Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1846)
- Date
- 1846-02-09
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 liten zu errichten. — Es geht das Gerücht, Montesiore wolle im Frühjahr nach Jerusalem reisen, und den Weg über Petersburg nehmen. (Nach Jewish Chronicle.) Deutschland. Hannover, 30. Januar. (Privatmitth.) sVorbemerkung der Redaktion. Mit Vergnügen erfüllen wir den Wunsch des Herrn Landrabbinen vr. Meyer, den folgenden „Aufruf" in den Spalten der A. Z. d. Jud. abdrucken zu lassen. Wir gestatten uns auch unsrerseits unseren Glaubensgenossen im Königreich Hannover auf das segensreiche Unternehmen aufmerksam zu machen und ihre Theilnahme in Anspruch zu nehmen. Niemand weiß besser zu beurtheilen, als wir, wie unumgänglich nothwendig solche Institute sind, da Tag für Tag gebildete Subjekte für die Gemeinden gefordert werden, ohne daß sie in hinreichender Zahl vorhanden sind. Das Bedürfniß steigert sich hierbei von Jahr zu Jahr. Mögen also die Gemeinden auch einmal etwas für ihre Zukunft thun! Unsere Väter thaten so viel für Sin ■'na, Klausen, Talmud Thora rc., warum wollten wir zurückbleiben, welche uns die Miene geben, aus wissenschaftlichen Unterricht so viel Gewicht zu legen?j Der „Aufruf" lautet: Der Mangel an tüchtigen jüdischen Lehrern in unsrem Vaterlande ist eine ebenso bekannte, als betrübende Thatsache, welche als das vorzüglichste Hinderniß einer bessern Gestaltung der jüdisch-religiösen Verhältnisse erscheint und daher eine wirksame Abhülse dringend erheischt. Denn die Synagogen-Gemeinden auf dem Lande entbehren mit dem Lehrer zugleich den Geistlichen; ohne Leitung in ihren heiligsten Angelegenheiten, ohne Mittelpunkt für ihr religiöses Leben, müssen sie auf alle Vorzüge der religiösen Gemeinschaft verzichten, wodurch ihre Gegenwart zerstört wird. Aber auch die Zukunft der gesammten jüdischen Bevölkerung, ihr Fortschritt in Religiosität und Bildung, ist von der größer» und geringern Tüchtigkeit der Lehrer bedingt. Nur eine geregelte Erziehung, auf der Grundlage tüchtigen Religionsunterrichts und echter Schulbildung ruhend, vermag die bildsame Jugend für Tugend und Frömmigkeit, für Fleiß und Ehrenhaftigkeit, für Vaterlandsliebe und Bürgersinn zu erwecken; und es bedarf wol keiner Nachweisung, daß die geistige Entwicklung in allen diesen Beziehungen leiten muß, wenn — wie bisher aus Mangel an tüchtigen einheimischen Lehrern öfter geschehen mußte — Männer aus dem Auslande zu dem heiligen Lehreramte zugelassen werden, denen nur zu häufig sowol die moralische als die wissenschaftliche Befähigung abgeht. Nun fehlt es aber im Inlands keineswegs an strebsamen Jünglingen, wol aber hat es ihnen bislang an Gelegenheit gefehlt, sich auszubilden. Darum ist es nur sehr Wenigen gelungen, sich die nöthige Befähigung zu verschaffen; die Mehrzahl wendet sich, zurückgeschreckt von der Schwierigkeit der Ausbildung für einen Stand, der überdies nicht viel äußerlich Anlockendes hat, anderen Berufsarten zu, und das Lehrfach steht verwaist da. Wäre aber eine Anstalt zur Bildung jüdischer Lehrer vorhanden, worin Jeder ohne große Kosten und ohne Schwierigkeit sich die nöthigen Kenntnisse verschaffen könnte, so würden nicht nur Viele, die schon jetzt Berus und Neigung haben, sich dem Lehrfache widmen; sondern es würden auch manche Talente, die jetzt schlummern, geweckt werden; Eltern würden ihre Kinder diesem hohen und heiligen, am innern Lohn und geistigen Segen so reichen Berufe widmen; auch würde der Lehrerstand selbst, wenn er nur aus tüchtigen und regelmäßig gebildeten Männern bestände, an Achtung und Ansehen gewinnen; seine äußere Stellung würde sich bessern, so daß nach einiger Zeit ein achtbarer und geehrter Lehrerstand vorhanden sein würde, dessen moralische Einwirkung auf die Gemeinden, dessen Streben für die Fortschritte der Jugend von dem heilsamsten Erfolge sein muß. — Die Unterzeichnete, vom königlichen Ministerium des Innern mit der Begründung einer solchen Anstalt beauftragte Kommission, von der Nothwendigkeit und dem hohen Nutzen derselben überzeugt, hält es für ihre Pflicht, dieselbe sobald als möglich in's Leben zu rufen, und zu dem Ende zunächst die erforderlichen Geldmittel herbeizuschaffen. Wenn auch schon früher von einigen Wohlthätern einzelne Beiträge für diesen Zweck zugesichert sind, und für die weitere Fortführung der Anstalt einige Beihülfe aus öffentlichen Mitteln in Aussicht gestellt ist, so ist doch für ihre erste Einrichtung und für ihre feste, von allen Zufälligkeiten unabhängige Begründung ein bedeutender Fonds erforderlich. Denn nicht auf den Augenblick