieses edle Spiel zu verketzern." „Ueberhaupt war im Leben der Abstand von den Christen bei Weitem nicht so in's Kleinliche getrieben als in den neueren Jahrhunderten, wo ein grausamer, ebenfalls in kleinlichen Einzelheiten ausgebildeter Druck jede frische Regung niederhielt und abschreckte. Man wetteiferte in Kleidung und Putz mit den Landesbewohnern; man redete mit ihnen einerlei Sprache und in den bürgerlichen Namen war kein Unterschied des Glaubens zu finden. Unter den Juden in England, Burgund, Brabant und Frankreich finden wir die Mannsnamen Albert, Amendac, Benet, Bertrand, Bienli Bieng, Bonfant, BonfilS, Cattot, Cresselin, Doune, Dorvil, Fleming, Geoffroy, Leon, Lovel, Merlin, Moreau, Morel, Perigors, Peter, Petit, Sonet, Vivant, Vivian u. m. A. Die Frauennamen Belota, Bonefille, Chierre, Chellis, Dolce, Fillon, Flora, Gentile, Mignet, Pulcelle, Rose. Deutsche Juden hießen Anselm, Arnold, Bernhart, Bischof, Brodtmark, Eberlein, Fischlin, Gotthart, Gottlieb, Henschel, Liebetraut, Menzel, Pfefferkorn, Salzmann, Süskind, Tröstlein, Wolf, und ihre Töchter nannten sie: Edelin, Freude, Gertrud, Himweltrud, Jutta, Matrone, Minna, Mechtilde, Schönlin. Mehrere hebräische Zusammensetzungen verrathen, daß sie übertragene Landesnamen sind. In den Wohnhäusern wurde kein mit den Religionsgesetzen verträglicher Zierrath abgewiesen. Die Synagoge zu Köln hatte im zwölften Jahrhundert Glasmalerei in ihren Fensterscheiben, und an den Wänden einer andern Synagoge sah man ein Jahrhundert später Bäume und Vögel gemalt. Freilich ließen die Rabbiner Beides entfernen. Auch gegen den Luxus in Kleidern mußte bisweilen eingeschritten werden." „Im Ganzen jedoch lebten die Juden mäßig, und hervorstechender großer Reichthum war selten. Die Ansätze der gewöhnlichsten Lebensbedürfnisse waren niedrig, dahingegen die Gegenstände des Luxus, die Leistungen von Kunst und Wissenschaft, das Ausländische theuer. Etwa umS Jahr 1070 kosteten am Rhein Todtenkleider für einen Erwachsenen anderthalb Mark; ein Pferd war wohlfeiler als 8 Mark. In Köln betrug um 1140 die jährliche Miethe einer Mittelwohnung eine halbe bis eine ganze Mark; ein Pferd, das 1 Mark kostete, wurde wöchentlich für 6 Pfennige — das Jahr ungefähr 2 Mark — vermiethet. Goldene Ohrringe waren für 3, ein Oberrock für 1 Mark zu haben; l1/* Mark gab man für einen Ring Unterpfand. Drei Brüder brauchten täglich für Brod, Fleisch und Wein für Jedes einen Schilling. Gold hatte den zwölffachen Werth des Silbers; aber für 1 Mark Gold, die die Goldwäscher lieferten, zahlte man in Strafiburg nur 7, den Händlern in Speyer 8 Mark. Um das Jahr 1190 konnte man in Frankreich ein Haus für den jährlichen Miethzins von 10 Denaren erhalten; in Paris bekam ein Zeuge für eine Unterschrift 6 Pfennige; die Pacht einer Mühle kostete daselbst 5 Livres Parifis. Mann und Frau brauchten das Jahr etwa 200 Denare, wobei ein Maaß Waizen nur auf den sechsten Theil eines Denar

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