Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1846)
- Date
- 1846-02-09
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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103 gehend, daß die verheißenen neuen Gesetzbücher nichts mehr von den Juden enthalten sollen." Hamburg, 1. Februar. (Privatmitth.) In Ermangelung irgend interessanter Neuigkeiten von hier, da der einzige nennenswerthe Vorgang in der Einsetzung einer beständigen Kultuskommission von Seiten des hiesigen Tempels besteht, welche vor allen Dingen eine Tempel-Bibliothek begründet, theile ich Ihnen blos Einiges aus neueren englischen Zeitungen mit. Der Oberpriester Adler scheint, den nothgedrungenen Apologieen seines Schutzblattes „Voice ok Jacob“ zufolge, eine bedeutende Disharmonie zwischen den verschiedenen londoner Gemeinden zu bekämpfen zu haben. Ob diese sich auf ihn und sein Amt direkt oder indirekt bezieht, ist aus dem Blatte nicht zu ersehen: es kann aber für den Deutschen, der die Ungeheuerlichkeit des Plans, alle Kirchenmacht über England und seine Kolonien in die Hand eines einzigen Mannes zu legen, nur der Unerfahrenheit der englischen Juden zuschreiben konnte, nicht zweifelhaft sein, daß eine solche Stellung, zumal wenn der Inhaber sich gleich auf einen Extrempunkt stellt, auf die Länge zusammenbrechen muß. Vor Kurzem hat Herr Adler ein Brautpaar aus der Gemeinde in Burton-Street das von ihm eingesegnet sein wollte, genöthigt, zweimal schriftlich die Jrrthümer ihrer Gemeinde (der West ot Domion, reformirten) abzuschwören und die Alleingültigkeit seines (des Adlerschen) orthodoxen Judenrhums zu bekennen. Darüber denn großes Geschrei von Seiten der Reformirten, meiner Meinung nach mit Unrecht; warum sind sie solche Narren, Adlers Segen zu verlangen? Gäbe er ihn um nichts und wieder nichts, so würde man, wie jener Betteljunge zum Bischof, genau errathen können, wieviel er werth ist. Freilich ist man in England allgemein noch so zurück, die Personal- und Eheregister in den Händen der Priester zu lassen, und das leitet denn auch die Juden irre. Uebrigens ist aus der V. o. J. selbst zu ersehen, daß sogar diese Farbe das obige Verfahren nicht billigt. Das Schönste ist, daß die „Abtrünnigen" sowol Herrn A. mitgewählt haben, als fortwährend für ihn steuern. 8ic vos noo vobis! — In Lord John Russel's Rede auf dem Stadthause zu Glasgow am 12. Januar, wo ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt überreicht wurde, kommt folgende Stelle vor. Er fordert nämlich das Volk Englands auf, sich nicht mit halben Maßregeln bezüglich des freien Handels zu begnügen, da man die besten Gesetze oft durch gering geachtete Einschiebsel verderbt habe, und erzählt, wie es ihm bei Gelegenheit des Gesetzes zur Aufhebung der TestundKorporationscide gegangen. „Eine Deklaration ward freilich hinzugefügt, die ich mir gefallen ließ, weil ich sie für völlig harmlos hielt; aber vielleicht kann die Geschichte dieser Deklaration am Besten zeigen, wie viel Gefahr jederzeit dabei ist, bei einem reinen Rechtsanspruch Bedingungen und Eigenschaftsfvrderungen zuzulassen; denn in dem Obcrhause fügte man einige Worte hinzu („auf den Glauben eines aufrichtigen Christen"), welche, als das Gesetz in Wirksamkeit trat, sich als nichts Geringeres darstellten als wie eine Ausschließung derjenigen Personen, die durch ihre religiöse Ueberzeugung Juden wären, von den Munizipalämtern (Dvl^oralions). (Hört! hört!) Damals dachten die ewigen Freunde der religiösen Unterdrückung, es sei unsicher, Verfolgung gegen die protestantischen Dissenters zu versuchen, weil diese eine zahlreiche und mächtige Körperschaft bildeten, noch hielten sie es für gerathen, länger Unterdrückung gegen die römischen Katholiken zu üben, da diese den größten Theil der irischen Bevölkerung bilden und ebenfalls zu mächtig sind und ihre Ansprüche allenfalls erzwingen könnten — aber, lediglich um sich das Vergnügen einer kleinen Unterdrückung im Gesetzbuche zu gönnen, ward diese Bürgerklasse, gegen deren Loyalität kein Mensch ein Wort sagen konnte, von den Munizipalämtern ausgeschlossen. (Hört! hört!) Dieses kleine Ueberbleibsel ist in Bezug auf Munizipalämter erst in diesem Jahre abgeschafft worden. (Lauter Beifall.) Es war eine der Maßregeln, die ich als Minister unterstützte, aber das Unglück hatte im Oberhause verwerfen zu sehen. ES ist auch eine von den Maßregeln, die wie manche andere unter dem jetzigen Ministerium in dem Oberhause durchgebracht worden und im Unterhause mit einer großen Majorität durchgegangen sind, worunter Viele, die früher am Heftigsten dagegen geredet haben." (Lauter Beifallsruf.) So spricht ein englischer Staatsmann, auf dem Gipfel der Volksgunst-Oh, muß mich's ewig mahnen: In unserm Deutschland ist's doch anders! — Da giebt eine königliche Regierung zu verstehen, sie fürchte ihre Popularität zu verlieren, wennsie