Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1846)
- Date
- 1846-02-09
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Hofes, einem Gliede des riga'schen Stadtmagistrats! und einem Gliede der riga'schen Polizeiverwaltung, j so wie aus Deputirten von der riga'schen Bürger-! schaft, bestehend aus einem Gliede der großen und i einem Gliede der kleinen Gilde und Einem des ebräi-! schen Kahals-Amtes, niederzusetzen, welcher Kommis- , sion die Pflicht aufzuerlegen sei, in Verlauf von sechs Monaten, wegen der in Riga wohnhaften Ebräer,! eine strenge Aussichtung zu bewerkstelligen und diej jenigen nur zum Rechte der Anschreibung zu Riga zu lassen, welche von den zur achten Revision zum Flecken Schlock Angeschriebenen und nach Grundlage des allerhöchst bestätigten Reichsraths-Gutachten in Riga bleibenden Aufenthalt gehabt haben. — Nachdem nun diese Kommission die Verzeichnisse angefertigt haben wird, und nach Vorstellung derselben zur Beprüfung an die liefländische Gouvernements-Negierung, so sollen mit Bestätigung des General-Gouverneurs die in diesen Verzeichnissen Eingetragenen zu Riga zugezählt werden, diejenigen aber, welche in jenen Verzeichnissen nicht ausgenommen worden sind, sollen wie früher zum Flecken Schlock verzeichnet bleiben. — Zur gehörigen Erfüllung ist deswegen dem General-Gouverneur der Ukas zuzufertigen so wie den Ministern der Finanzen und der inneren Angelegenheiten mitzutheilen. Juni den 19. 1844. Nach diesem so deutlichen Ukase sollte man doch wirklich geglaubt haben, daß unsere Gegner nunmehr einsichtsvoller sich gegen uns benehmen werden, besonders da dieselben doch erkennen konnten, daß unsre Regierung Niemanden schuldlos bedrückt wissen wolle, doch nichts weniger als dieses. Unsere böswilligen Gegner, trotzend auf ihre materielle Macht, räumten das Feld noch nicht und glaubten, eine abermalige Opposition könnte doch wenigstens eine jahrelange Verzögerung herbeiführen, wodurch wir längst Ermüdete, erschlaffen und — zuletzt doch gänzlich verstummen müßten.— Unsere Hoffnung zu Gott aber, und unser festes Vertrauen auf die Gerechtigkeit unsrer Regierung gab uns Kraft noch fernerhin zu dulden und machte uns gefaßt, nochmals für unser Recht zu kämpfen, besonders aber wurden wir erstarkt, als wir aus diesem humanen Ukase ersehen hatten, daß in der nun beprüsenden Kommission auch ein Glied aus unsrer Mitte Sitz und Stimme haben werde. Doch hatte sich die erste Sitzung dieser Kommission bis zum Oktober 1844 verzögert; es waren also schon von den für die Arbeiten derselben festgesetzten sechs Monaten vier verstrichen. Gewählt wurden zu dieser Kommission: zum Präsidenten, der Herr Kameralhofsrath, Etatsrath von Dahl; zu Gliedern derselben, der Herr Rathsherr und Ritter von Westberg und der riga'sche Herr Polizeimeister Jasikow; als Deputirte der großen und der kleinen Gilde, der Stadt-Aeltermann Lemke und der Aelteste Kreusch, von Seiten der Ebräer aber der Optikus Sr. kaiserlichen Hoheit Michail Pawlowitsch und Kahals-Amts- Mitglied Michael Tietzner. Bei der ersten Sitzung, welche am 21. Oktober stattgefunden, nachdem obiger Ukas verlesen wurde, entspann sich schon eine für unfern Repräsentanten unbehagliche Erörterung, doch erklärte der humane Präsident, daß er keinesweges von dem wahren Sinne des Ukases, welcher zu arbeiten befiehlt, nämlich die Verzeichnisse anzufertigen, nicht abweichen, denn keinesweges ist die Aufgabe der Kommission, Sentiments, Meinungen oder Voten zu verlautbaren, was schon Sache eines dirigirenden Senats gewesen. In den folgenden beiden Sitzungen aber (es kam zu keiner Sitzung mehr) sah sich sowol der Herr Präsident als unser Vertreter genöthigt, gegen jede der von den anderen Gliedern der Kommission aufgestellten Behauptungen und Meinungen nicht allein zu protestiren, sondern selbst das bei der Kommission aufgesetzte Protokoll hat Letzterer nicht mit unterschrieben, da es beschlossen wurde, das ganze Verfahren zur Kenntniß des Herrn General-Gouverneurs zu bringen. Von Seiten der Kommission wurde zwar über das Geschehene auch sofort dem Herrn General-Gouverneur berichtet, wobei die städtischen Glieder der Kommission ihn gebeten, wegen der (ihrer) Unverständlichkeiten des gegenwärtigen Ukases einem dirigirenden Senate abermals Vorstellung zu machen und für sie sich zu verwenden; doch hochderselbe verweigerte ihnen seine sofortige Verwendung und soll ihnen gerathen haben, von sich aus dahin zu supplizircn. — Von unserer Seite überreichte zugleich Herr Tietzner dem Herrn General-Gouverneur, Baron von der Pahlen, einen förmlichen Protest gegen jede nicht buchstäbliche Auslegung des Ukases der anderen Glieder der Kommission — und so hat, bis auf's Weitere, diese Kommission sich aufgelöst. Nun wurde wiederum die Bürgerschaft versammelt und beschlossen, sofort eine Deputation nach St. Pe-