Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1846)
- Date
- 1846-02-09
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Kenntnissen zu bereichern. Non einer schon durch einen Vater in ihm angeregten und gepflegten besondern Vorliebe zur Sprache und Literatur der Väter hingezogen, wußte Goldenberg hier Zeit und Gelegenheit trefflich zu benutzen, sich mit beiden vollkommen vertraut zu machen. Er lernte auf diese Weise auch die vorzüglichsten hebräischen Schriftsteller der Neuzeit, des In- und Auslandes aus deren Schriften kennen und säumte nicht, sich mit denselben in literarischen Rapport zu setzen. Rapoport, Reggio Luzzatto, später auch Zunz, Geiger, Sachs und die anderen Koryphäen der neuhebräischen Literatur und der Wissenschaft des Judenthums empfingen und erwiederten die Briese unsres Goldenberg, in welche er oft die wichtigsten Fragen des Judenthums und der Wissenschaft desselben auf eine so anregende und provozirende Weise einzuflechten verstand, daß er in Kurzem im Besitze einer Sammlung der interessantesten und lehrreichsten Abhandlungen war, Dinge besprechend, die das religiöse und intellektuelle Leben des Judenthums bewegen, und von Männern herrührend, deren Namen von gutem Klang und deren Aussprüche von allgemeiner Bedeutung sind. Hatte er anfänglich hiebei vornehmlich, wo nicht einzig, seine Selbstbelehrung im Auge, so konnte es bei einem regen Geiste, wie der seine, doch nicht fehlen, daß nicht in der Folge der Wunsch in ihm rege ward, die so gesammelten Schätze zu einem Gemeingut zu machen. So entstand der erste Theil des Keremkkemeü (Wien, bei A. Schmid, 1833), dem dann in bald kürzeren, bald längeren Intervallen die übrigen sechs Theile folgten (2. Wien, bei A. Schmid, 1836; 3—7. Prag, bei M. I. Landau, 1838—43). In diesem periodischen, unseres Wissens gegenwärtig einzigen Werke dieser Art baute er der heiligen Sprache einen Tempel, der Wissenschaft des Judenthums eine Schatzkammer und sich selbst ein unvergängliches Denkmal. — Während diese seine Verdienste nicht nur in seiner nächsten Umgebung, sondern auch in Deutschland und Italien, welche Länder er vor einigen Jahren besuchte, gerechte Anerkennung finden bei allen Stimmberechtigten, wissen seine näheren Freunde und Bekannten andere persönliche Vorzüge an ihm zu loben, die sich nur im vertrautern Umgänge offenbarten. Er war ein zärtlicher Gatte und Vater, ein aufopfernder Freund, ein eifriger Beförderer des Guten. Geistreich, aufgeweckt, sprudelnd von Witz und Laune, brachte seine Gegenwart Frohsinn und Heiterkeit in jeden Kreis, dem er sich anschloß, und gewann ihm alle Herzen. Daher gab sich auch bei seinem Hintritte eine fast allgemeine Trauer kund in der Gemeinde. — Seine Wittwe beweint in ihm den liebevollen Gatten, wie den Vater und Versorger ihrer fünf unmündigen Kinder, von denen die ältesten zwei im Auslande weilen, der eine in Görz, dem Studium der Philosophie obliegend, der andere in Seesen als Zögling des Jacobsohn'schen Instituts. Während der letzten Tage seiner Krankheit trat dem armen Vater oft die Erinnerung an diese Abwesenden mit bitterm Schmerz vor die Seele, und cs war herzbrechend anzuhörcn, wie er oft schluchzend den Vers wiederholte: orsi ra! und dann in der Vorahnung seines Todes das Schicksal seiner Kinder den anwesenden Freunden und Verwandten flehentlich an's Herz legte. Möge diese Bitte eines Sterbenden bei seinen Brüdern und Freunden Erhörung finden! — Er starb nach 14wöchentlichem fast schmerzlosem Siechenlager in Folge eines chronischen Leberleidens und daraus entstandenen Leber-Abszesses in der Nacht vom 10/11. d. M. Friede seiner Asche! i-ns; erb üniuni sir^na S'ansort! Dem edeln Goldenberg zur Seite ruhet auf dem hiesigen Leichenacker ein Mann, dessen literarische Arbeiten vor einigen Jahren mit Lob erwähnt wurden in Ihrem schätzbaren Blatte, und dem wir bei dieser Gelegenheit einige Worte der Erinnerung zu widmen uns nicht enthalten können. Es ist der gewesene Lehrer des Talmuds und der hebräischen Sprache an der hiesigen deutsch-israelitischen Hauptschule, Isaak Michel Mo nies. Er befaßte sich in den letzten Jahren seines Lebens mit dem Sammeln und Aufschreibcn der Parabeln des berühmten Predigers von Dubno, dieses Abraham a Sancta Clara der polnischen Juden. Nachdem der erste Theil des Werkes, die Biographie des Predigers und eine ästhetische Monographie des Herausgebers enthaltend, vollendet und bereits zensurirt zum Drucke fertig lag, beschäftigte sich Monies eben noch mit dem Ordnen und Feilen der niedergeschriebenen Parabeln selbst, als ihn im Spätsommer 1844 der Tod abrief. Es wäre zu wünschen, daß die hiesige deutsch-israelitischeHauptschule das Manuskript von den Erben für die Schulbibliothek erwerben wollte; so könnte man doch hoffen, 7*